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Geschäftsführer von Post Schwerin im Gespräch : "Eine existenziell bedrohliche Lage"

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Vor vier Wochen trat Friedrich Diestel das Amt des Geschäftsführers der Post Schwerin Handball-Bundesliga GmbH an. Unser Redakteur Timo Weber sprach mit ihm über die wirtschaftliche Lage des Vereins und dessen Zukunft.

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erstellt am 07.Aug.2012 | 08:27 Uhr

Vor vier Wochen trat Friedrich Diestel das Amt des Geschäftsführers der Post Schwerin Handball-Bundesliga GmbH an. SVZ-Regionalleiter Timo Weber spricht mit ihm über die wirtschaftliche Lage des Vereins, die Suche nach Sponsoren und die Zukunfts-Pläne.

Post Schwerin im Umbruch: Sie sind neuer Geschäftsführer, sechs Spieler wurden neu geholt, viele Sponsoren sind unzufrieden. Das klingt nach viel Arbeit für Sie. Ist das so?

Diestel: In den vergangenen Wochen habe ich viele Interna aufarbeiten müssen, vor allem um zu wissen, wie wir wirtschaftlich aufgestellt sind. Ich habe zahlreiche Sponsorengespräche geführt und auch mit der Mannschaft geredet. Da blieb natürlich wenig Zeit übrig. Aber wir brauchen diese Transparenz, um Vertrauen zurückzugewinnen - bei den Fans, unseren Sponsoren und bei denen, die wir noch als Unterstützer unseres Vereins gewinnen wollen. Der sportliche Bereich ist gut bestellt. Wir haben hungrige Spieler. Ich bin froh, dass ich hier nicht aktiv werden muss.

In der Vergangenheit gab es immer wieder Probleme mit den Gehaltszahlungen. Bekommen die Spieler jetzt pünktlich ihr Geld?

Ich glaube, ich konnte mir einen umfassenden Überblick bis in das letzte Schubfach und bis zur kleinsten Zahl verschaffen. Und leider sind bereits Gelder der bevorstehenden Saison in der alten verbraucht worden. Darüber hinaus gab es bis Anfang Juli keine Initiativen, um neue Sponsoren zu gewinnen. Wir haben eine existenziell bedrohliche Lage. Das war mir vorher nicht in dieser Gewalt bewusst. Wir haben alles eingeleitet, um die Situation zu verbessern. Aber ich kann die Frage noch nicht konkret beantworten. In meiner Amtszeit gab es erst eine Gehaltszahlung. Und die kam fast pünktlich.

Sie müssen also neue Geldgeber gewinnen und die bisherigen zum Weitermachen ermutigen, um den Verein zu retten?

Die bisherige Mentalität, Summen über das vereinbarte Sponsorenbudget hinaus zu erbetteln, hat leider dazu geführt, dass bei vielen die Bereitschaft aufgebraucht ist, neues Geld zu geben. Ich gebe allen Sponsoren recht, die ein schlechtes Bauchgefühl haben, wenn sie mit mir über Geld reden. Schließlich wollen Sponsoren auch für sich einen Mehrwert generieren. Doch ihnen wurde eher vermittelt, der SV Post sei ein Fass ohne Boden. Wir beginnen jetzt Planungen zu machen, Ideen und Marketingstrategien zu entwickeln. Ich habe das Gefühl, das kommt bei den Sponsoren an und sie geben mir eine Chance. Und ich führe natürlich auch Gespräche mit potenziellen Geldgebern bundesweit. Schließlich spielen wir in der Handball-Bundesliga. Es gibt erste positive Anbahnungen, aber auch Absagen.

Wenn es finanziell so problematisch ist, warum leistet sich Post dann mit Holger Schneider und Ex-OB Norbert Claussen gleich zwei Berater?

Norbert Claussen ist Berater des Hauptgesellschafters. Holger Schneider so wie alle anderen Berater bringen sich ehrenamtlich ein.

Wird der SV Post denn finanziell die Saison überstehen?

Wenn Ergebnisse aus den Sponsoren-Gesprächen vorliegen, lässt sich diese Frage beantworten. Der Deutsche Handballbund ist informiert, es gab ja auch Lizenzauflagen für uns. Wir führen tagesaktuelle Liquiditätspläne, was es bisher überhaupt nicht gab. Und wir haben endlich alle erforderlichen Managementwerkzeuge, die zu einem Unternehmen gehören.

Haben Sie sich eine Frist gesetzt?

Vor dem Saisonstart am 5. September müssen wir Klarheit haben, um zu reagieren. Natürlich haben wir für verschiedene Szenarien schon verschiedene Pläne in der Schublade. Aber noch mal: Wir müssen erst die Gespräche abwarten.

Fühlen Sie sich angesichts der jetzt erst vorliegenden Fakten eigentlich veralbert, unter falschen Vorzeichen nach Schwerin geholt worden zu sein?

Nein. Die Leute, die mich geholt haben, haben auch alles gesagt, was sie wussten.

Natürlich müssen Sie jetzt alle Energie in die Zukunft richten, um den Verein zu stabilisieren. Wird es mit Ihnen dennoch auch eine Aufarbeitung der Fehler und Versäumnisse der Vergangenheit geben?

Sie können mir glauben, damit habe ich mich in vielen kurzen Nächten intensiv beschäftigt. Wenn es weiterhin die Rückendeckung vom Verein und den Gesellschaftern und den Sponsoren gibt, wie ich sie jetzt spüre, dann werde ich eine Aufarbeitung - in welcher Form auch immer - begleiten.

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