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Zeitung für die Landeshauptstadt

12. Dezember 2017 | 13:17 Uhr

Hut ab : Ein Senior unterstützt die Senioren

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In Dobin am See kümmert sich Georg Brandt um die Belange der älteren Menschen – und will auch die „Generation 55 plus“ ins Boot holen

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erstellt am 05.Sep.2014 | 14:00 Uhr

Es war nur ein kurzer Moment, der das ganze Leben komplett auf den Kopf stellte. Herzinfarkt. Unzählige Krankenhausaufenthalte folgten, Stends setzen, damit die Gefäße offen bleiben und dazu der ständige Kampf gegen zu viel Blutfett. „Plötzlich war alles anders“, sagt Georg Brandt. Auf den ersten Blick ist dem 55-Jährigen nicht anzusehen, dass er schon seit vielen Jahren schwer krankt ist. Das Arbeiten als Verlagsleiter bei einer Zeitung in Wismar musste er aufgeben. Die Kraft fehlte. Schlaf, den fordert der Körper ständig ein. Kaum mehr Sport zu treiben, viel weniger an Haus und Hof zu werkeln als früher, langsamer zu sprechen, um Aufregung zu vermeiden. „Das alles zu akzeptieren, das war für mich am schwierigsten“, sagt Georg Brandt. Der zweifache Familienvater aus Alt Schlagsdorf hat es akzeptiert und eine Aufgabe gefunden, die er in Einklang bringen konnte mit seiner Krankheit und dem Drang, etwas machen zu können. Georg Brandt ist seit vier Jahren ehrenamtlicher Seniorenbeauftragter in der Gemeinde Dobbin am See.

Als jetzt die neue Gemeindevertretung zusammen kam, da wurde Georg Brandt gefragt, ob er den Posten auch für die kommenden fünf Jahre besetzen möchte. Brandt wollte – und es gab Applaus. „Seit ich dieses Amt ausübe, habe ich viele Menschen kennen gelernt, die Spaß am Leben haben“, sagt der gelernte Kfz-Schlosser, der später Gesellschaftswissenschaften studierte. Lebensfreude, die habe er, so Brandt, durch seine Arbeit auch zurückbekommen.

Und die Arbeit ist vielfältig in einer Gemeinde mit neun Ortschaften und rund 2000 Einwohnern, von denen jeder Fünfte bereits über 60 Jahre alt ist. „Und die Zahl der Älteren wird in den kommenden Jahren drastisch steigen“, sagt Brandt, der sich auf die Ergebnisse der Haushaltsbefragung „Mikrozensus“ beruft.

Als Seniorenbeauftragter ist Georg Brandt Bindeglied zwischen Gemeindevertretung und den Senioren. Und bei dieser Arbeit unterstützen ihn zwölf Seniorenhelferinnen. „Das sind die guten Seelen“, sagt der in Lenzen an der Elbe geborene Brandt. Weihnachtsfeiern oder Tagesausflüge organisieren, Geburtstagsgeschenke basteln und diese persönlich bei den älteren Jubilaren vorbeibringen, die einen runden Geburtstag feiern, Unterstützung bei Erntefesten und Gesprächsrunden zu verschiedenen Themen nebst Gastrednern planen – zu tun gibt es genug. Spielenachmittag, Kegelgruppe, Entspannungsgymnastik – in der Gemeinde, die die Räume kostenlos zur Verfügung stellt, gibt es einige Angebote für Senioren. Doch was sind eigentlich Senioren?

„Mit dieser Frage habe ich mich auch länger beschäftigt“, sagt Georg Brandt. Senioren, damit seien meistens die Menschen im klassischen Rentenalter gemeint. „Aber der Begriff Senioren wird in Deutschland auch schon bei Menschen um die 55 angewandt“, sagt der Seniorenbeauftragte. Und genau da möchte er ansetzen und eine zweite Säule der Seniorenarbeit in Dobin am See aufbauen. Brandt weiß, dass sich viele Menschen zwischen 55 und 60 noch nicht gerne damit befassen, was in zehn oder fünfzehn Jahren ist. Brandt: „Aber es ist wichtig, rechtzeitig Mitstreiter zu finden, die für sich selber akzeptieren, dass auch sie ins Rentenalter kommen werden.“ Welche Infrastruktur muss in einer Gemeinde aufgebaut werden, wenn es immer mehr ältere Menschen geben wird? Was für Angebote können gemacht werden, wie können sich jüngere Senioren einbringen, um älteren Senioren zu helfen? Wie sieht es mit der Mobilität aus? „Diese Fragen können in Gesprächsrunden diskutiert werden“, so Brandt, der sich zudem wieder einen Seniorenbeirat auf Amtsebene wünscht. Dieser hätte den Vorteil, dass unterschiedliche Erfahrungen ausgetauscht werden könnten.

Georg Brandt hat sich viel vorgenommen – und teilt seine Kräfte ein. Etwas Zeit zum Pilzesuchen hat er auch. Wenn er es langsam angehen lässt, dann macht sein Körper das auch mit. In diesen Tagen hat er Maronen gefunden, die er zu einem Pilzgericht verarbeiten möchte. Trotz, oder gerade wegen der Krankheit, Brandts Motto lautet: Genieße jeden Tag. Das versucht er – und dabei gibt ihm auch das Ehrenamt eine große Portion Kraft.

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