Görslow: Ode an die Heimat : Er liebt sein Görslow

Für den Erhalt der Görslower Kirche hat sich auch Helmut Kurzmann stark gemacht. „Jetzt fehlen nur noch Dachrinnen.“
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Für den Erhalt der Görslower Kirche hat sich auch Helmut Kurzmann stark gemacht. „Jetzt fehlen nur noch Dachrinnen.“

Helmut Kurzmann lebt seit 60 Jahren in dem Ort – und das ausgesprochen gerne

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04. September 2017, 16:00 Uhr

Wenn er noch so könnte, wie er wollte, würde Helmut Kurzmann viel öfter durch Görslow spazieren. Die Straße runter zum Steilhang am See, die Straße rauf zur Kirche. Aber das mit dem Laufen, das klappt nicht mehr so. Das Alter fordert seinen Tribut. 82 Jahre, die haben den Kniegelenken zugesetzt. „Das rechte ist neu. Keine Beschwerden mehr. Aber jetzt macht mir das linke zu schaffen“, sagt er und zeigt auf seinen Rollator, der ihm auch keine richtige Hilfe ist. „Aber das Leben verfluchen? Kommt gar nicht in Frage. Erst recht nicht für jemanden, der schon gegen den Krebs gekämpft hat.

Ein sonniges Plätzchen auf dem Hof hinterm Haus. Ein freier Blick auf den Obstbaum-Garten. Dazu ein Kaffee und ein Glas Wasser. „In Görslow“, sagt Kurzmann, „lässt es sich gut leben“. Und weil es ihm dort so gefällt, hat er einmal ein paar Zeilen über das Dorf geschrieben, in dem er nicht aufgewachsen ist, aber seit 60 Jahren lebt.

Oh Görslow, was liegst du so ruhig und schön am See, zwischen Möwen und Schwänen. Wer dich im Leben nur einmal gesehen, wird sich nach dir stets wieder sehnen.

Texten, schreiben, unterhalten – für Helmut Kurzmann ist das ein schönes Hobby. Mit spitzer Feder und Zunge nahm er früher mit seiner Kabarett-Gruppe „Die Dreschflegel“ den DDR-Alltag aufs Korn. Satire, versteckt zwischen Wortspielen und Andeutungen, so dass die Obrigkeit es nicht verbot, und der DDR-Bürger trotzdem wusste, was gemeint war. Wenn es aber um das Fleckchen Erde geht, auf dem der lebt, gibt es für ihn keinen Platz für Ironie.

Die Stille am Morgen, der herrliche Blick weit über den See, die Kapelle. Wer hier wohnt kann sagen, was hab’ ich für Glück, zu leben auf dieser Parzelle.

„Mit der Kapelle meine ich die kleine Kirche auf dem Hügel“, sagt Kurzmann. Als seine Verwandtschaft aus dem Oberfränkischen noch öfter zu Besuch kommen konnte, da hat er ihnen immer stolz diese fast quadratische, klassizistische und über 160 Jahre alte Kirche gezeigt. Keine 200 Meter bis zur Kirche sind es für ihn, aber jeder Schritt fällt schwer. „Da müssen mal Dachrinnen dran“, sagt er und blickt auf die verschmutzte Fassade. Ansonsten: alles gut in Schuss. Die Görslower sind froh, dass die Kirche überhaupt noch steht. Nach der Wende war sie im desolaten Zustand. „Es hieß, dass sich eine Rettung nicht mehr lohne“, erinnert sich Kurzmann. Er, der Atheist schrieb Bundespräsident Weizsäcker, das die Kirche auch als Kulturdenkmal definitiv erhaltenswert sei. Mitte der 1990er-Jahre kamen Fördergelder und die Kirchgemeinde ging die Restaurierung an.

Oh Görslow, was bist du für ein herrlicher Ort, obwohl dich kein Dichter beschrieben. So mancher der her kam, wollt auch wieder fort und ist dann für immer geblieben.

Unweit der Kirche steht eine Parkbank. Wer hier Platz nimmt, der schaut über den Schweriner See, sieht viel Wald und dahinter den Schweriner Fernsehturm. „Das ist eine herrliche Aussicht, oder?“, fragt Kurzmann und lehnt sich zurück. Recht hat er, da gibt es keine zwei Meinungen.

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