Weltkulturerbe Schwerin : „Einmalig in Deutschland“

Der Alte Garten mit Theater und Museum gilt als einer der schönsten Plätze des Historismus.  Fotos: Reinhard Klawitter (4)
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Der Alte Garten mit Theater und Museum gilt als einer der schönsten Plätze des Historismus. Fotos: Reinhard Klawitter (4)

SVZ stellt die einzelnen Teile des Residenzensembles vor – Teil 3: Der Alte Garten

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07. März 2016, 14:40 Uhr

Wussten Sie, dass auf dem Alten Garten mal ein Leopard ausgebrochen ist? Das war im Jahr 1864. Das Tier war in einer Menagerie ausgestellt. Großherzog Paul Friedrich (1800-1842) hatte den Schwerinern den repräsentativen Platz einige Jahre zuvor schmackhaft gemacht und dort manchen Spaß veranstaltet.

Der Großherzog wird als gesellig beschrieben, als ein Mann, der sich gern unters Volk mischte. Die Schweriner liebten ihn und sammelten nach seinem Tod im Jahr 1842 Geld für den Bau eines Denkmals für ihren Herzog. Und zwar an der Stelle, an der er sich ein neues Stadtschloss bauen wollte – auf dem Alten Garten genau dort, wo heute das Staatliche Museum steht.

Der Alte Garten ist zentraler Bestandteil des Schweriner Welterbeantrags. Gutachter Prof. Dr. Christian Ottersbach beschreibt ihn so: „So bildet der Alte Garten ein geschlossenes Platz- und Architekturensemble jener Epoche, das ihn nicht nur zum Mittelpunkt der Residenz, sondern des ganzen Landes machte. Ähnliche Bemühungen sind z.B. in Stuttgart mit der Ausgestaltung des Schlossplatzes oder dem Waterloo-Platz in Hannover zu erkennen, deren Gesamtensembles aber durch Krieg und spätere Zerstörungen stark gelitten haben. In seiner baulichen Gesamtsituation und seiner Öffnung zum Wasser unter optischer Einbeziehung der Landschaft ist der Alte Garten als geschlossenes Ensemble eines Schlossplatzes des 19. Jahrhunderts mit wesentlichen Einrichtungen des Hofes und der Staatsverwaltung einmalig in Deutschland.“

Die Geschichte des Platzes reicht weit zurück. In slawischer Zeit könnte hier eine Vorburgsiedlung gestanden haben. Im Mittelalter war er dem Herrscherhaus zugeordnet. Größtes Gebäude war damals ein 1230 errichtetes Franziskanerkloster, das sich an der Stelle der heutigen Staatskanzlei befand.

1572 wurde die Gartenanlage erstmals gestaltet, sie erhielt im südlichen Teil Gestüt und Reitbahn. Unter Herzog Adolph Friedrich wurde der Alte Garten ab 1627 mit Parterreflächen, Lusthaus und Wasserspielen ausgeschmückt. 1693 verschwand diese Dekoration, der Alte Garten wurde Paradeplatz. Zwischen 1693 und 1698 entstand am Platz das Ballhaus, das schließlich auch das Theater beherbergte. Herzog Christian Ludwig ließ den Alten Garten 1742 bis 1749 wieder umgestalten, 200 Linden pflanzen, Wege und Rasenflächen anlegen. Mehr als 100 Jahre herrschte dann Pause – die Herzöge hatten ihre Residenz 1765 für rund 70 Jahre nach Ludwigslust verlegt. Erst als die Herrscher zurückkehrten, begann 1837 eine rege Bautätigkeit rund um das Areal. Das Ballhaus wurde abgerissen, Kollegiengebäude und Theater gebaut, das Seeufer befestigt. Theodor Klett erhielt den Auftrag für die gärtnerische Gestaltung des Platzes. Sein Plan ist bis heute entscheidend für die Grundstruktur.

Anfang des 20. Jahrhunderts gab es wieder Änderungen: Eine Straßenbahntrasse wurde gebaut mit Haltepunkt auf dem Alten Garten. 1935 funktionierten die Nationalsozialisten das Gelände zum Aufmarschplatz für Propagandaveranstaltungen um. Die Freitreppe des Museums wurde erweitert und das Paul-Friedrich-Denkmal neben das Schloss versetzt – erst 2011 kehrte es an seinen alten Standort zurück. 1968/69 sah ein Ideenwettbewerb eine sozialistische Umgestaltung des Platzes vor. Die Pläne wurden nie verwirklicht. In der Wendezeit diente der Alte Garten als Parkplatz oder Jahrmarkt-Standort. Seit 1999 wird dort im Sommer die Freilichtoper des Theaters aufgeführt.


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