Kaninchenwerder : Eine Insel – zu viele Interessen?

Naturidylle bietet die Insel Kaninchenwerder im Schweriner See.
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Naturidylle bietet die Insel Kaninchenwerder im Schweriner See.

Ortsbeiräte wollen die Entwicklung Kaninchenwerders voranbringen und holen viele verschiedene Beteiligte an einen Tisch

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09. Mai 2017, 20:45 Uhr

Während die Wassersportler für mehr Anlegestellen auf Kaninchenwerder kämpfen, versuchen die Ortsbeiräte Mueß und Zippendorf, die touristische Entwicklung der Insel zu fördern. Sie holten Denkmalpflege, Naturschutz, Forst, Weiße Flotte und Insel-Verein an einen Tisch. Resultate einer gemeinsamen Sitzung: Sichtachsen scheinen unmöglich. Häufigerer Schiffs-Pendelverkehr ist nicht gewünscht. Die Gaststätte bleibt wie gehabt. Eine Umgestaltung zur Parklandschaft funktioniert vielleicht – in ein paar Jahren.

Für Verwunderung sorgte der zuständige Revierförster Jens-Uwe Richter vom Forstamt Gädebehn: Eine Freischneidung von Sichtachsen, wie von der Stadtpolitik seit Herbst gefordert, werde die Forst grundsätzlich nicht dulden, auf Kaninchenwerder werde Wald nicht bewirtschaftet, nur zweimal im Jahr würden Verkehrssicherungsmaßnahmen vorgenommen.

Einen Eingriff in den Waldbestand würde aber auch die Umgestaltung der Insel nach historischem Vorbild bedeuten, über den die Denkmalpflege aktuell nachdenkt. Kaninchenwerder gehört nämlich zum Residenzensemble. Steffi Rogin, Leiterin des Fachdienstes, sichtet in alten Unterlagen, wie die Insel zu Großherzogs Zeiten ausgesehen hat. Hofgärtner Theodor Klett gestaltete Kaninchenwerder von 1847 bis 1854 zu einer Mischung aus Garten- und Landwirtschaftsflächen mit Rundwegen, Aussichtspunkten und Sitzplätzen. Was heute noch erhalten ist, das soll ein Landschaftsarchitekt erkunden, dann mit alten Quellen abgleichen. Das weitere Vorgehen werde in den Managementplan fürs Welterbe einfließen. Der muss 2022 abgegeben werden.

Eine kurzfristige Maßnahme könnten vielleicht ein breiteres Freizeitangebot und häufigere Anfahrten durch die Weiße Flotte sein, schlug der Ortsbeirat vor. Doch ein Anlegen an der Insel werde von Touristen kaum gewünscht, so Christian Getz, Geschäftsführer der Weißen Flotte. Nur 1000 Passagiere brächten die Schiffe pro Jahr auf die Insel – Festwochenende ausgenommen. Urlauber, die mehrere Stunden auf Kaninchenwerder blieben, kämen häufig enttäuscht, gelangweilt, manchmal empört zurück.

Thomas Littwin vom Verbund für Soziale Projekte hatte vor knapp zehn Jahren mit Randy Sämrow das Jugendwerk „Die Insel“ gegründet, um Gaststätte und Tourismus zu beleben und gleichzeitig Jugendlichen in schwierigen Lebenslagen zu helfen. Die Gaststätte ist zwar generalüberholt und wird bewirtschaftet, zum gewünschten Renner mit Kleinkunstprogramm hat sie sich aber nicht entwickelt. Auch eine Arche-Landwirtschaft ist nicht entstanden. Neben dem Gaststätten-Pächter gibt es heute einen Angestellten, der auf der „Insel der Chancen“ mit sechs Jugendlichen arbeitet. Immerhin: Ein neuer Flyer ist erstellt, beworben werden Projekttage für Schüler, Feriencamps sowie Familien- und Betriebsfeiern. Hinüber zur Insel geht es dann im kleinen blauen Boot, das jetzt die Insel-Mitarbeiter nach Kaninchenwerder bringt.

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