Girls’ Day in Lübesse : Einblicke in technische Berufe

Wer einen Reifen wechseln will, muss zuerst die Radmuttern lösen. Vanessa Dau versucht es hier mit Hilfe des Fuhrparkkeiters der Firma Theuer, Frank Semler.
Wer einen Reifen wechseln will, muss zuerst die Radmuttern lösen. Vanessa Dau versucht es hier mit Hilfe des Fuhrparkkeiters der Firma Theuer, Frank Semler.

Schülerinnen der Rastower Regionalschule schnupperten in den Arbeitsalltag bei der Firma Transporte & Logistik Theurer in Lübesse hinein.

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24. April 2015, 16:00 Uhr

Gespannt schaut Vanessa Dau  zu, wie  Raik Wegner eine Radmutter am Autoreifen löst. Für den  angehenden  Mechatroniker  der Firma Transporte & Logistik Theurer  in Lübesse ist das kein Problem. Danach probiert es  die  Neuntklässlerin  der  Rastower Regionalschule.  Sie ist überrascht: Der Schlagschrauber  liegt ungewohnt in der Hand.   Fuhrparkleiter  Frank Semler  hilft.  

In der Werkstatt probierten gestern  14 Schülerinnen aus Rastow und eine Schülerin aus Grabow, einen Autoreifen zu wechseln. Sie nahmen am Girls’ Day teil, der Mädchen mit typischen Berufen aus der Männerdomäne bekannt machen soll.  Vanessa findet das Anliegen gut, weiß aber, dass Mechatroniker nichts für sie wäre. Die 16-Jährige möchte  später eher   im Bereich der Altenpflege   oder als Erzieherin arbeiten.  Ähnlich ist es bei Annemarie Malethan. Die Achtklässlerin lenkte auf dem Firmengelände  einen Gabelstapler. Er kann 1000 Kilogramm   heben.  Bevor sie  mit dem Stapler Paletten  transportierte, machte Ulf  Neutmann von der Firma Jungheinrich sie mit der Technik vertraut. „Ach, das hat schon Spaß gemacht“, sagt der  14-Jährige. Sie war  ein bisschen  unsicher, gibt sie zu.  Für die Berufswahl werde Technik dieser Art für sie keine Rolle spielen. Sie wolle  einen Beruf lernen, der etwas  mit Kindern zu tun hat, erzählt sie.

An drei Stationen konnten sich die Schülerinnen in technischen Berufen  testen.   Sie  sahen sich  in der Lagerlogistik und  in der Kfz-Werkstatt um. Zudem durften sie   ein kleines Fahrtraining im Auto absolvieren. Mirko Theurer, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens, hatte  die   Schülerinnen  ermuntert,  sich Einblicke  in das  Unternehmen zu verschaffen. 

 In der Lübesser Firma  fand die Auftaktveranstaltung  für den Landkreis Ludwigslust-Parchim statt.  Landrat  Rolf Christiansen betonte, dass junge Leute  für die Ausbildung nicht mehr  zwangsläufig   ihre  heimische  Region verlassen müssen. Denn  es  gäbe auch hier viele Unternehmen, die Berufe  der  verschiedensten Art anbieten. Und solch ein Girls’ Day trage dazu bei, dass Mädchen  Berufe kennen lernen, die nicht unbedingt frauentypisch, aber  durchaus gefragt  sind. 

Zwischen der Rastower Schule und dem Lübesser Unternehmen besteht eine Kooperation.   Schüler absolvieren hier  ihr Praktikum, sie übernehmen die Pflege von Grünanlagen oder können Ferienjobs   machen. Im Gegenzug hilft die Firma mit Transporten bei Klassenfahrten etc., informiert Kundenbetreuer Andy Kaul.

Im gesamten Landkreis  stellten gestern zum  Girls’ Day  mehr als 60 Firmen, Vereine und Verbände mehr als 400 Plätze für interessierte Mädchen zur Verfügung. „Angesichts deutlich zurückgegangener Schulabgängerzahlen und  älter werdender Fachkräfte ist der Wettbewerb um Berufsnachwuchs in vollem Gange“, sagte Heidrun Dräger, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises. „Das bietet  Mädchen  deutlich attraktivere Berufschancen als bisher.“

Andreas Kagel,  Kontaktlehrer  der  Rastower Schule,  gab den Hinweis,  künftig den Girls’ Day   mit dem Jungs-Tag, der in MV im Herbst stattfindet,  zusammenzulegen. Die Rastower Schule plädiere dafür, Gleichstellungsbeauftragte   Dräger dagegen:  Die Trennung   sei so gewollt   und es gäbe  damit gute Erfahrungen.

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