Filmkritik : Eine politische Lehrstunde

catchingfire
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Der Kinofilm „Die Tribute von Panem 2“ schafft es, Unterhaltung, Gesellschafts- und Medienkritik zu kombinieren und läuft in Schwerins Kinos.

svz.de von
10. Dezember 2013, 23:14 Uhr

In den beiden Schweriner Kinos ist heute der zweite teil der Saga um die „Tribute von Panem“ zu sehen – und man sollte ihn gesehen haben. Denn Regisseur Francis Lawrence – nicht verwandt mit Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence – bietet nicht einfach nur kurzweiliges Popcorn-Kino der Hollywood-Großproduktion, sondern dank des nahe an der Romanvorlage von Suzanne Collins gehaltenen Drehbuchs eine jugendgerecht aufgearbeitete politische Lehrstunde.

„Catching Fire“ ist quasi von der ersten bis zur letzten Minute Gesellschaftskritik. Die Kontraste zwischen Reich und Arm, zwischen den Regierenden und den Ausgebeuteten in den unterjochten zwölf Distrikten von Panem ist omnipräsent. Im ersten Teil hatte Regisseur Gary Ross diese quasi noch auf die „Hungerspiele“ selbst beschränkt, den jährlich stattfindenden tödlichen Wettstreit der Abgesandten – Tribute – aus jedem Distrikt. Francis Lawrence geht weiter. Er zeigt die ersten Ansätze des Widerstandes – und platziert seine Haupthelden Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) und Peeta Mellark (Josh Hutcherson) mittendrin. Er zeigt, wie ein Sympathisant der Beiden getötet wird, er zeigt Hunger, Angst, ja das Auslöschen ganzer Bezirke. Und Lawrence zeigt dagegen auch dekadente Parties, Ausschweifungen und eben erneut die makabren „Hungerspiele“, zu denen auch die Protagonisten antreten müssen. Bei alledem kommt auch die Medienkritik nicht zu kurz – so etwas von beeindruckend gespielt von zwei ganz Großen Hollywoods: Donald Sutherland als Präsident Snow und Philip Seymour Hoffman als neuer Spielleiter. Der Zuschauer sieht, dass „Live“-Übertragungen zeitversetzt erfolgen, damit für das totalitäre Regime Unliebsames geschnitten werden kann. Und erlebt die Absprache, wie mit Medienstrategien Personen manipuliert und zerstört werden sollen. Das ist ganz großes engagiertes Kino, schafft eine neue Dimension von Blockbuster-Serien und stellt die Schmacht-Herz-Schmerz-Heile-Welt-Orgie von Vampiren und Werwölfen der „Biss“-Reihe klar ins Regal der Belanglosigkeiten. Dennoch bietet Lawrence Hollywood pur – mit guten Schauspielern, eindringlichen Bildern, Emotionen und Special Effects wie die der Pavian-Monster-Herde. Freuen wir uns auf Teil 3. Den gibt es – ganz Hollywood – in zwei Teilen.

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