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Zeitung für die Landeshauptstadt

24. November 2017 | 10:31 Uhr

Schweriner Geschichte : Eine Chronik zum Geburtstag

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Elke Steinhausen hat die Geschichte des Dwangs aufgeschrieben und sucht einen Verleger / Siedlung wird im Juli 80 Jahre alt

svz.de von
erstellt am 09.Feb.2017 | 12:00 Uhr

Der Dwang. Eine kleine Halbinsel im Ostorfer See. Momentan wohnen dort 131 Personen. Eine davon ist Elke Steinhausen, die über ihre Heimat eine Chronik geschrieben hat. Nun sucht sie einen Verleger. Denn im Juli feiert die Siedlung auf dem Dwang ihren 80. Geburtstags, ein passendes Ereignis für die Veröffentlichung seiner Geschichte.

Vor ungefähr 14 Jahren hat Elke Steinhausen begonnen, über ihren Wohnort zu recherchieren. „Ich habe mich davor viele Jahre mit Familienforschung beschäftigt“, erzählt sie. Ein Freund aus Hamburg habe sie dann gefragt, ob sie nicht mal etwas über den Dwang schreiben möchte. „Über die Halbinsel gibt es einfach nichts.“

Das passt gut, denn die Schwerinerin ist auf dem Dwang geboren, gegenüber ihres jetzigen Wohnhauses aufgewachsen. Also fing sie an zu forschen, in den Archiven zu graben und mit den älteren Dwang-Bewohnern zu sprechen. „Im Landeshauptarchiv habe ich überhaupt nichts gefunden“, sagt die Autorin. „Im Stadtarchiv ist die erste Akte über die Halbinsel aus dem Jahr 1690.“ Damals hieß der Dwang noch „Zwang“ und wurde als „rauer Ort“ bezeichnet. Doch sie fand auch heraus, dass Herzog Johann VII. bereits ein Jahrhundert vorher, 1587, vertraglich die Jagd auf dem Zwang regelte. Mit diesem Datum beginnt die Chronik, die eine abwechslungsreiche Vergangenheit eines Ortes beschreibt, der oft vergessen wird. „Doch man darf den Dwang nicht losgelöst sehen, er ist ein Teil der Stadt“, so Elke Steinhausen.

Mittlerweile hat sie 14 Aktenordner mit Material gefüllt, 78 A-4-Seiten mit Ergänzungen aber noch ohne Bilder umfasst die Chronik mit dem Titel „Der Dwang. Die Geschichte der kleinen Halbinsel im Ostorfer See“ bisher. Die Bilder hat sie von Bewohnern bekommen. „Eine Familie hat sogar jede Phase der Bebauung der Halbinsel fotografiert und mir die Bilder überlassen“, erzählt Elke Steinhausen.

1937 ist die Wohnsiedlung entstanden, 57 Einfamilienhäuser hat die Wohnungsgenossenschaft „Selbsthilfe“ bauen lassen, sechs weitere sind nach der Entstehung der Siedlung errichtet worden. Die 63 Häuser stehen noch heute auf dem Dwang. „Auch der Architekt der Häuser, Franz Theisen, hat hier gewohnt“, so die Schwerinerin.

Während des Zweiten Weltkrieges wird eine Kommandostelle für die Flugzeugabwehr errichtet. Als dann die Russen den Dwang besetzten, mussten die Bewohner ihre Häuser verlassen, ein Schlagbaum regelte den Zugang. „Das waren chaotische Zustände“, erinnert sich Elke Steinhausen. Ein Konsum und ein Kulturraum sorgten später für Gemeinschaft unter den Bewohnern, beides ist mittlerweile leider wieder verschwunden.

Im Juli wird die Heimat von Elke Steinhausen nun 80 Jahre alt. Da wäre die Chronik ein passendes Geschenk, doch bisher war die Suche nach einem Verleger vergeblich. „Vielleicht meldet sich ja noch jemand, das würde mich freuen“, so die Autorin. Gefeiert werde aber auf jeden Fall auf dem Dwang.


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