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Historisches Schwerin : Eine Mühle mitten in der Stadt

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Kurioses und Außergewöhnliches in Schwerin – heute: die Bischofswindmühle in der Pestalozzistraße

von
erstellt am 13.Okt.2017 | 05:00 Uhr

Jeder Einwohner glaubt natürlich, seine Stadt zu kennen. Uns Schwerinern geht es nicht anders: Das Schloss, die Sport- und Kongresshalle, das Werderholz, die Lankower Berge – alles wohl bekannt. Doch überall gibt es Kurioses, Außergewöhnliches, Unbekanntes. Auch in der Landeshauptstadt. Ein Fluss unter Wohnhäusern, ein Flugzeugmotor im Wohnzimmer, fehlende Hausnummerierungen sind solche Kuriositäten. Auch eine Windmühle mitten in der Stadt gehört dazu.

Mühlen waren in Schwerin einst überlebenswichtig. Lieferten sie doch das Mehl für Brot und Kuchen. Und so gab es schon vor Jahrhunderten Mühlen – meist vor den Toren der Stadt.

Die Grafenmühle und die Bischofsmühle waren Wassermühlen. Es gab aber auch die Bischofswindmühlen. Damit konnte auch bei fehlendem Wind und wenig Wasser gemahlen werden – eine der beiden Antriebskräfte war fast immer verfügbar.

Eine der Bischofswindmühlen war eine Galerieholländerwindmühle. Sie stand auf einer Anhöhe vor den Toren der Stadt auf freiem Feld und wurde 1871 gebaut. Ihr Fundament bestand nur aus großen Feldsteinen. Darauf war der Unterbau aus Ziegelsteinen errichtet, Turm und Haube waren Holzkonstruktionen.

Die Geschichte der Bischofswindmühle währte nur vier Jahrzehnte. 1911 zerstörte ein durch Blitzschlag entfachtes Feuer den hölzernen Aufbau. Nur die Ziegelgrundmauern blieben stehen. Dieser Rest wurde genutzt, um ein Wohnhaus zu errichten.

Es war nicht der einzige Mühlenbrand in der Residenzstadt. Auch am Tannenhof, in Neumühle in der heutigen von-Thünen-Straße und der jetzigen Lübecker Straße gerieten Mühlen in Brand.

In den 1930er-Jahren wurden in Schwerin viele Wohnungen gebaut. Es entstand das Wohnviertel hinter dem Bahnhof. Die roten Backsteinfronten verdecken heute den Rest der Bischofswindwmühle. Durch einen Durchgang von der Pestalozzistraße her ist das Gebäude zu erreichen. Zu DDR-Zeiten war das Haus in einem desolaten Zustand, wie Bilder im Stadtarchiv zeigen. Nach 1990 wurde der „Mühlenrest“ saniert.

Auch wenn dieses Gebäude jetzt kaum wahrnehmbar ist, steht doch mitten in Schwerin immer noch eine Windmühle – die letzte Zeugin eines einst für die Stadt sehr wichtigen Wirtschaftszweiges.

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