am Pult : Ein Wiener schwingt den Taktstock

Premiere beim Sinfoniekonzert: Erster Kapellmeister Gregor Rot.
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Premiere beim Sinfoniekonzert: Erster Kapellmeister Gregor Rot.

Erster Kapellmeister Gregor Rot dirigiert das 2. Sinfoniekonzert der Mecklenburgischen Staatskapelle Schwerin im Großen Haus

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22. November 2014, 16:00 Uhr

Erstmals steht bei einem Sinfoniekonzert der junge Wiener Gregor Rot, seit 2013 Erster Kapellmeister der Mecklenburgischen Staatskapelle, am Pult. Am Montag, Dienstag und Mittwoch entführt er das Publikum mit Franz Schuberts Ouvertüre zum Melodram „Die Zauberharfe“ in die farbenfrohe Welt des Theaters.

Ausdruck glücklicher Musizierlust ist Josef Haydns 1. Cellokonzert, das insbesondere die gesanglichen Qualitäten des Soloinstruments zum Tragen bringt und seinen Part dialogisch mit dem Orchester verzahnt. Interpretiert wird es von der 25-jährigen Cellistin Janina Ruh.

Ein einzigartiges sinfonisches Debütwerk komplettiert das Programm: Die 1. Sinfonie von Dmitri Schostakowitsch, deren Mischung aus musikalischem Übermut und kompositorischer Souveränität 1926 die Musikwelt verblüffte.

„Schostakowitsch ist der wichtigste Sinfoniker des 20. Jahrhunderts“, sagt Gregor Rot ernst. „Und die 1. Sinfonie ist eines seiner persönlichsten Stücke. Seine Identifikation mit der politischen Situation ist spannend“, erzählt Schwerins Erster Kapellmeister im feinsten, melodischen Wienerisch und bewegt dabei rhythmisch die Hände, als dirigiere er auch diese Unterhaltung.

Gregor Rot wirkt sehr jung. Dabei ist der Familienvater zumindest musikalisch ein alter Hase. In Wien geboren, studierte er zunächst Gesang und Cembalo, dann Ensembleleitung und schließlich Dirigieren an der Konservatorium Wien Privatuniversität. Bereits im ersten Studienjahr übernahm er die musikalische Leitung der jährlichen Operettenproduktion der Privatuniversität und sprang bei den Sommerfestspielen Röttingen (Franken) ein, wo ihm im Jahr darauf die musikalische Leitung übertragen wurde. Nach seinem Diplom führten ihn erste Engagements zum Schönbrunner Schlossorchester, zum Leipziger Sinfonieorchester sowie als Assistent an die Opéra national du Rhin in Strassbourg.

Seine Theaterlaufbahn begann Gregor Rot am Südthüringischen Staatstheater Meiningen als Repetitor mit Dirigierverpflichtung. Nach zwei Jahren stieg er zum 2. Kapellmeister auf. Seit 2013 ist Gregor Rot 1. Kapellmeister am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin und leitete hier die Premieren von „Dead Man Walking“ und „Die verkaufte Braut“ sowie Repertoirevorstellungen u.a. von „La Bohème“, „Eugen Onegin“, „Nabucco“ und „Die Csárdásfürstin“.

Nach Schostakowitsch folgt in den drei Aufführungen des Sinfoniekonzertes Haydn. „Das passt sehr gut“, sagt Gregor Rot. „Schließlich ist er einer der größten Sinfoniker überhaupt.“ Schon wieder ein Superlativ. Den nutzt der Dirigent sehr gern, wenn es um die großen Komponisten geht. In anderem Zusammenhang hört man sie von ihm nicht.

Ja und dann eben Schubert. Den habe er sich für das Sinfoniekonzert gewünscht, sagt der Wiener. „Er ist der Komponist, der mir im Opernalltag am meisten fehlt“, konstatiert Gregor Rot. Fast schon wieder ein Superlativ. Schuberts zitathafte Anspielungen, das Collagieren bekannter Charaktere wie Marsch oder Walzer, der lakonische Tonfall und überraschende Klangeffekte charakterisierten dieses geniale Werk als gewitzte Karikatur klassischer Sinfonieideale. „Als Wiener gefällt mir das besonders gut“, bilanziert Gregor Rot.

Dass er erst in seiner zweiten Schweriner Spielzeit ein Sinfoniekonzert geben dürfe, hätte im Übrigen lediglich mit der Planung zu tun, wenngleich diese Konzerte „natürlich in erster Linie Chefsache sind“. Und über die Zwischenstation Schwerin will er da auch einmal hin – in die Verantwortung eines Generalmusikdirektors. Bis dahin gäbe es aber noch eine Menge anderer Karrieresprünge. Die Aufgabe eines einfachen Kapellmeisters an einem großen Haus wie der Dresdner Philharmonie beispielsweise wäre für ihn ein großer Karrieresprung. Bis dahin steckt der Dirigent aber alle Energie ins Schweriner Theater, wo er im Juni vergangenen Jahres seinen Vertrag unterschrieben hatte, als die Spielzeit 2013/14 längst geplant war.

So feiert er am Montag seine Sinfoniekonzert-Premiere in Schwerin. Im Gegensatz zum Musiktheater, wo sich der Dirigent mit Bühne, Licht und Sängern abstimmen muss, hat er beim Sinfoniekonzert Raum für eigene Inspirationen, wenn er „die Stücke erarbeite“, sagt Gregor Rot. Das sei aber auch das Einzige. Ob „Dead Man Walking“ oder Schostakowitsch – an die Aufführungen denke er erst, wenn alle Vorarbeiten und Proben schon vorbei seien. Als verstünde er die Frage nicht, ob denn nicht das Herangehen anders wäre, wenn junge Leute wie zu „Dead Man Walking“ kommen als bei Klassikern, die Theater-Profis anziehen, schaut Gregor Rot leicht irritiert. Dann dirigieren wieder sanft seine Hände, als er sagt: „Ich mache meine Arbeit doch für das Publikum, einerlei, wer da drin sitzt.“ Als würde er erst jetzt die Naivität der Frage erkennen, lächelt er und legt den Kopf etwas schief. „Und am liebsten ist mir, wenn die Schulklasse auch zu Beethoven kommt.“ Oder eben am Montag zu Schostakowitsch, Haydn und Schubert.

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