zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

18. Dezember 2017 | 06:22 Uhr

Tierschutz in Schwerin : Einigung im Vogel-Streit

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Munitionsberäumung in den Göhrener Tannen geht heute weiter – Gericht schlichtet Debatte von Naturschutzbund und Stadtverwaltung

von
erstellt am 01.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Die Vorbereitungen für die Ansiedlung des Schweizer Medizintechnik-Unternehmens Ypsomed im Industriepark Schwerin in den Göhrener Tannen gehen seit heute weiter. Innerhalb von sechs Jahren sollen 200 Arbeitsplätze geschaffen werden. 50 Millionen Euro möchten die Schweizer dafür in Schwerin investieren.

Die Arbeiten waren nach einem Eilantrag des Naturschutzbundes vom Schweriner Verwaltungsgericht gestoppt worden. Die Munitionssuche auf dem früher militärisch genutzten Areal würde aus Sicht des Nabu Brutvögel gefährden. Das Verwaltungsgericht hatte daraufhin angeordnet, dass Vertreter der Stadt und des Nabu die betroffene, zehn Hektar große Fläche nach Nestern von Bodenbrütern absuchen sollen.

Das ist nach Auskunft aus der Baubehörde der Stadt inzwischen gemeinsam mit einem Ornithologen erfolgt. So können von heute an im vorderen Teil die Untersuchungen des Munitionsbergungsdienstes wieder aufgenommen werden. Anschließend werde die übrige Fläche untersucht, hieß es.

Dennoch: Der zweiwöchige Baustopp schmerzt die Stadt erheblich. Von Schadensersatzforderungen in Höhe von bis zu 30 000 Euro pro Tag war die Rede. Auch deshalb hatte die Stadt beim Oberverwaltungsgericht Beschwerde gegen den Baustopp eingelegt. Doch nach Auskunft der Stadt haben auch die obersten Richter auf eine gütliche Einigung durch den Vor-Ort-Termin mit dem Ornithologen Wert gelegt. Und die ist nun erzielt.

Baudezernent Bernd Nottebaum hatte stets betont, dass die Stadt nicht leichtfertig mit dem Leben der Brutvögel umgehen würde, „wie es der Naturschutzbund behauptet“, so der Dezernent. „Bei den Bauvorhaben in den Göhrener Tannen werden hohe Maßstäbe an den Artenschutz gelegt.“ Seit September seien für die Herrichtung der Fläche mehr als 80 000 Euro für den Schutz von Zauneidechsen, Kreuzkröten und Vögeln ausgegeben worden. Die Munitionsberäumung habe erst nach Abschluss der Schutzmaßnahmen begonnen. Die Störung der Brutgelege würde ohnehin nur auf fünf Prozent der im Industriepark vorhandenen Offenlandflächen stattfinden, sagte der Baudezernent. „Auf 190 Hektar können die Vögel weiterhin ungestört brüten.“

„Es geht um gesetzlich geschützte Arten“, so Ulf Bähker vom Nabu. „Bernd Nottebaum beklagt, dass Ausnahmen vom gesetzlichen Artenschutz möglich sein müssen. Dabei gab es bereits eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung, nur haben sich die Verantwortlichen nicht an die Auflagen gehalten. Erst deswegen konnten sich die Bodenbrüter, die eigentlich vergrämt werden sollten, auf der Fläche ansiedeln.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen