zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

22. November 2017 | 17:55 Uhr

Wildes Schwerin : Eine wilde Sache mit Haken

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Reh und Co. aus der Stadt landen selten auf heimischen Tellern – Vermarktung fehlt

von
erstellt am 10.Nov.2017 | 12:00 Uhr

Wildschwein, Reh und Hirsch haben traditionell im Herbst und im Winter ihre Hauptsaison, landen auch in den hiesigen Restaurants auf den Tellern. Ebenso wird Wildbret in vielen Supermärkten angeboten. Meistens kommt dieses Fleisch aber aus Gatter-Zuchten oder legt aus Übersee teilweise lange Wege zurück. Kurzum: Nicht jedes angebotene Wildfleisch stammt aus der Region. Ein Wildbret-Laden in Schwerin? Fehlanzeige. Auch viele Jäger aus der Stadt beklagen das, erzählen von den „guten alten Zeiten“ – dem Wildfleischgeschäft in der Buschstraße 9. Heute wird das in der Stadt Schwerin gestreckte Wild entweder von den Jägern selbst verbraucht oder an Wildhändler abgegeben. Einer von ihnen ist Jörg Kania, zudem auch Jagdausstatter und Waffenfachhändler. Jörg Kania bezeichnet sich selbst als „Zwischenstation“: „Ich nehme das Wild hier an und gebe es anschließend an einen Händler weiter.“ Nicht jeder Waidmann in der Stadt habe die Möglichkeit, das Wild in der Form zu kühlen und selbst für kurze Zeiten zu lagern. Einmal in der Woche werde das Wild bei Kania von einem Fleischverarbeiter aus Mölln abgeholt. Der Wildhändler hatte auch Vertragspartner aus der Region. Die Zusammenarbeit scheiterte aber an der Zahlungsmoral seiner Geschäftspartner. Auch Jörg Kania weiß um die Schwierigkeiten der regionalen Vermarktung. Die Vorschriften zur Wildbret-Verarbeitung seien zudem sehr streng. Für den gemeinen Jäger nicht nebenbei zu realisieren. Jörg Kania sorgt für seinen Wildfleischbedarf selbst – er ist Jäger: „Ich wäre ja verrückt, wenn ich mein gutes Fleisch verkaufe“, sagt er und lacht. Einen Tipp für frisches Wildbret hat aber auch der Fachmann nicht: „Es gibt Fleisch bei einigen wenigen Betrieben im Schweriner Umland und beim Forstamt in Schildfeld“, sagt der Mecklenburger.

Ein weiteres Standbein von Jörg Kania sind die Trophäen: Er präpariert sie fachgerecht. Eine zeit-, aber auch geruchsintensive Arbeit. Allein für einen Schädel mit Geweih braucht er zwischen drei und vier Stunden. „Erst wird der Schädel gekocht, dann von Fell und Fleisch befreit, anschließend wird er gebleicht. Damit der Kopf gut aufs Trophäenbrett passt, wird er zum Abschluss glatt geschliffen“, erklärt Jörg Kania einige Arbeitsschritte. Die meisten Trophäen, die er aufarbeitet, stammen von Rehböcken.

Vor 15 Jahren hat sich Jörg Kania als Jagdausstatter selbstständig gemacht, 1996 ein Geschäft in Zippendorf eröffnet. Vor einigen Jahren ist er dann mit dem Laden nach Plate gezogen. „Die Anlieferung ist hier viel unkomplizierter als in der Stadt“, nennt er ein Argument für den Umzug aufs Land. Ein Großteil der Schweriner Jäger zählt weiterhin zu seinem Kundenkreis.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen