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Schweriner reist nach Afghanistan : Er beschützt Personen am Hindukusch

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Afghanistan, Kanada, Dänemark, Somalia oder der Kosovo - all das sind Einsatzorte von Thoralf Herrmann. Denn der Schweriner ist ein Personenschützer. Als solcher wird er noch in diesem Jahr an den Hindukusch fliegen.

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erstellt am 29.Apr.2012 | 06:08 Uhr

Altstadt | Afghanistan, Kanada, Dänemark, Somalia oder der Kosovo - all das sind Einsatzorte von Thoralf Herrmann aus Schwerin. Denn der 36-Jährige arbeitet als Personenschützer. Als solcher wird er noch in diesem Jahr an den Hindukusch, ein Gebirgszug in Afghanistan und Pakistan, fliegen. "Geplant ist August, aber die derzeitige politische Situation könnte den Einsatz verschieben. Denn momentan herrscht Ausgangssperre für Zivilisten", erklärt Thoralf Herrmann. Erfahrungen im Ausland und in Krisengebieten konnte der Schweriner während seiner Zeit bei der Bundeswehr sammeln. In seinem Büro in der Mecklenburgstraße hängen zahlreiche Urkunden aus dieser Zeit als Unteroffizier. Zwölf Jahre lang war Thoralf Herrmann im Einsatz für die Bundes republik. Zu dieser Zeit flog er auch immer wieder ins Ausland - hatte Einsätze im Kosovo oder Afghanistan. Für die Auslandeinsätze bereitete er 120 Soldaten vor. Doch 2006 entschied er sich gegen die Bundeswehr: "Berufssoldat wollte ich nicht werden. Deshalb absolvierte ich meinen Berufsförderungsdienst. Zunächst versuchte ich eine kaufmännische Schiene einzuschlagen, doch das war mir einfach zu langweilig."

Deshalb wechselte Thoralf Herrmann in den Sicherheitsbereich. Ging zu Lehrgängen und ließ sich zum Privatdetektiv- und Personenschutzfachkraft ausbilden. "Diesen Bereich schlagen viele ein, die Soldat waren. Wir kennen uns schließlich darin aus." Reich an Abwechslung ist dieser Job sicherlich, doch auch überaus gefährlich. Denn das musste Thoralf Herrmann schon an eigenem Leib erfahren. Nachdem der heute 36-Jährige in einem Einsatz angeschossen worden war, ist er vorsichtiger geworden. "Ich war nicht lebensgefährlich verletzt, doch eine andere Sicht auf die Dinge habe ich schon bekommen. Seitdem gehe ich bewusster mit meinem Leben um. Schaue mehr nach links und rechts. Versuche immer, einen Schritt voraus zu sein", sagt der Schweriner. Denn Schusswechsel kennt er - Thoralf Herrmann hat schon mehrere davon erlebt. Solche Situationen werden kurz vor einem Einsatz immer wieder trainiert. Wenn es in die heiße Phase geht, muss der Kopf frei sein. "Für einen Einsatz brauche ich sportliche, geistige und körperliche Fitness." Derzeit trainiert er zweimal in der Woche, um körperlich fit zu bleiben. Auch das Rauchen hat er eingestellt. "Nichts ist schlimmer, als auf Entzug in einem Einsatz zu sein. Wer in Gefangenschaft gerät und Entzugserscheinungen verspürt, redet leichter." Das könnte fatale Folgen haben.

Als Personenschützer reiste Thoralf Herrmann Ende 2006 nach Afghanistan - damals begleitete er den damaligen Bundesverteidigungsminister. Doch nicht nur Personen werden von ihm beschützt, sondern auch große Unternehmen. "Wir haben auch viel mit Wirtschaftskriminalität in unserem Bereich zu tun", erklärt Thoralf Herrmann.

Seit 2008 ist er selbstständig, hat ein eigenes Sicherheitsunternehmen und eine Detektei. Seit vergangenem Jahr bildet er auch Fachkräfte in diesem Bereich aus - zusammen mit seinem Partner Sven Jensch. Der 31-Jährige hat ebenfalls in Schwerin eine eigene Sicherheitsfirma. "Wir wollen unsere Firmen demnächst zusammenschließen, zu einer GmbH", verdeutlicht Sven Jensch.

Bis zu seinem 50. Lebensjahr will Thoralf Herrmann noch als Personenschützer im Einsatz sein. Danach ist Schluss, sagt er selbst. "Dann will ich die Fachkräfte nur noch ausbilden - hier in meiner Sicherheitsschule." Zu ihm kann jeder kommen, der Interesse hat. Doch das polizeiliche Führungszeugnis muss einwandfrei sein. "Wir achten auch sehr aufs Äußere und auf die Aussprache. Körperliche Fitness kann sich jeder antrainieren", so Thoralf Herrmann.

Bevor der 36-Jährige an den Hindukusch fliegt, muss auch er fleißig trainieren - später werden diese Übungen von zwei- auf viermal in der Woche gesteigert. Impfungen müssen aufgefrischt werden, sonst kann er den Einsatz nicht machen. "Es ist fast schon eine Genugtuung, wieder eine etwas andere Tätigkeit machen zu können und in den Einsatz zu gehen - auch wenn es nicht ungefährlich ist. Denn Routine ist schlecht - man verliert dadurch schnell den Blick für die Sicherheit." Genau darauf aber kommt es in seinem Beruf an - das Leben eines anderen zu beschützen.

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