Windpark in Westmecklenburg : „Energiewende braucht Raum“

Rund um Zölkow drehen sich bereits Windräder.
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Rund um Zölkow drehen sich bereits Windräder.

Rudolf Borchert vom Landesverband erneuerbare Energien spricht sich für neue Windparks in Westmecklenburg aus

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24. April 2017, 21:00 Uhr

Vor  einem  unkontrollierten Ausbau von Windparks warnen nicht  nur  die Kritiker, sondern auch die Befürworter. „Wir  brauchen neue, ausgewiesene Eignungsräume, um  einen Wildwuchs zu verhindern. Und das möglichst schnell und zugleich rechtssicher“, sagt Rudolf  Borchert.  Er ist der Vorsitzende  des Ende Januar gegründeten  Landesverbandes  für erneuerbare Energien. Und der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete  ist auch ein gewählter Vertreter  der Stadt Schwerin in der Vollversammlung des regionalen Planungsverbandes  für Westmecklenburg.

Die kommt am  10. Mai  in Grevesmühlen wieder  zusammen. Borchert will  dort Druck und Tempo  machen, dass  die  Ausweisung neuer   Windeignungsräume  zwischen Ostsee und  Elbe,  zwischen  Schaalsee  und Plauer See vorankommt. Denn den  aktuellen Zustand sieht der Windkraft-Befürworter  als kritisch an. Dadurch, dass  das Oberverwaltungsgericht Greifswald  die  bisherige Regionalplanung für unzulässig  erklärte, gelten   für neue  Windparks derzeit  lediglich die Einschränkungen, die das Bundesbaurecht  vorgibt. Und die seien deutlich  niedriger als  die Vorgaben, die der Planungsverband  machen möchte.

Rudolf Borchert
Rudolf Borchert

„Ohne die  Regionalplanung kommt es zu dem Wildwuchs  an  Windrädern, den keiner will“, hebt Borchert  hervor. Zugleich müsse  neuen Windparks genügend Fläche gegeben werden, damit die  Ziele der Energiewende zu schaffen sind. Der SPD-Mann  hält  das  von der Schweriner Koalition  einst ausgegebene Ziel von  1,5 Prozent  der Landesfläche als Windeignungsräume  nicht mehr für machbar. Westmecklenburg ging mit  etwa  6500 Hektar  in 44 Eignungs-Gebieten an die  derzeit laufende Regionalplanung. „Das  ist nicht einmal ein Prozent  der Fläche“, betont Borchert.  Der Fachmann  ist zudem überzeugt, dass schon in der  ersten Planungsrunde   dort Flächen rausfallen werden –  beispielsweise  aus Artenschutzgründen   bei Greifvögeln und Fledermäusen. Welche Fläche  aus den potenziellen Such-Gebieten  dafür hinzukommen können, ist   völlig offen.   Rudolf Borchert  warnt davor, dass  die  Areale für künftige Windparks stark zusammenschrumpfen. „Dann  kann die  Regionalplanung   als Verhinderungsplanung  ausgelegt und  deshalb außer Kraft  gesetzt werden“, fügt Borchert  an.  Und dann gelte  eben nur   das Baurecht. Aus  diesem Grund sieht Borchert  auch Bestrebungen  einiger Kreistagsfraktionen  in Nordwestmecklenburg, die Abstände zwischen den geplanten Windparks von 2,5 auf  5 Kilometer  zu verdoppeln, nicht nur  kritisch, sondern als unrealistisch an.

Am  10. Mai   in Grevesmühlen geht es  vor allem darum, die   Anregungen und Kritiken  aus  der  ersten Runde der  Bürgerbeteiligung  aufzulisten  und zu bewerten.  Die   startete  Anfang 2016. Mehr als  3000 Stellungnahmen kamen zusammen –  deutlich mehr als  in vergleichbaren Verfahren.  Auch  deshalb  zieht  es sich  in die Länge. Im Herbst könnte  der Verbandsversammlung  ein  Entwurf    zur Abstimmung  vorgelegt werden, danach sollte sofort  die zweite Runde der Bürgerbeteiligung  starten.  Die würde wohl bis Herbst  2018  dauern. Und  im Frühjahr 2019  könnte dann frühestens  ein rechtssicherer Plan vorliegen, hofft Borchert.

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