Wärme aus Schwerins Tiefen : Erkundungstour ins Erdreich

Vibro-Fahrzeuge im Einsatz: Vom 24. bis 29. August fahren sie durch Schwerin.
Vibro-Fahrzeuge im Einsatz: Vom 24. bis 29. August fahren sie durch Schwerin.

In der nächsten Woche beginnen im Auftrag der Stadtwerke seismische Messungen / Vorarbeit für Bau der Geothermie-Anlage in Lankow

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18. August 2016, 23:08 Uhr

Damit die Experten der Stadtwerke genau wissen, wo sie am besten das heiße Wasser aus der Tiefe holen können, müssen die unterirdischen Wasserwege erforscht werden. Klar ist bereits: Die Geothermie-Anlage wird in Lankow neben dem Kraftwerk gebaut. Jetzt beginnen die so genannten seismischen Untersuchungen. Und die sind ganz schön spektakulär.

Denn eigens dafür kommen drei Spezial-Laster nach Schwerin, die von Mittwoch an im Stadtgebiet messen – und für Verkehrseinschränkungen sorgen werden. Mit Hilfe ihrer seismischen Messungen können Daten über die genauere Beschaffenheit des Untergrundes gewonnen werden. Mit einem aus den erhaltenen Vermessungsdaten abgeleiteten Modell können anschließend die Endpunkte und der Verlauf der Tiefbohrungen für die umweltfreundliche Wärmegewinnung genau geplant werden.

Eine seismische Untersuchung ist ein akustisches Verfahren zur umweltfreundlichen Lagerstättenerkundung. Die Methode basiert auf nicht hörbaren seismischen Wellen und funktioniert ähnlich wie ein Ultraschall beim Arzt oder ein Echolot in der Seefahrt. In Schwerin zum Einsatz kom-men wird die sogenannte Reflexionsseismik. Hier werden durch künstlich erzeugte Erschütterungen an der Erdoberfläche seismische Wellen erzeugt, die sich räumlich durch die Gesteinsschichten in die Tiefe fortbewegen. Je nach Gesteinsart bewegen sich diese Wellen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit. Aus den gemessenen Laufzeitunterschieden der Schallwellen können Erkenntnisse über den Aufbau des Untergrunds bis in Tiefen von etwa zwei Kilometern gewonnen werden.

Zur Vorbereitung der Messungen werden so genannte Vibrationspunkte festgelegt. An diesen Punkten werden von Mittwoch bis Sonntag die künstlichen Erschütterungen verursacht. Die Punkte werden unter Berücksichtigung und zum Schutz von vorhandenen unterirdischen Leitungen und Objekten, wie etwa Gebäuden, geplant, eingemessen und markiert.

Nach der Vorbereitung fahren die Vibro-Fahrzeuge und ein Messwagen die geplanten Strecken ab. Etwa alle 50 Meter hält der Konvoi an den vorbereiteten Vibrationspunkten an. An jedem dieser Punkte werden durch Absenken einer an den Fahrzeugen montierten Bodenplatte für die Dauer von 10 bis 15 Sekunden schwache seismische Schwingungen erzeugt. Die Vibrationen sind in der Regel nur nahe an den Fahrzeugen spürbar, da sie in den Untergrund ausgesendet werden. Vorab verlegte Geophon-Ketten zeichnen die im Untergrund reflektierten Signale auf.

Parallel zu den Vibrationen der Fahrzeuge werden die Schwingungen mit mobilen Messgeräten an Häusern in unmittelbarer Nähe der Fahrzeuge gemessen. So wird verhindert, dass zu starke Schwingungen und damit Schäden entstehen können. Die gesonderten Messungen dienen auch als Nachweis, dass zulässige Grenzwerte nicht überschritten werden. Sollten die Grenzwerte erreicht werden, wird die Vibration automatisch abgebrochen.

„Es braucht sich jedoch niemand Sorgen zu machen“, sagt René Rüdiger, Projektverantwortlicher Geothermie bei den Stadtwerken. „Ein beladener 40-Tonner belastet die Straße 100-mal mehr als das Rütteln der Vibro-Fahrzeuge.“ Gebracht werden die Spezial-Laster laut Rüdiger übrigens per Tieflader nach Schwerin. Das wird voraussichtlich am Dienstag erfolgen. Vom Gelände des Lankower Heizwerkes aus starten sie dann am Mittwoch ihre Erkundungstour. Über die genaue Streckenführung berichtet SVZ noch ausführlich. Anlieger und Hausbesitzer entlang der Prüfstrecke werden laut Rüdiger am Montag mit einem Handzettel im Briefkasten informiert.

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