zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

23. Oktober 2017 | 21:18 Uhr

In luftiger Höhe : Er steigt den Cambsern aufs Dach

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Birk Kanter ist in den Gemeinden rund um Schwerin unterwegs – auch nach der freien Wahl der Schornsteinfeger hat er gut zu tun

von
erstellt am 29.Okt.2015 | 16:00 Uhr

Die kleinen Tautropfen haben sich zu einer Perlenkette an den obersten Stufen der Leiter aufgereiht. Der Wind pfeift um die Spitze des Schornsteins. Und obwohl der Herbst sich an diesem Morgen von seiner sehr kühlen Seite zeigt, hat Birk Kanter sein strahlendstes Lächeln aufgesetzt. Er ist Schornsteinfeger – aus Leidenschaft. Schlechtes Wetter? Kennt er nicht. „Na gut, wenn es ganz kalt ist, dann wird der Job so weit oben manchmal ungemütlich“, sagt der Schweriner, der den Leuten rund um die Landeshauptstadt regelmäßig aufs Dach steigt.

Das Schornsteinfegerhandwerk hat in der Familie Kanter eine lange Tradition. „Schon mein Großvater hatte diesen Beruf gewählt. Angefangen hat er in den 30er-Jahren“, erinnert Birk Kanter. Dass er wie sein Vater die Tradition fortführt, war aber nicht gleich klar. „Ich war unschlüssig, was ich nach der Schule machen wollte. Einen konkreten Traumberuf gab es nicht“, gesteht der 47-Jährige. So wurde auch er Schornsteinfeger. Bereut habe Kanter es bis heute nicht einen Tag. „Auch wenn es mit der Bürokratie immer schlimmer und die Zeit abends am Schreibtisch länger wird“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Er habe sich daran gewöhnt. „Schön ist es trotzdem nicht“, schiebt der Schweriner hinterher.

Umso mehr genießt Birk Kanter die Zeiten bei seinen Kunden und die Ausblicke vom Dach über die schöne Natur Mecklenburgs. „Das ist manchmal wirklich unbezahlbar. Besonders die Tage im Frühling und im Herbst: nicht zu warm, nicht zu kalt.“

Nach dem Wegfall des Schornsteinfegermonopols hat er zwar ein paar Kunden verloren, aber ebenso neue dazugewonnen. „Schon vorher hatten die Schornsteinfeger das ganze Jahr über zu tun. Was soll sich da schon ändern? Mehr als arbeiten kann keiner“, erklärt Birk Kanter. Viele seiner Kunden sind ihm treu geblieben. „Auch die Arbeit mit den Menschen macht diesen Berufszweig so besonders. Es sind alle freundlich.“ Und selbst wenn der Mann in Schwarz mal etwas Dreck hinterlässt, nehmen es die meisten mit Humor. „Nur ein einziges Mal hatte eine Kundin Tränen in den Augen. Sie hatte das Ofenrohr rausgezogen und das Loch mit einem Lappen verdeckt. Das war ihr Fehler“, erzählt Birk Kanter. Denn als er vom Kehren wieder herunterkam, war die Dame von oben bis unten mit Ruß bedeckt. „Für sie war ich wohl nicht der Glücksbringer“, sagt er trocken.

Manchmal kommt es vor, dass fremde Menschen ihn umarmen, auch mal einen Kuss auf die Wange geben – denn das soll laut Volksmund Glück bringen. Doch Birk Kanter ist nicht immer auf den ersten Blick als Schornsteinfeger auszumachen. Zwar trägt er schwarz, aber den Zylinder setzt er nur noch selten auf. „Bis 1996 habe ich ihn stets getragen, doch in den Wohnungen ist es oft eng, man stößt ständig irgendwo gegen – es ist einfach unpraktisch“, erzählt der zweifache Familienvater. Und so hat Birk Kanter ihn heute nur noch zu besonderen Anlässen wie Hochzeiten auf.

Immer mit dabei sind jedoch sein Kehrbesen und die 1,6 Kilogramm schwere Kehrkugel. Beides etwas kleiner und aus weicherem Material als früher – an die modernen Anlagen angepasst.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen