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Zeitung für die Landeshauptstadt

11. Dezember 2017 | 18:15 Uhr

Tourismus : Erst jetzt kommen die Urlauber

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schwerin verzeichnet für das erste Halbjahr des Jahres Rückgang der Übernachtungen. Vorletzter Platz im Land

von
erstellt am 30.Jul.2015 | 12:00 Uhr

Der silbermetallic-farbene Peugeot mit französischem Autokennzeichen steht mitten auf der Schliemannstraße, nur wenige Meter nach der Einfahrt aus der Werderstraße. Der Fahrer diskutiert gestikulierend mit der Frau auf dem Beifahrersitz, die offensichtlich ratlos Wege auf einem Stadtplan sucht. Hinter dem Peugeot staut sich bereits der Verkehr. Schließlich rollt der Franzose an, fährt an der Einfahrt zum Großparkplatz Altstadt vorbei und die beiden versuchen ihr Glück in Richtung Grüner Straße. Die Situation ist in diesen Tagen fast täglich so oder ähnlich zu beobachten: Der Parkplatz des Nahverkehrs an der Grünen Straße ist voll besetzt.

„Wir können momentan nicht klagen, was die Bettenbuchungen anbelangt“, sagt Matthias Theiner, Schweriner Chef des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga). „Ich hatte gerade eine Woche mit einer 100-prozentigen Belegung“, berichtet der Inhaber des Hotels und Restaurants „Zur guten Quelle“ in der Altstadt. Doch er wisse auch, dass das vor allem an den Schlossfestspielen mit „La Traviata“ liegt, dass die Gäste in die Landeshauptstadt strömen, sagt der erfahrene Hotelier. Es werden nach der Sommeroper wieder andere Zeiten kommen – so wie es in den ersten Monaten des Jahres war.

Die Übernachtungszahlen für das erste Halbjahr liegen jetzt vor. Und sie sind nicht ermutigend. Das einzig Positive ist die so genannte Verweildauer, also der Durchschnittswert, wie lange die Gäste in Schwerin bleiben. Dieser Wert lag im ersten Halbjahr bei 1,7. „Klar, wie hatten auch schon 1,8. „Aber es sind durchschnittlich immer noch mehr als nur eine Nacht, die die Besucher bei uns buchen“, sagt Theiner. 3,6 Übernachtungen beträgt der Durchschnittswert für das Land, 2,4 Nächte bleiben die Touristen durchschnittlich in Rostock.

Dann hört es aber schon auf mit der Freude. Denn während landesweit die Zahlen kletterten und Mecklenburg-Vorpommern einen Anstieg der Übernachtungszahlen von 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bescherten, verzeichnet die Landeshauptstadt den zweitschlechtesten Wert im Land. Nur nach Greifswald wollen im Vergleich aller Städte und Landkreise im Land noch weniger Touristen. Schwerin muss ein Minus von 3,9 Prozent im Vergleich zum ersten Vorjahreshalbjahr bilanzieren. Zum Vergleich: In Rostock stiegen die Übernachtungen um 3,2 Prozent, in Wismar sogar um 5,2 Prozent.

Erstaunlich an diesen Zahlen ist die Entwicklung der Ankünfte von Gästen aus dem Ausland. Hier scheint sich Schwerins Ruf als tourismusorientierte Stadt gefestigt zu haben: 9,2 Prozent mehr Ausländer als im Vorjahr machten im ersten Halbjahr dieses Jahres in Schwerin Kurzurlaub. Dass unterm Strich ein deutliches Minus zu verzeichnen ist, liegt am Rückgang der Besucher aus Deutschland. Minus 5,4 weist hier die aktuelle Statistik aus. Es geht aber auch ganz anders. MV-Schlusslicht Greifswald hat mit einem Minus von 7,2 nicht nur deutlich weniger deutsche Touristen anziehen können, sondern bei den ausländischen Besuchern einen dramatischen Einbruch zu verzeichnen: minus 41 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

„Das kann ich nicht erklären. Wir werden aber nach den Ursachen suchen“, sagt Jana Maiwirth vom Dehoga-Landesvorstand. Dass es in Schwerin einen Rückgang der Übernachtungen gegeben hat, verwundert die Expertin nicht, die in Schwerin das Hotel Arte in Krebsförden leitet. „Wir hatten in diesem Jahr lange schlechtes Wetter. Das schlägt sich beim Städtetourismus immer sofort in den Zahlen nieder“, sagt Maiwirth. „Und im vergangenen Jahr wurde Nestlé gebaut. Da hatten wir viele Geschäftsreisende. Die gab es in diesem Jahr nicht mehr.“

Matthias Theiner will nicht verhehlen, dass das Wegbleiben vieler Touristen auch mit der Bettensteuer zusammenhängt, die seit Mai vergangenen Jahres fällig und seit September von der Stadt kassiert wird. „Selbst wenn die Steuer kein Grund wäre, ist sie alles andere als hilfreich, um wieder aus dem Tal herauszukommen.“ Zudem bekanntlich nur die ehrlichen Hoteliers die Zusatzabgabe leisten. 65 der 127 Anbieter von Betten in Schwerin haben bislang nichts gezahlt, wie die Stadt jüngst zugeben musste. „Wir sehen auch keinen Nutzen für die Tourismusbranche durch die Bettensteuer“, ergänzt Jana Maiwirth. „Wir hätten mehr davon, wenn das Geld direkt in touristisch wichtige Projekte wie den GourmetGarten fließen würde.“

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