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Zeitung für die Landeshauptstadt

19. November 2017 | 00:25 Uhr

Crivitz : Ein seltener Gast im Forst

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Spaziergängerin findet Tintenfischpilz und stößt damit auf eine Rarität

svz.de von
erstellt am 29.Jul.2017 | 12:00 Uhr

Er schlüpft aus einem „Hexenei“. Wenn er herauswächst, bekommt er einen tintenfischartigen, kräftig roten mit dunkel olivgrüner Sporenmasse besetzten Fruchtkörper. Die tentakelähnlichen Arme neigen sich immer mehr der Erde zu und liegen schließlich auf. Die Rede ist vom Tintenfischpilz – lateinisch auch „Clathrus archerie“ genannt.

„Diese Pilzrarität ist mir beim Spazierengehen auf dem Waldweg im Eichholzer Forst bei Crivitz aufgefallen. Ich war mit dem Hund unterwegs und hätte den Pilz beinahe übersehen. Aber dann habe ich ihn doch wahrgenommen, weil er so ungewöhnlich aussieht“, erzählt die Leserin, die gerne anonym bleiben möchte. Ihren ungewöhnlichen Fund hat sie fotografiert und der Redaktion geschickt, verbunden mit der Frage: „Wo kommt dieser Pilz denn noch vor? Ich habe gelesen, dass er ursprünglich aus Australien kommt“. Und in der Tat ist der rote Pilz ein „Zugereister“. „Wir haben in MV einige Gebiete, in denen er vorkommt. Es ist eine vermutlich aus Australien eingeschleppte Art, die über die Vogesen nach Deutschland kam“, erklärt Petra Bonin, Expertin der Nabu-Fachgruppe für Pilze. Tatsächlich solle es erste Funde 1914 in den französischen Vogesen gegeben haben, in Deutschland wurde die wundersame Pilzart wohl erstmals 1938 im Schwarzwald gesehen. Sie bewertete den Fund durchaus als interessant und machte sich die Mühe, im Datenprogramm der Deutschen Gesellschaft für Mykologie weitere Fundorte in MV herauszufinden. Der Tintenfischpilz ist bereits 1960 in der DDR aufgetreten. Zuerst im Süden, aber seit 1977 auch im Norden an der Ostseeküste. Es gibt Fundpunkte 1977 bei Rostock, 1988 bis 2010 wurden Funde in Schwerin gemeldet, 1993 im Staatsforst Stavenhagen, 1997 bei Wismar, aber auch 2011 wurde er in Prerow, in der Nähe von Zingst, entdeckt.

„Durch die Klimaveränderung werden es wohl immer mehr Stellen, wo wir ihn finden könnten. Denn der Tintenfischpilz liebt es warm“, so Petra Bonin. In Mecklenburg-Vorpommern sei er immer noch „sehr selten“, in den südlichen Bundesländern, zum Beispiel Thüringen, kommt er schon häufiger vor. Die Fachfrau wolle der Sache nun genauer nachgehen und den Fundort bei Crivitz ebenfalls in die Datenbank einpflegen. Einen Hinweis gibt es noch: Der Tintenfischpilz ist wohl nicht essbar, weil ungenießbar.

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