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Zeitung für die Landeshauptstadt

20. November 2017 | 01:40 Uhr

Vor 25 Jahren : Erinnerung an die Montagsdemo

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

An historischen Orten in Schwerin wird die erste Großdemonstration des Neuen Forums vor 25 Jahren noch einmal lebendig

von
erstellt am 21.Okt.2014 | 21:00 Uhr

Mit einer mehrteiligen Veranstaltung wird 25 Jahre nach der ersten Montagsdemonstration in Schwerin am Donnerstag um 16.30 Uhr in der Paulskirche, ab 17.30 am Pfaffenteich-Südufer und von 18.30 Uhr an im Dom die Friedliche Revolution 1989 gewürdigt. An die Tage des Aufbruchs erinnern mit einer Rede Martin Klähn, Gründungsmitglied des Neuen Forums, Schüler der Bertolt-Brecht-Schule mit einem Filmprojekt, Zeitzeugen in einem Podiumsgespräch sowie die Lesung von Stasi-Lageberichten. Veranstalter sind die Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Stasi-Unterlagen, die Landeszentrale für politische Bildung, die Außenstelle Schwerin des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, die Dom- sowie die Paulsgemeinde und das Neue Forum Schwerin.

Rückblick: Martin Klähn brachte von einem Treffen Oppositioneller am 9. und 10. September 1989 in Grünheide bei Berlin den Gründungsaufruf „Aufbruch 89“ des Neuen Forums nach Schwerin und begann Unterschriften von Unterstützern zu sammeln. Mit einem Schreiben vom 18. September 1989 meldeten er und Uta Loheit die Vereinigung beim Rat des Bezirkes Schwerin an.

Am 2. Oktober 1989 fand in der Paulskirche die erste öffentliche Veranstaltung des Neuen Forums in der DDR statt. Das ursprünglich als Versammlungsort vorgesehene Gemeindehaus in der Bäckerstraße erwies sich für die etwa 1000 Sympathisanten als zu klein. Der Umzug zur 700 Meter entfernten Paulskirche wurde von vielen Teilnehmern als erste Schweriner Demonstration wahrgenommen. Interessierte stellten auf dieser Veranstaltung ihre Wohnungen für Treffen thematischer Arbeitsgruppen zur Verfügung. In den darauffolgenden Tagen fanden allein in Schwerin knapp 20 Arbeitsgruppen mit mehreren hundert Teilnehmern zusammen. Eine zweite Veranstaltung in der Paulskirche am 6. Oktober 1989 wurde durch den „politisch offensiven Einsatz“ von mehr als 200 Genossen massiv gestört.

Der Koordinierungskreis des Neuen Forums legte seinen Schwerpunkt auf die inhaltliche Arbeit, um eine Reformierung der Gesellschaft zu erreichen. Arbeiter des Plastmaschinenwerks forderten eine Demonstration in Schwerin, die für den 23. Oktober 1989, 17 Uhr, am Treffpunkt Alter Garten vorbereitet wurde.

Auf Anweisung von ganz oben aus Berlin riskierte die SED-Bezirksleitung eine Eskalation. Für denselben Tag am selben Ort wurde eine Kundgebung des Demokratischen Blocks angesetzt und aus dem ganzen Bezirk vermeintlich linientreue Genossen mit Bussen herangefahren. Etliche schlossen sich der Demonstration des Neuen Forums an, die über die Werderstraße, Amt- und Kirchenstraße einmal rund um den Pfaffenteich und zurück zum Alten Garten zog.

„Trotz der Provokation durch die SED und des massiven Aufgebots an bewaffneten Kräften blieb es in Schwerin friedlich. Etwa 30 000 bis 40 000 Menschen fassten Mut und traten an diesem Abend mit Kerzen in der Hand für Demokratie und Freiheit ein“, erinnert die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Anne Drescher.

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