Einkaufsmarkt ab heute dicht

Irma Grunwald (l.) und Petra Klebba sind zwar mobil, haben aber gern im Sukower Lebensmittelmarkt eingekauft. Rüdiger Rump
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Irma Grunwald (l.) und Petra Klebba sind zwar mobil, haben aber gern im Sukower Lebensmittelmarkt eingekauft. Rüdiger Rump

Es war seit Tagen das Dorfgespräch in Sukow: Unser Einkaufsmarkt macht zu. Aus dem anfänglichen Gerücht wurde gestern Gewissheit - der letzte Öffnungstag. Die älteren Einwohner sind besorgt. Ein Verkaufswagen soll die prekäre Situation mildern.

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14. Mai 2009, 10:54 Uhr

Sukow | Die Öffnungszeiten sind seit zwei Monaten verkürzt, in den Regalen hat sich zunehmend das Sortiment gelichtet. Ein einfaches Schild an der Scheibe verkündet, dass jeder Preis um 20 Prozent

reduziert und der 14. Mai letzter Öffnungstag ist. Ab heute bleibt der Lebensmittelmarkt in Sukow geschlossen. Die nächste Einkaufsmöglichkeit ist jetzt vier, fünf Kilometer entfernt. Für

jemanden, der mobil ist, kein Problem, doch die älteren Sukower sind besorgt.

Ein Kunde möchte Zigaretten, ein anderer Briefmarken. Die gibt es gestern nicht mehr, auch die Lücken in den Regalen sind größer geworden. Ein Lieferant räumt missmutig Schreibwaren aus den Ständern. Rentner kommen wie sonst, meist mit Fahrrad oder Rollator. So wie Waltraut Stramm (77) und Emma Hirschmann (88), die vor dem Geschäft ein Schwätzchen halten. "Der

Laden wird uns fehlen. Doch vielleicht übernimmt ihn jemand und macht wieder auf", sagt Waltraut Stramm mit einem Fünkchen Hoffnung. Emma Hirschmann pflichtet ihr bei: "Ich habe alles hier gekauft, bin doch darauf angewiesen. Die jüngeren Leute fahren woanders hin. Aber was soll ich machen?" An der Kasse umarmt die 88-Jährige zum

Abschied Verkäuferin Sigrid Pohl. Die Tränen zu unterdrücken, gelingt ihr nicht. Auch Gerhard Gorkowski ist traurig über das Aus des Marktes. "Wegen einer Behinderung durfte ich nie Auto fahren. Jetzt wird es noch schwerer für mich." Die Verkäuferin versucht ihm Mut zu machen. "Gucken Sie sich das mit dem Verkaufswagen erstmal an. Der steht am Sonnabend ab 9.30 Uhr hier."

Sigrid Pohl ist seit zehn Jahren in Sukow. "Es war immer ein gutes Arbeiten. Ich bin freundlich aufgenommen worden, habe mich zu Hause gefühlt", sagt die Verkäuferin, die in Neustadt-Glewe wohnt. "In einem kleinen Laden geht es familiär zu, man kennt sich mit Namen. Ich denke, die Kunden, die zu uns kamen, sind gern gekommen. Aber die meisten Sukower arbeiten in Schwerin und haben sich alles von dort mitgebracht."

Petra Klebba (51) erzählt, dass sie dennoch ein, zwei Mal in der Woche in Sukow eingekauft hat. "Irgendwas fehlte immer, mitunter sonnabends kurz vor 12 Uhr. Jetzt habe ich Urlaub, da möchte ich natürlich erst recht hier im Dorf einkaufen. Für die Alteingesessenen ist es echt schlimm, dass der Laden zumacht."

Allein von den Älteren im Dorf sowie jenen, die ihr Geld in Schwerin gelassen und nur Kleinigkeiten vergessen haben, könne so ein Markt nicht existieren. Inhaberin Michaela Seifferth ist anzusehen, wie schwer ihr der Entschluss fiel zu schließen. Im Sommer 2003 hat sie den Lebensmittelmarkt gekauft. "Wir mussten uns jahrlang über die Runden quälen. Es fehlte Umsatz, und die Energiekosten uferten aus. Doch irgendwann ist das Ende der Fahnenstange erreicht." Alle Bemühungen um einen Nachfolger

seien vergebens gewesen. "Einer hatte Interesse, bekam dann aber kalte Füße, anderen ist der Laden zu klein", erklärt die junge Frau leise. Was aus dem Gebäude wird, sei derzeit unklar. Jetzt müsse sie selbst erstmal versuchen, eine Anstellung zu finden.

"Als Gemeinde erfuhren wir leider erst sehr kurzfristig von der Schließung des Marktes", bedauert Bürgermeister Horst-Dieter Keding. "In einer Sondersitzung der Gemeindevertretung haben wir Lösungsmöglichkeiten beraten. Wir sehen welche und sind dafür, dass sich die Gemeinde an einer durchdachten Investi tion finanziell beteiligt. Dabei gibt es allerdings noch Klärungsbedarf. Ein Verkaufswagen kann für ein Dorf unserer Größe nur eine Übergangslösung sein."

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