Schwerin : Eltern empört über Ausweich-Hort

<strong>Wenig einladend fanden einige Eltern</strong> der künftigen Abc-Schützen den  Werderclub, der in diesen Tagen als provisorischer Hort hergerichtet wird.<foto>bert Schüttpelz</foto>
Wenig einladend fanden einige Eltern der künftigen Abc-Schützen den Werderclub, der in diesen Tagen als provisorischer Hort hergerichtet wird.bert Schüttpelz

Weil zu wenig Hortplätze da sind, sollen Erstklässler im umgebauten Werderclub betreut werden. Eltern sind sauer: Sie fühlen sich hingehalten und schlecht informiert.

svz.de von
19. Juli 2012, 10:26 Uhr

Schwerin | Noch vor wenigen Tagen hatte sich Schwerins Sozialdezernent Dieter Niesen gegenüber SVZ optimistisch und erleichtert gezeigt: Die Vergabe der Hortplätze zum bald beginnenden Schuljahr laufe sehr gut, es gäbe diesmal endlich keine Probleme. Doch die schwelten zu diesem Zeitpunkt bereits im Hintergrund, und zwar in der Elternschaft der Heinrich-Heine-Schule. Dort sollen Erstklässler nach dem Unterricht übergangsweise im Werderclub betreut werden. Mit einem Beschwerdeschreiben an die Oberbürgermeisterin machten sich empörte Eltern jetzt Luft. Sie ärgern sich vor allem über "scheibchenweise Informationstaktik kurz vor knapp, wenn alle Betroffenen und Verantwortlichen im Urlaub sind". Die Art und Weise, "wie die Stadtverwaltung sich die Problematik nicht vorhandener Hortplätze vom Hals hält, indem sie die Verantwortung in völlig ungeklärte Verhältnisse eines nicht städtischen Trägers abwälzt, schockiert uns ebenso wie der Fakt, dass weder die Stadt noch der Träger bemüht zu sein scheinen, im Sinne der Kinder, um die es hier geht, eine tragbare Lösung zu finden."

Antje Conradt schildert die Hort-Geschichte ihrer Familie: Am 4. Mai erhielten die Eltern von der Stadt die Bescheinigung, dass ihr Sohn einen Anspruch auf einen Hortplatz hat. Auf einem Elternabend am 31. Mai teilte die Schulleiterin dann mit, dass diese Hort-Kinder der 1a nicht von der Kita gGmbH, sondern vom DRK-Kreisverband in der Villa Traumland betreut werden. An einem weiteren kurzfristig anberaumten Elternabend am 4. Juli erklärte dann die Leiterin der Villa Traumland, dass es in der Bornhövedstraße keine Möglichkeit mehr gäbe, die Kinder aufzunehmen. Man plane zwar, einen Neubau zu erreichten, bis dahin sollten die Kinder aber im Werderclub in der Werderstaße 1 betreut werden. Vergangene Woche schließlich haben die Eltern die Räume und das Außengelände des DRK-Jugendclubs in Augenschein genommen. Familie Conradt zumindest war entsetzt: "Es ist uns ein Rätsel, was im Werderclub an Jugendarbeit stattfindet, denn die Verhältnisse sind ganz offensichtlich keinem zumutbar. Die Sanierungsarbeiten, die nötig wären, um einen tragbaren Zustand herzustellen, sind bis zum 4. August 2012 nicht mehr leistbar."

Bis Januar solle der Neubau des DRK in Containerbauweise in der Bornhövedstraße fertig gestellt sein, berichtet Antje Conradt weiter. "Das Grundstück hierfür hatte das DRK jedoch zum Zeitpunkt des Elternabends noch nicht erworben. Ein Bauantrag war auch noch nicht gestellt." Diese Tatsachen und die bisherige Art der Information lasse sie daran zweifeln, dass dieser Neubau im Januar für die Kinder zur Verfügung steht. "Die beabsichtigte Übergangslösung im Werderclub lehnen wir hiermit ab und fordern Sie auf, die Bereitstellung der Hortplätze für die Kinder der Klasse 1a bis zur Einschulung am 4. August zu klären", schreibt sie an die Oberbürgermeisterin. Natürlich wisse man um die mangelhafte Hortplatzsituation in der Stadt, habe sich aber bewusst für die staatliche Heinrich-Heine-Schule entschieden, "deren Lehrer eine sehr gute Arbeit leisten". Conradts bestehen auf eine Hortbetreuung ihrer Kinder durch die Kita gGmbH in den Räumen der Schule.

Die Vorwürfe der Schweriner Eltern möchte der zuständige Dezernent nicht auf sich sitzen lassen. "Der Landeshauptstadt Schwerin ist eine gute Hortbetreuung wichtig", betont Dieter Niesen auf Anfrage der SVZ. "Dementsprechend werden seit Monaten mit den Trägern der Kindereinrichtungen und den Schulen Lösungen gesucht, um den Wünschen der Eltern nach einer Hortbetreuung gerecht zu werden. Im Falle der Grundschule Heinrich Heine ist die Hortkapazität durch eine weitere Gruppe beim Träger DRK erweitert worden." Seit dem 13. Juli laufen die Umbaumaßnahmen im Werderclub, bis zum 3. August soll alles fertig sein. Verschiedene Räume werden umgestaltet und mit neuem Mobiliar versehen, eine Küche für die Mittagsversorgung der Mädchen und Jungen soll eingebaut sowie die Sanitäreinrichtungen erneuert werden. "Damit die Kinder sicher von der Schule zum Hort kommen, wird ein Fahrdienst eingerichtet", erklärt Alfred Klein, Leiter Fahrdienst beim DRK. Yvonne Mahlke, Leiterin der DRK-Kindereinrichtung: "Wir bemühen uns sehr, dass alles vernünftig läuft." Es sei "bedauerlich, wenn ein Elternehepaar so massive Kritik gegen die Stadt und einen freien Träger richtet". Auf die Eltern, die hier Kritik üben, werde der Hortträger noch einmal zugehen und um Verständnis bitten.

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