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Zeitung für die Landeshauptstadt

20. Oktober 2017 | 16:34 Uhr

Flüchtlinge in MV : Enge und Untätigkeit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In einer Schweriner Notunterkunft eskalierte heute ein Streit unter Bewohnern

von
erstellt am 09.Okt.2015 | 20:45 Uhr

Die Notunterkunft für Flüchtlinge in der ehemaligen Comeniusschule im Schweriner Stadtteil Lankow war Anfang September als befristetes Provisorium eingerichtet worden. 150 Flüchtlinge auf Feldbetten in Klassenzimmern, unzureichende sanitäre Einrichtungen. Untätiges Warten unter unwürdigen Bedingungen. Das sei keine Dauerlösung, hatte Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow (Linke) immer wieder betont. Doch einen Monat existiert das Provisorium schon.

Heute früh gegen 3 Uhr eskalierte ein Streit unter Bewohnern. Sechs Syrer lieferten sich anfangs eine verbale Auseinandersetzung.

„Auslöser war, dass einer der Männer sich darüber beschwerte, dass die anderen fünf zu laut seien“, teilte heute Isabel Wenzel vom Polizeipräsidium Rostock mit. Nachdem der 29-Jährige auf die Einhaltung der Hausordnung hingewiesen hatte, kam es zum Gewaltausbruch zwischen den Streithähnen. „Dabei erlitt der Geschädigte eine Platzwunde am Kopf“, sagte Isabel Wenzel. Als die Polizeibeamten eintrafen, war der Streit bereits beendet.

Es wurden Videoaufzeichnungen gesichert. Nähere Hintergründe will die Polizei mit Hilfe von Dolmetschern herausfinden. Nach dem Anruf des Wachdienstes in der Nacht war die Polizei zunächst von 30 Beteiligten ausgegangen.

Für Hans Jürgen Papenfuß, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Strafvollzug und Psychologe in der Justizvollzuganstalt Bützow, sind Auseinandersetzungen wie in der Notunterkunft Lankow keine Überraschung. „Menschen brauchen Beschäftigung. Diese Flüchtlinge sind über Wochen zum tatenlosen Warten verdammt, damit wächst die Unzufriedenheit“, schätzt der Psychologe ein. Hinzu kommen Enge und schwierige Wohnverhältnisse. „Wichtig wäre es, die Menschen zumindest an den Arbeiten in der Unterkunft zu beteiligen“, erklärte Hans Jürgen Papenfuß.

Die Situation in Lankow soll sich Ende kommender Woche ändern. Im Gewerbegebiet Schwerin-Süd sei eine geeignete Unterkunft als Alternative gefunden worden, hieß es aus dem Innenministerium. Man habe Zeit gebraucht, um eine geeignete Immobilie zu finden, sich mit Eigentümern, Betreibern, Cateringfirmen und Wachdiensten zu einigen und die notwendigen Verträge abzuschließen.

 

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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