Teure Kinderbetreuung Schwerin : Eltern werden zur Kasse gebeten

Gemeinsames Mittagessen in der Kita „Future Kids“. Die Kindertagesstätte im Mueßer Holz ist eine der modernsten Kitas der Stadt. Hier werden die Mädchen und Jungen zweisprachig betreut.  Fotos: Reinhard Klawitter (3)
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Gemeinsames Mittagessen in der Kita „Future Kids“. Die Kindertagesstätte im Mueßer Holz ist eine der modernsten Kitas der Stadt. Hier werden die Mädchen und Jungen zweisprachig betreut. Fotos: Reinhard Klawitter (3)

Folgen des Erzieher-Streiks 2015 jetzt finanziell spürbar: Kita gGmbH will ab Januar die Platzkosten deutlich erhöhen

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05. Januar 2016, 06:30 Uhr

Eltern, die ihre Kinder in Krippe, Kindergarten oder Hort betreuen lassen, werden 2016 tiefer in die Tasche greifen müssen. Die Platzkosten steigen. Um wie viel Euro es sich monatlich handelt, will der größte Träger, die Schweriner Kita gGmbH, noch nicht verraten. Erst soll der Jugendhilfeausschuss sein Votum dazu abgeben, sagt Geschäftsführerin Anke Preuß. Das wird Mitte Januar passieren.

Hauptgrund für die voraussichtliche Erhöhung sind gestiegene Personalkosten nach dem Erzieher-Streik Mitte 2015. „Außerdem wird im Frühjahr wieder der Tarif im öffentlichen Dienst allgemein neu verhandelt“, sagt Anke Preuß. „Da rechnen wir erfahrungsgemäß mit einer weiteren Lohnsteigerung von rund drei Prozent.“ Gering wird die Preiserhöhung also nicht ausfallen, schließlich zahlt die Kita gGmbH Tariflohn. Ein günstigerer Haustarifvertrag steht für Anke Preuß weiterhin nicht zur Disposition. „Dann laufen uns alle guten Erzieher weg, es ist jetzt schon schwer, welche zu bekommen“, sagt sie.

Ein anderer Träger hat in Schwerin indes schon ausverhandelt: Für die neuen Entgelte bei der Kita des Internationalen Bundes, „Lütte Meckelbörger“, hoben die Ausschussmitglieder bereits Mitte Dezember die Hand. Eltern zahlen danach ab 1. Januar rund 20 Euro mehr für einen Krippenplatz, etwa 14 Euro mehr für die Kita und knapp sechs Euro für die Betreuung im Hort.

Die Kita gGmbH kündigte ihren Eltern vor Weihnachten in einem Brief an, dass sie sich ab Januar auf höhere Platzkosten einstellen müssen. „Wie Sie wissen, werden unsere pädagogischen Fachkräfte nach dem Tarifvertrag öffentlicher Dienst für Sozial- und Erziehungsdienstleistungen vergütet“, heißt es dort. Gewerkschaft Verdi und die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber haben sehr intensiv die Tarifvorschläge verhandelt, das Ergebnis wurde am 29. Oktober durch eine Urabstimmung bestätigt. „Daraus folgt: rückwirkend ab 1. Juli 2015 erhalten alle pädagogischen Fachkräfte mehr Geld“, schreibt die Kita gGmbH an die Eltern.

Dass so etwas droht, ahnten die Eltern bereits seit dem Kita-Streik, der im vergangenen Jahr besonders heftig ausfiel. Zur Erinnerung: Im April begann deutschlandweit ein langer Ausstand, der auch Schwerin für mehrere Tage in Atem hielt. An zwei Tagen blieben sogar alle 23 Einrichtungen der Kita gGmbH dicht – mit vorheriger Elterninformation, aber ohne Notbetreuung. Insgesamt 2481 Kinder und ihre Eltern waren betroffen. 280 Erzieher der Schweriner Kita gGmbH streikten für mehr Anerkennung und mehr Lohn. Argument: Die Anforderungen an Erzieher seien seit Jahren stetig gewachsen, die Gehälter nicht. Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Ute Evers rechnete vor: „Bei einem Bruttogehalt von knapp 2000 Euro und einer Arbeitszeit von 35 Stunden bleiben etwas mehr als 1300 Euro übrig zum Leben. Das macht es auch schwer, Nachwuchs für diese Arbeit zu finden.“

Bis in den September stritten Gewerkschaft und Kommunaler Arbeitgeberverband über den neuen Lohn. Das Ergebnis: zwischen drei und vier Prozent Lohnsteigerung für die rund 220 000 Beschäftigten in ganz Deutschland. Die Gesamtkosten dafür werden auf rund 315 Millionen Euro geschätzt.

Die Kita gGmbH möchte für 2016 „ausschließlich die Personalkostenerhöhungen verhandeln“, schreibt Geschäftsführerin Anke Preuß. „Bei den anderen Kostenpunkten setzen wir alles daran, diese im kommenden Jahr konstant zu halten.“





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