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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. November 2017 | 04:28 Uhr

Stadtbild-Serie : Einfamilienhäuser in Neumühle

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schweriner Stadtwerke errichten in den Jahren 1920 und 1921 Wohnanlagen für Arbeiter des Wasserwerks

von
erstellt am 19.Jan.2015 | 16:00 Uhr


Das Wohnhaus in der Neumühler Straße 63-73 hat viele Um- und Anbauten hinter sich. Während in den vergangenen Jahren mehrere hundert neue Einfamilienhäuser im Mühlenscharrn aus dem Boden gestampft wurden, erinnert heute nur noch eine jüngere Skulptur auf dem Kreisverkehr daran, wofür die ersten „Reihenhäuser“ in der Neumühler Straße im Jahr 1920/21 gebaut worden waren.

„Die insgesamt sechs Wohnungen mit den zugehörigen Stallanlagen entstanden unweit des Wasserwerkes Neumühle“, erzählt Jörg Moll vom Schweriner Stadtarchiv. „Die Arbeiter mussten bei Havarien und Unregelmäßigkeiten schnell vor Ort sein.“

Das alte Wasserwerk liegt noch heute am Stadtrand, etwa 2,5 Kilometer vom Obotritenring entfernt. Die Straße kennzeichnete in den 1920er-Jahren in etwa den Rand des bebauten Schwerins. „Die Strecke bedeutete umgerechnet etwa einen Fußmarsch von einer halben Stunde – im Fall eines Schadens im Wasserwerk deutlich zu lang“, stellt der Archivar fest.

Das Wohnhaus in der Neumühler Straße gehörte zu den ersten Bauprojekten aus der Feder des Stadtplaners Andreas Hamann, der unter anderem das Krematorium und die Niklotschule (SVZ berichtete) sowie den Erweiterungsbau des alten Stadtkrankenhauses an der Werderstraße entworfen hatte. Alle drei Projekte wurden im Jahr 1930 fertiggestellt. Das Sechsfamilienhaus gehörte zu Hamanns ersten kleinen Projekten für Schwerin. Es war eingeschossig mit ausgebautem Walmdach – vier Eingänge zur Straße, zwei je am Giebel. Jede Familie bewohnte etwa 80 Quadratmeter, für die damalige Zeit vergleichsweise großräumig. Aber „alles in allem eine einfache und kostengünstige Lösung ohne große gestalterische Ansprüche“, sagt Jörg Moll. Küche, Speisekammer und ein Zimmer im Erdgeschoss, zwei Kammern als Schlafräume im Dachgeschoss, ein kleiner Keller und ein Stall waren typische Wohnbauten für die 1920er-Jahre.

Kleiner und kostengünstiger wurden Hamanns Entwürfe in den 30er-Jahren. „Es ging um Häuser für etwa 10  000 Reichsmark“, erklärt Jörg Moll, der sich ausführlich mit dem Architekten und Stadtplaner Andreas Hamann befasst. Man könne seine späteren Entwürfe für Neumühle fast als sozialen Wohnungsbau der damaligen Zeit auffassen, bei dem es vor allem um eines gegangen sei: billig.

Im Jahr 1932 hatte Andreas Hamann Vorplanungen für eine großräumige Stadtrandsiedlung in Neumühle angefertigt. „Sie sollte aus Gründen der Arbeitsbeschaffung errichtet und für Familien zur weitgehenden Selbstversorgung geplant werden“, so der Historiker. 29 Doppelhäuser, also 58 Wohneinheiten, sollten demnach an der heutigen Neumühler Straße, der damaligen Wittenburger Chaussee, zwischen der heutigen Schwalbenstraße und der Straße An den Wadenhängen hoch gezogen werden. Nach den Entwürfen waren die Grundstücke etwa 1400 Quadratmeter groß, die Wohnhäuser maßen nur etwa 60 Quadratmeter inklusive der Stallanbauten. Allerdings wurden die Pläne die in die Realität umgesetzt. In den darauffolgenden Jahren verkleinerten die Städteplaner die Grundstücke, die Häuser wurden als Backsteinbauten errichtet.


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