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Pampower organisieren Tornax-Treffen : Eine knatternde Liebe fürs Leben

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Nicht nur viel Zeit haben Erwin und Roswitha Preuß in ihr Motorrad von 1929 investiert – 65 Tornax-Freunde locken sie nun nach Demen

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erstellt am 10.Mai.2016 | 11:45 Uhr

Für Erwin Preuß war es Liebe auf den ersten Blick. Allerdings ganz ohne funkelnden Chrom. Ganz ohne satten Klang des Motors. Die Maschine, an die er im Frühjahr 1986 sein Herz verloren hat, war alles andere als ein heißer Ofen. „Es war schlichtweg Schrott, den ich gekauft habe“, sagt der Pampower. Und wenn er ganz ehrlich ist, hat er diesen „Schrott“ auch kaufen lassen. Denn der damalige Besitzer des Tornax-Gestells wollte es nicht an Erwin Preuß verkaufen. „Er dachte, ich will damit nur handeln“, sagt er und muss noch heute darüber lachen. Denn Erwin Preuß hat in den vergangenen 30 Jahren niemals darüber nachgedacht, sich von der Tornax 600 Baujahr 1929 zu trennen. Ganz im Gegenteil. Viele Jahre habe es gedauert, bis er sie fahrtauglich hatte. „Zu Ost-Zeiten war es schier unmöglich, Ersatzteile zu bekommen. Und wenn, dann nur für West-Mark, die wir so gut wie gar nicht hatten“, erzählt Erwin Preuß. Roswitha Preuß erinnert sich noch genau. 40 D-Mark hat ihr Mann für einen Gepäckträger ausgegeben. „Dafür hätte ich im Intershop eine schöne Jeans bekommen oder acht Pfund Kaffee“, erzählt sie. Heute wie damals kann sie darüber schmunzeln. Denn die 57-Jährige teilt die Leidenschaft für alte Motoren. Nach der Wende hat Erwin Preuß in Geesthacht in einer Opelwerkstatt gearbeitet und dort eher zufällig einen Tornax-Besitzer kennengelernt. „Es war ein Wink des Himmels“, sagt er heute. Denn Stück für Stück kam er seinem Traum näher: Die Tornax zum Laufen zu bringen. Endlich fahren zu können. Preuß wurde Mitglied in der Tornax-Interessengemeinschaft. Er fand schnell viele Freunde. Auch alle nötigen Ersatzteile.

Am 1. Mai 1999 war es endlich so weit. Die erste Fahrt mit der restaurierten Tornax. „Wir waren beide ganz aufgeregt und mein Mann wahnsinnig stolz“, blickt Roswitha Preuß zurück. Aber nach 20 Kilometern kam plötzlich nur noch Rauch und dann jede Menge Öl. „Wir waren ewig hinter einer Ölpumpe her, die wir schließlich am Bodensee bekommen haben und seitdem läuft alles glatt“, erzählt der Motorrad-Liebhaber und klopft dreimal auf Holz.

Mittlerweile hat die Tornax von Erwin Preuß 8000 Kilometer mehr auf dem Tacho. Viele schöne Urlaube haben er und seine Frau bereits mit dem Motorrad erlebt, viele Ausflüge gemacht. Der nächste ist bereits geplant. Denn einmal im Jahr treffen sich die Mitglieder der Tornax–IG. In diesem Jahr wieder in Mecklenburg. Genauer gesagt in Demen. „Ein Mitglied ist immer dran, so ein großes Treffen zu organisieren. 2009 haben wir das zum ersten Mal gemacht. Nun ist es wieder so weit. Wir sind dran“, sagt Preuß. Seit zwei Jahren planen er und seine Frau das Spektakel. Am 25. Mai werden sich 65 Tornax-Freunde mit 37 Fahrzeuge auf den Weg nach Demen machen. Auch Vierrädrige sind dabei. Denn der Hersteller aus Wuppertal hat kurzzeitig auch Autos hergestellt. „Alles wahre Schmuckstücke“, gerät Preuß ins Schwärmen und erzählt von den unterschiedlichen Modellen. Eine Auswahl werden auch die Mecklenburger vom 25. bis 29. Mai zu Gesicht bekommen.

Am 26. Mai ist die erste Tour nach Basthorst geplant, am Tag drauf geht es nach über Bad Kleinen nach Wiligrad, Lübstorf und dann nach Schwerin zum Fernsehturm. „Gegen 15 Uhr sind wir am Fernsehturm und werden dort auch Aufstellung für Fotos nehmen. Gern auch Motorradfreunden die eine oder andere Frage beantworten“, sagt Preuß mit einem Augenzwinkern und hofft auf viele Schaulustige. Am 28. Mai fahren die Tornax-Freunde nach Alt Schwerin und Dobbertin. „Wir haben ein ganzes Programm geschnürt, so dass sie viel von der Natur sehen, aber auch Land und Leute sowie ein bisschen Kultur schnuppern können“, sagt Roswitha Preuß und blättert durch eine der Reisemappen, die sie mit viel Liebe zum Detail für jeden Gast angefertigt hat.

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