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Jugendliche treffen Zeitzeugen : Eine Liebe überwindet die Mauer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Paar aus Ostdeutschland und Frankreich kam nur dank der Hilfe von Präsident Giscard d’Estaing zusammen

svz.de von
erstellt am 12.Apr.2014 | 16:00 Uhr

Diese Geschichtsstunde wird den 16-bis 18-jährigen Schülern vom Lyzeum aus Orléans lange in Erinnerung bleiben: Bei ihrem Besuch der Stasi-Unterlagenbehörde in Görslow hörten sie eine ostdeutsch-französische Liebesgeschichte, die zu Zeiten der Teilung Europas begann, dramatische Züge annahm, glücklich endet und bis heute fortdauert. Françoise und Armin G. erzählten den Jugendlichen persönlich aus ihrem bewegten Leben. „Ein glücklicher Zufall, der diese Begegnung zu einem einmaligen Erlebnis werden ließ“, berichtet Andrea von Malottki von der Stasi-Unterlagenbehörde.

Armin G. stammt aus Westmecklenburg. Gemeinsam mit seiner Frau Françoise war er dieser Tage wieder in der einstigen Heimat – um in Görslow die Stasi-Akten über seine Familie einzusehen. Ein-, zweimal im Jahr kommen Personen aus dem Ausland an den Schweriner Innensee, um hier nachzulesen, wie die Stasi sie einst bespitzelt hatte. „Nun hatte sich aber genau für den darauf folgenden Tag die Schülergruppe aus Orléans angemeldet. Deshalb haben wir Françoise und Armin G. gebeten, nochmals nach Görslow zu kommen, um den Jugendlichen ihre Geschichte selbst zu erzählen“, berichtet von Malottki. „Solche Begegnungen mit Zeitzeugen sind immer besonders stark.“

So war es auch dieses Mal. Und die Geschichte von Françoise und Armin G. ist zudem eine besonders eindrucksvolle. Diese begann Mitte der 1970er-Jahre in der Sowjetunion, wo sich der junge Mecklenburger und die Französin zufällig trafen und auf den ersten Blick verliebten. Zurück in der DDR stellte Armin G. einen Ausreiseantrag. Doch alle Bemühungen, zu seiner großen Liebe in den Westen zu gelangen, scheiterten. Auch der Versuch einer Schleusung in die BRD. Stattdessen landete Armin G. im DDR-Gefängnis. Doch die Liebe hielt dieser großen Belastung stand. Françoise ließ nicht locker und durfte dank ihrer Hartnäckigkeit sogar beim damaligen französischen Staatspräsidenten Giscard d’Estaing vorsprechen. Der wiederum machte Druck auf die DDR-Regierung: 1981 durfte Armin G. ausreisen. Seitdem ist das Paar zusammen. Heute lebt es in einem Dorf in den französischen Ardennen.

„Die Jugendlichen waren total ergriffen von dieser Geschichte“, erzählt Andrea von Malottki. „Besser und anschaulicher hätten wir ihnen das Leben und Leiden unter einer Diktatur nicht erläutern können.“

Übrigens fand das Gespräch in Görslow zwischen den jungen Franzosen und dem in Frankreich lebenden Paar auf Deutsch statt. Denn die Jugendlichen besuchen eine Spezialschule in Orléans, an der auch Fachunterricht auf Deutsch gegeben wird – so in Geschichte und Geografie. Die Jugendgruppe ist derzeit in Norddeutschland unterwegs, um sich genau mit diesen Themenfeldern zu befassen. Die Hansestädte und die Küsten von Ost- und Nordsee bieten reichlich Unterrichtsstoff. Doch auch die DDR-Geschichte, die Teilung Europas und der kalte Krieg wurden nicht ausgelassen. Deshalb kamen die Schüler aus Orléans nach Schwerin – eine Hälfte sah sich im einstigen Stasi-Gefängnis und heutigen Dokumentationszentrum über Diktaturen am Schweriner Demmlerplatz um, die andere Hälfte fuhr zur Außenstelle des Bundes für die Stasi-Unterlagen nach Görslow.

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