zur Navigation springen

Schweriner Sportgeschichte : Erinnerungen an wilde Fahrten

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Beliebte Moto-Cross-Rennen in den Lankower Bergen mussten wegen Zuschauermangels 1989 eingestellt werden

svz.de von
erstellt am 21.Aug.2017 | 08:00 Uhr

Als Manfred Schulz am 3. August die SVZ las, kamen Erinnerungen hoch. Denn er entdeckte einen Artikel über die Moto-Cross-Rennen in den Lankower Bergen. „Vom ersten bis zum letzten Rennen war ich immer dabei“, erzählt der 69-Jährige. Doch ein Satz machte ihn stutzig. „Dass die Rennen aufhörten, weil sich die Nutzung des Geländes negativ auf die Wasserqualität des Sees auswirkte, stimmt nicht“, sagt Schulz. Er berichtet aus seinen Erinnerungen: „Wir durften nichts mehr mit dem Westen zu tun haben, deswegen fanden dort keine Rennen mehr statt.“ Als keine Fahrer mehr aus dem Ausland zu den Veranstaltungen kamen, blieben auch die Zuschauer weg, die nationalen Meisterschaften waren nicht so beliebt, die Rennen schliefen ein.

Woher Manfred Schulz das so genau weiß? „Ich habe für die Rennleitung gearbeitet, allerhand Besorgungen erledigt“, berichtet er. In den 1950er-Jahren wohnte er im Haus von Günther Griffel, seinerzeit Finanzleiter der Veranstaltungen, die von der SG Dynamo Schwerin organisiert wurden. Er nahm seinen jungen Nachbarn mit in die Moto-Cross-Welt. „Ich habe zum Beispiel die Teilnehmer vom Hotel zur Rennstrecke gefahren und hatte so auch Zugang zum Fahrerlager“, so Schulz, der selber mal Geländesport für den MC Rehna gemacht hat.

Noch heute zeugt das Carport in Neumühle von der großen Leidenschaft des Schweriners: Motorsport. Plakate und Wimpel hängen an der Wand, auch von den Veranstaltungen in den Lankower Bergen sind welche dabei. „Zu jeder Weltmeisterschaft gab es einen Wimpel, den ich mit zwei anderen Männern entworfen habe“, sagt Schulz. Am 30. August 1964, am 30. August 1969 und am 27. Juni 1971 fanden in Schwerin Weltmeisterschaften statt. Eine Europameisterschaft wurde am 1.  Mai 1959 ausgetragen.

Meist fanden zwei Rennen im Jahr in den Lankower Bergen statt, eines im Frühjahr, oft am 1. Mai, und eines im Herbst. „Die waren wahre Zuschauermagneten“, blickt Schulz zurück. „Die Besucher haben von Neumühle bis in die Weststadt keine Parkplätze gefunden, viele Anwohner haben ihre Stellplätze an den Veranstaltungstagen privat vermietet.“ Es seien auch deutlich mehr Zuschauer gewesen als überliefert.

Doch Mitte der 1980er-Jahre wurden es nach und nach weniger Besucher. „Die Rennen wurden von der Stasi und der Volkspolizei überwacht und plötzlich wurden keine Fahrer aus dem Ausland mehr eingeladen“, erzählt Schulz. Das letzte internationale Rennen fand 1985 statt.

Die anschließenden Rennen, nur noch mit nationaler Beteiligung, wollten immer weniger Zuschauer sehen. Das letzte Rennen fand am 7. Oktober 1989 statt, die fünfte Herbst-Moto-Cross-Veranstaltung, von der Schulz noch das Programmheft besitzt. „Das war eine fürchterliche Schlammschlacht“, erinnert er sich. Heute ist von der „besten Strecke der Welt“, wie sie einst der britische Fahrer John Banks betitelte, nicht mehr viel zu sehen. Der Sprecherturm steht nicht mehr. Es sind zwar noch Abdrücke des Kurses zu erkennen, doch der Zugang ist verwildert.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen