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Zeitung für die Landeshauptstadt

23. November 2017 | 14:31 Uhr

Langen Brütz : Eine weit verzweigte Familie

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Langen Brützer beleuchten Geschichte der Gutsbesitzer Diestel – Prominentester Vertreter Rechtsanwalt Peter-Michael war Ehrengast

von
erstellt am 13.Nov.2017 | 09:00 Uhr

Mit seiner neuen Heimat hat sich Jörg Haase intensiv beschäftigt. Vor drei Jahren zog der Oberförster im Ruhestand von Berlin nach Langen Brütz. Wald und Flur kennt er bestens. Nach eingehendem Studium vieler Bücher und Schriftstücke folgt jetzt ein Großteil der regionalen Geschichte. Eine Name ist Jörg Haase dabei immer wieder begegnet: Diestel. Daraus entstand die ursprüngliche Idee, einen Vortrag zur Regionalgeschichte einer Gutsbesitzerfamilie im Einzugsbereich des Fördervereins „5 Türme“ vorzubereiten. „Ich musste allerdings schnell feststellen, dass das ursprüngliche Konzept zu kurz gegriffen hätte“, sagte Jörg Haase. Der Name Diestel führte ihn nämlich nicht nur an das Ostufer des Schweriner Sees, sondern auch über die deutsche Kolonialgeschichte in Afrika, das Dritte Reich und die DDR in das wiedervereinigte Deutschland.

Und auf diese große Reise nahm er die Besucher am Freitagabend in der Langen Brützer Kirche mit. Zahlreiche Interessierte waren dem Aufruf des Fördervereins gefolgt. Selbst alle Stehplätze waren vergeben. So lauschten mehr als 50 Besucher den Geschichten von Jörg Haase und seinem Kompagnon Joachim Giesenhagen, der für die plattdeutschen Texte zuständig war. Sie berichteten unter anderem von der baufälligen Langen Brützer Kirche, die 1858 abgerissen werden musste. „Ein Neubau erfolgte unter Johann Peter Heinrich Diestel als Kirchenpatron und wurde am 30. Oktober 1859 feierlich eingeweiht. Die Diestels stifteten zudem eine neue Glocke“, berichte Jörg Haase. Zuvor hatte Johann Peter Heinrich Diestel Spuren in Cambs hinterlassen, dort eine neue Kapelle bauen lassen. „In ihr hängt bis heute eine kleine Glocke mit der Inschrift ,Soli deo gloria‘ und der Namen des Stifters: J.P.H. Diestel sowie die Jahreszahl 1855“, so der Referent. Nach dem Verkauf der Güter Cambs, Leezen und Langen Brütz 1907 widmeten sich die Diestel-Männer bürgerlichen Berufen oder schlugen Offizierslaufbahnen ein. Einen nicht geringen Teil widmete Jörg Haase auch den Diestelschen Spuren in Westafrika: dem Wirken von Leutnant Friedrich Diestel aus Langen Brütz. „Auf dem Friedhof in Langen Brütz steht immer noch ein Gedenkstein für den Gefallenen, welcher von seinen Nachfahren als Abenteurernatur beschrieben wird und meinte, auch in Afrika seinem Vaterland dienen zu müssen“, sagte Jörg Haase und gelangte in großen Sprüngen dann auch zum Ehrengast des Abends – dem wohl derzeit bekanntesten Spross der Gutsbesitzerfamilie: der letzte Innenminister der DDR, Rechtsanwalt Peter-Michael Diestel.

Jörg Haase hatte ihn bereits während seiner Vorbereitung des Vortrags besucht und freute sich ebenso, dass der Ost-Mecklenburger seiner Einladung nach Langen Brütz gefolgt ist.

„Sie müssen mich nicht mögen, aber die Diestels“, sagte Peter-Michael Diestel und bedankte sich für das große Interesse an seiner Familie. Dass er selbst an diesem Abend in den Fokus der Erzählungen rückte, war ihm nicht ganz recht. „Ich dachte, es geht mehr um die Gutsbesitzerfamilie“, fügte er hinzu, versprach gleichzeitig: „Wenn mal etwas gemacht werden muss und Hilfe nötig ist, können Sie mich immer ansprechen.“ Denn auch Peter-Michael Diestel liegt sehr viel daran, das Erbe zu bewahren, wenngleich er keine Ansprüche geltend macht.

 

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