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Schweriner Schlossfestspiele : Eindrucksvolle Nabucco-Premiere

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Jubel und Begeisterung zur Opernpremiere der Schlossfestspiele 2014 auf dem Alten Garten in Schwerin

Die Aufführung der Oper „Nabucco“ bei den diesjährigen Schlossfestspielen Schwerin markiert vermutlich nicht nur schlechthin den Beginn eines neuen Zyklus von Verdi-Opern auf dem Alten Garten, sondern auch einen Qualitätssprung in der musikalischen Darstellung der Open-Air-Aufführungen. Zur Premiere am Freitagabend saßen die Musiker der Mecklenburgischen Staatskapelle noch immer in der akustiklosen Unterbühne ohne direkte Beziehung zu den Sängern. Doch gelang es der elektronischen Übertragung nunmehr, den Orchesterklang räumlich auf die Bühnenmitte zu projizieren und die Stimmen der Solisten stets genau dort hörbar zu machen, wo sie tatsächlich sangen.

Zudem bekam der Klang eine derartige Brillanz, dass er unter freiem Himmel wie eine Studioaufnahme wirkte. Sogar Feinheiten wie das Atmen der Sänger oder das Geräusch der Streicherbögen auf den Saiten wurden hörbar. Dem stellte sich der Chefdirigent und endlich offiziell bestellte GMD Daniel Huppert mit der Kapelle in einer sorgfältig vorbereiteten und exzellent verwirklichten Aufführung. Welch eine Klarheit in der Gestaltung, welch eine Akkuratesse in Rhythmus und Artikulation! Nichts ging dabei an dramatischer Spannung verloren. Im Gegenteil: Alles diente einem fesselnden und dramaturgisch gut geführten Ablauf.

Opernchor, Rachwal-Chor, Singakademie und Jugendchor des Goethe-Gymnasiums zogen am selben Strang. In der Einstudierung von Chordirektor Ulrich Barthel entwickelten sie einen sehr ebenmäßigen Klang. Trotz vielerlei Bewegung auf der Bühne gelang den Chören eine frappierende musikalische Präzision, die erheblich zur Gesamtwirkung der Geschichte beitrug.
Die Story der Oper erzählt von der babylonischen Gefangenschaft der Hebräer unter Nebukadnezar, vom Glaubenskampf zwischen den Anhängern des Gottes der Juden und denen Baals sowie von der Wandlung des gottgleichen Despoten Nabucco durch eine Periode des Wahnsinns hindurch zum Verehrer Jehovahs, der den Hebräern die Freiheit wiedergibt. Der Regisseur Georg Rootering, in Schwerin bereits durch seine Onegin-Inszenierung bekannt, konzentriert sich auf diese Hauptstränge der Geschichte. Die Bühnen- und Kostümbildnerin Romaine Fauchère stellt ihm dazu zwei groß dimensionierte Welten gegenüber: blau den babylonischen Herrschaftsbereich, gold-ocker den Tempel Salomons. Großartig, wie Rootering die Solisten in diese riesigen Entfernungen ausspannt, ohne dass die Beziehungen zwischen ihnen verloren gehen. Der Freiheitschor als statisches Bild (musikalisch eindrucksvoll!), das Umhertreiben der in Netzen eingepferchten Juden und die furchtbare Unentrinnbarkeit des Todesmarsches der Hebräer – das sind die markantesten Punkte seiner eindrucksvollen Bildfindung.

Neben hervorragenden Stimmen aus dem eigenen Ensemble des Staatstheaters stehen wieder international bekannte Solisten auf der Bühne. Zur Premiere wuchs Bastiaan Everink in der Titelrolle aus dem Wahnsinn he-raus als gewandelter Herrscher zu stimmlicher und darstellerischer Größe. Als Abigaille spielte die russische Sopranistin Taisiya Ermolaeva souverän deren Machtbesessenheit vor und beherrschte auch mit ihrer Stimme die Bühne, wenngleich nicht immer intonationsrein. Hervorragend in Stimme und Spiel Wieland Satter als Oberpriester Zaccaria. Itziar Lesaka und Jason Kim auf Seiten der Hebräer, Sebastian Kroggel als Oberpriester des Baal. Das Publikum applaudierte lange voller Begeisterung. Dass die Darsteller den 3. Akt in Regenpelerinen beginnen mussten, war da schon fast wieder vergessen.



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