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Jetzt reden Mütter und Väter : Elternrevolte gegen Kita-Kosten in Görries

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Betreuung der Kinder bei den „Kleinen Schulzen“ soll deutlich teurer werden. Jetzt reden die Eltern

Die Eltern der Kinder in der Kita „Kleine Schulzen“ in Görries sind aufgebracht. Die Arbeiterwohlfahrt (Awo) als Betreiberin der Einrichtung will die Gebühren drastisch erhöhen (SVZ berichtete). Beispielsweise soll ein Ganztags-Krippenplatz statt bisher 248,60 Euro in Zukunft 349,35 Euro kosten. Im Kindergarten sollen es statt 140,40 nun 229,50 Euro sein – rückwirkend zum 1. November vergangenen Jahres. Begründet wird die deutliche Steigerung mit der vollständigen Sanierung der integrativen Kita. Hierfür hat der Awo-Kreisverband Schwerin-Parchim etwa 1,8 Millionen Euro aufgewendet. „Im Übrigen sind gestiegene Personal- und Betriebskosten ursächlich für die Entgelterhöhung“, heißt es in der Vorlage für den Hauptausschuss.

Das bringt die Eltern auf die Palme. Etliche Mütter riefen bereits in der SVZ-Redaktion an. „Von Aufregung zu sprechen, wäre stark untertrieben“, sagt Elternratsvorsitzender Ralf Klein. „Wie die Awo agiert, ist eine Unart hoch zehn.“ Sein Kritikpunkt: Ein von ihm vorgeschlagener Elternabend, auf dem die Awo-Spitze die Preiserhöhungen hätte begründen können, wurde vom Geschäftsführer der Awo Soziale Dienste, Axel Mielke, abgesagt. Er habe nur zwei Beschwerden von Eltern bekommen, da seien die meisten wohl mit den neuen Gebühren einverstanden.

„Wir hätten mehr Transparenz von der Awo erwartet“, sagt Ralf Klein. Denn wie die neuen Gebühren zustande kommen, ist den Müttern und Vätern schleierhaft. „Klar, dass Investitionen wieder reinkommen müssen“, so der Elternratsvorsitzende. „Aber warum wird unsere Kita dann gleich von einer der günstigsten in Schwerin zur zweitteuersten?“ Völlig unverständlich ist Klein auch, dass höhere Betriebskosten angeblich zu der Gebührensteigerung beitragen: „Die Fassade wurde gedämmt, es wurden neue Fenster eingebaut und die Heizung entspricht jetzt dem neuesten Standard. Da müssten die Betriebskosten eigentlich sinken.“

Außerdem: Die Außenanlagen der Kita waren in den Sanierungskosten gar nicht enthalten, informiert der Elternratschef. Der Hof wurde von Müttern und Vätern in unbezahlten Einsätzen hergerichtet. Kies und Steine sponserte ein Unternehmer, dessen Enkel in der Kita betreut wird.

Während der etwa halbjährigen Sanierung wurden die Kinder in einer „sehr schlechten Notunterkunft“ am Görrieser Sportplatz untergebracht. „Die Gebühren wurden aber von der Awo nicht gesenkt“, so Klein. „Jeder Mieter hätte bei einer Sanierung seiner Wohnung eine Mietminderung durchbekommen.“

Erfahren hatten die Eltern von den höheren Betreuungskosten durch einen Brief, den sie Mitte Dezember von der Awo bekamen. Darin war die Preissteigerung in etwa angekündigt worden. „Ich unterstelle Herrn Mielke, dass er den Zeitpunkt so gewählt hat, dass die Eltern die Sache über die Feiertage aus den Augen verlieren“, sagt Klein. Das hat offenbar nicht funktioniert. „Ich hatte viele Anrufe von Müttern und Vätern, ich wurde angesprochen, wenn ich meine Kinder abgeholt habe und im Elternbriefkasten waren auch viele Beschwerden“. Es wurden bereits Unterschriften gesammelt, die der Oberbürgermeisterin übergeben werden sollen. Ein Brief an die Sozialministerin wird gerade auf den Weg gebracht. Und auch der Ortsbeirat Görries, dessen Vorsitzender Ralf Klein ebenfalls ist, wird sich mit dem Kita-Thema auch noch beschäftigen. „Viele Jungen und Mädchen aus dem Ortsteil gehen in die Kita ,Kleine Schulzen‘. Wegen der enormen Preissteigerung werden einige Eltern ihre Kinder abmelden müssen“, beklagt Klein. Ob es so weit kommt, hängt auch vom Hauptausschuss der Stadtvertretung ab. Der soll am Dienstag über die neuen Kita-Gebühren entscheiden.

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erstellt am 10.Jan.2014 | 08:00 Uhr

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