Leben in Schwerin : Er mag die Geschichte und die Leute

Liebt seinen Arbeitsplatz im Volkskundemuseum: Norbert Credé mag die Beschaulichkeit von Schwerin .
Foto:
Liebt seinen Arbeitsplatz im Volkskundemuseum: Norbert Credé mag die Beschaulichkeit von Schwerin .

Norbert Credé will aus Schwerin nie mehr weg

von
14. Mai 2018, 23:44 Uhr

Wenn ihm jemand sagt, dass er mit seinem Büro in der alten Dorfschule in Mueß einen der schönsten Arbeitsplätze in Schwerin hat, dann nickt Norbert Credé wissend und fügt schmunzelnd hinzu: „Und mein Haus in der Schelfstadt und mein Arbeitsweg über den Franzosenweg sind noch viel besser.“ Der gebürtige Hannoveraner hat sein Herz an Schwerin verloren. Hier lebt der Historiker seit 1991, hier hat er ein altes Fachwerkhaus gekauft und saniert, hier ist er in Vereinen aktiv, hier arbeitet er sich mit wachsender Begeisterung durch die Stadtgeschichte. Und das seit 27 Jahren. Obwohl ihm die Stadtväter das Leben manchmal schwer gemacht haben: 1991 trat Credé die Stelle als Direktor des Stadtgeschichtsmuseums an. Dazu gehörte das Museum zur Geschichte der Arbeiterbewegung im Bezirk, die Ausstellung „Schwerin gestern, heute und morgen“ im Säulengebäude sowie die Schleifmühle. „Ab 1995 wurden wir nur noch demontiert“, sagt er. Säulengebäude weg, Mittel gestrichen, keine Depots, 2005 dann die Schließung des Museums im Großen Moor. Norbert Credé kümmert sich heute als Mitarbeiter des Volkskundemuseums um die Sammlung, hat auch ein neues Stadtgeschichtsmuseum konzipiert: 1000 Quadratmeter statt wie vorher 180 soll es umfassen, erzählt er fast trotzig. Aufgeben? Nein, das liege ihm nicht.

In diesem August geht Norbert Credé in Rente. Wer die stadtgeschichtliche Sammlung dann betreut? „Das steht noch in den Sternen.“

Schwerin verlassen will der Niedersachse aber auf keinen Fall. Einmal im Monat fährt er nach Hannover – das reicht ihm. „Ich mag die Ruhe und Übersichtlichkeit der Stadt, man kommt schnell mit vielen Leuten in Kontakt und ich habe eine nette Nachbarschaft“, sagt er. Seit 1992 versucht er vergeblich, den Segelschein zu machen. „Keine Zeit“, sagt er lächelnd. Vielleicht hat er die ja in der Rentenzeit. Obwohl weiterhin Abstecher in die Museen der Umgebung – Wismar, Ludwigslust und Hagenow mag er besonders gern –, Radtouren, die Mitarbeit im Historischen Verein und Veranstaltungsbesuche auf der Tagesordnung stehen. „Das Angebot an Theater , Konzerten, und Vorträgen in Schwerin ist schon fast zu groß“, sagt der Historiker. Nur eines, das fehlt ihm ein bisschen: Mehr junges Leben am Abend, so wie in seiner Studienstadt Göttingen. Statt in die Kneipe zu gehen, greift Norbert Credé zum guten Buch oder zu Arbeitsunterlagen – oder genießt den Garten und die Nachbarschaft.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen