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Sponsoren für Mehr Stolpersteine gesucht : Erinnerung in Metall gemeißelt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schwerin will mit 23 weiteren „Stolpersteinen“ der Opfer des Nationalsozialismus in der Stadt gedenken und sucht Sponsoren dafür

svz.de von
erstellt am 02.Jan.2014 | 21:00 Uhr

Die Landeshauptstadt gedenkt nicht nur an Feiertagen wie dem bevorstehenden Holocaust-Gedenktag am 27. Januar der Opfer, die der Terror der Nationalsozialisten in Schwerin forderte. Am 8. März sollen neun von 23 neuen Stolpersteinen in der Stadt verlegt werden, die an ehemalige Einwohner erinnern, die von den Nazis vertrieben, verfolgt und ermordet wurden – Juden und Nichtjuden, Denunziationsopfer, Opfer des Euthanasieprogramms, Gewerkschafter und Christen.

Die Erinnerung an das dunkelste Kapitel der Stadtgeschichte ist für Einheimische und Besucher der Stadt von Interesse. „Wir bekommen immer wieder Anfragen, wo sich Stolpersteine in Schwerin befinden und an wen sie erinnern“, sagt Cornelia Böttcher von der Tourist-Information. Bei speziellen Stadtführungen zu diesem Thema etwa am Weltgästeführertag waren selbst die Stadtführer von dem großen Interesse überrascht. Deshalb haben im gerade zu Ende gegangenen Jahr beispielsweise die Urania und das Willy-Brandt-Forum das Thema aufgegriffen und spezielle Informationsveranstaltungen zu den 42 bisher verlegten Stolpersteinen organisiert.

Die in den Boden eingelassenen Messingtafeln erinnern beispielsweise in der Gaußstraße 13 an die Büroangestellte Elisabeth Eggersh, die mit 24 Jahren Opfer der Euthanasie wurde, weil bei ihr Schizophrenie diagnostiziert wurde. An den Folgen der Zwangssterilisation starb sie wenig später. Oder an Familie Kychenthal, deren Kaufhaus Am Markt 4 am 9. November 1938 in der Pogromnacht verwüstet wurde. Inhaber Louis Kychenthal wurde inhaftiert und 1942 ins KZ Theresienstadt deportiert, wo er starb. Oder an Hermann Abraham. Er hatte in Zippendorf Am Strand 14 ein Café. 1938 wurde er denunziert, kam zunächst ins Gefängnis Dreibergen-Bützow und wurde 1942 in Theresienstadt umgebracht.

Doch es gibt noch viele andere Opfer in Schwerin, an die erinnert werden soll. Die Mitarbeiter des Stadtarchivs haben 23 weitere ans Licht gebracht. Die „Stolperstein“-Aktionsgruppe bittet um Spenden, damit entsprechende Erinnerungstafeln verlegt werden können. „Wir wollen an das Schicksal der jüdischen Familie Fließwasser erinnern. Joseph Fließwasser, der am Großen Moor 17 wohnte, wurde deportiert und ermordet. Seine Tochter Dora, die in der Münzstraße 35 lebte, konnte nach England flüchten, ihre Tochter aber wurde in Auschwitz ermordet“, berichtet Sabine Klemm, Initiatorin des Projekts. „Die Stolpersteine erinnern uns daran, dass Demokratie kein Geschenk ist und wir auch heute verhindern müssen, dass Menschen wegen ihrer Religion oder Weltanschauung, wegen ihres Alters oder Geschlechts diskriminiert oder verfolgt werden“, hatte Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow gerade jüngst unterstrichen.

 

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