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15. Dezember 2017 | 22:55 Uhr

Radioaktiver Müll : Endlager: MV lehnt neue Suche ab

vom

MV will sich nicht an der Suche um Alternativen zu Gorleben beteiligen. Innenminister Caffier hat Erkundungen nach einem möglichen atomaren Endlager in MV ausdrücklich abgelehnt.

svz.de von
erstellt am 29.Apr.2011 | 09:17 Uhr

Schwerin | Mecklenburg-Vorpommern will sich nicht an der Suche um Alternativen zu Gorleben beteiligen. Der für Strahlensicherheit zuständige Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hat Erkundungen nach einem möglichen atomaren Endlager in Mecklenburg-Vorpommern ausdrücklich abgelehnt. "Dafür sehe ich keine Notwendigkeit", bekräftigte er gestern im Gespräch mit unserer Redaktion.

Neuen Zündstoff in die Debatte hatte der künftige baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) mit der Forderung gebracht, die Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Atommüll in ganz Deutschland neu aufzurollen. Auch der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz, Wolfram König, plädierte dafür, in der gesamten Republik "alle möglichen geologischen Bedingungen ins Auge" zu fassen.

Damit gerät auch Mecklenburg-Vorpommern unter Druck. Bereits Mitte der 90er-Jahre wurde die Suche nach Möglichkeiten für Atomlager auch auf das nordöstliche Bundesland ausgedehnt. Als "vorrangig untersuchungswürdig" galten aus Sicht der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) damals die Salzstöcke Gülze-Sumte und Kraak im mecklenburgischen Landkreis Ludwigslust. In den "Kraaker Tannen" richtete E.on Hanse AG einen Gasspeicher in 1000 Metern Tiefe ein, der 2012 bis zu 300 Millionen Kubikmeter Gas aufnehmen kann.

Auch eine zweite Studie der BGR, die auf Untersuchnungen des Jahres 2007 beruht, kommt zu ähnlichen Schlussfolgerungen. Gebiete südöstlich und südwestlich von Schwerin sowie der nördliche Teil der Prignitz in Brandenburg enthalten Tongesteinsformationen, die nach Ansicht der Bundesanstalt "für eine Endlagerung untersucht werden können".

Ton hat den Nachteil, dass es weniger hitzebeständig ist, der Atommüll dürfte eine Temperatur von 100 Grad nicht überschreiten, im Salz sind laut BGR bis zu 200 Grad möglich. Aber Salz ist löslich. In Asse müssen nach Wassereinbrüchen 126 000 Abfallfässer mit schwach- und mittelradioaktivem Müll geborgen werden.

Ein weiteres Kernproblem des Endlagers für hoch radioaktiven Müll ist die Akzeptanz in der Bevölkerung: Laut Umfrage des "Sterns" lehnen 65 Prozent der Deutschen ein Atommüll-Endlager in ihrer Nachbarschaft ab, selbst wenn optimale Sicherheitsbedingungen herrschen würden. Dabei gibt es deutliche Unterschiede je nach politischer Ausrichtung: Während von den Anhängern der Regierungsparteien CDU, CSU und FDP 52 Prozent ein Endlager in der Nähe hinnehmen würden, lehnen dies bei den Anhängern von SPD, Grünen und Holters Linkspartei 73 Prozent ab. So lange sich nach dem Willen der schwarz-gelben Bundesregierung die Untersuchungen auf Gorleben als mögliches Endlager beschränken, bleiben Orte wie Gülze-Sumte der Kraak in Mecklenburg-Vorpommern von weiteren Proben verschont. Doch die Situation würde sich ändern, sollte sich der Salzstock in Gorleben bis 2017 als ungeeignet herausstellen. Die Zeit dängt. Deutsche Atommeiler produzieren jährlich 450 Tonnen Atommüll, doch ein Endlager für abgebrannte, hochradioaktive Brennstäbe gibt es bisher nicht.

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