zur Navigation springen
Zeitung für die Landeshauptstadt

14. Dezember 2017 | 22:06 Uhr

Gädebehn : Ein Schutzzaun gegen den Biber

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Gut 80 Weißtannen hat der Nager am Nordhang zur Warnow bereits auf dem Gewissen – Drahtmaschen sollen den Nachwuchs retten

von
erstellt am 22.Aug.2017 | 21:00 Uhr

Einmal haben die Förster es durchgehen lassen, doch nun ist Schluss: Die Weißtannen am Nordhang zur Warnow im Gädebehner Revier werden jetzt geschützt. Und zwar vor dem Biber. Gestern haben die Mitarbeiter der Güstrower Preußen Forst die Pfähle in die Erde gerammt und auch den Knotengeflecht-Zaun festgezurrt. „Wir verankern ihn zudem in jedem Feld mit Heringen und ziehen ihn so in den Boden, dass der Biber nicht mehr durchkommt“, erklärt Sergi Schiffmann. Gemeinsam mit seinem Kollegen Andy Zibell hat er das gut einen halben Hektar große Areal umzäunt. Des Öfteren haben die Männer in der Vergangenheit Aufträge wie diese bekommen. „Wir haben sozusagen Erfahrung in Sachen Schutzzaun gegen den Biber“, schiebt Andy Zibell hinterher, greift in den grobmaschigen Draht und zieht noch einmal auf Kommando seines Kollegen kräftig an.

Forstamtsleiter Ingo Nadler ist zufrieden mit den ersten Ergebnissen: „Es sollte ausreichen, um den Biber fernzuhalten – und auch das restliche Wild.“ Denn für die vierbeinigen Waldbewohner seien die jungen Weißtannen, die sich selbst gesät haben, wie ein „frisches Salat-Buffet“.

Dass die 110 Jahre alten Weißtannen nun nicht mehr das Bild am Nordhang prägen, findet Nadler sehr bedauerlich. „Sie gehören zwar nicht typisch in diese Region, doch wir hatten uns schon sehr an ihre Schmuckwirkung gewöhnt und waren mächtig erschrocken, als der Biber sie plötzlich mit auf seinen Speiseplan genommen hatte“, erzählt er. Zwar seien nicht alle 80 Bäume entsorgt, sondern teilweise zur Holzgewinnung genutzt worden. „Aber ein Teil war schon sehr trocken und hat nicht mehr die guten Preise erzielt. Und wir wollten sie eigentlich ja auch nicht fällen“, schiebt Nadler hinterher. Immerhin gehöre der Bereich am Nordhang zur Warnow zum Naturschutzgebiet FFH. Nur im Notfall dürften dort Bäume abgenommen werden. „Aber die 80 Stück waren so stark beschädigt und drohten teilweise auf Wege zu fallen, so dass wir sie fällen mussten“, erklärt der Forstamtsleiter. Nur wenige blieben stehen. Schon aus der Ferne ist der Schaden am Stamm bei ihnen zu erkennen. Doch sie dürfen bleiben, sind keine Gefahr.

Um die Tradition der Weißtannen – sie wurden einst extra gepflanzt – wieder zu beleben, haben sich die Forstamtsmitarbeiter nun für die Schutzmaßnahme entschieden. Dass der Plan funktionieren kann, beweise ein nur wenige Kilometer entferntes Weißtannen-Areal. „Wir haben an der Muchelwitzer Straße einen Bereich mit jungen Bäumen vor gut 15 Jahren einzäunen lassen, und die Weißtannen haben sich dort gut entwickelt“, betont Ingo Nadler. Knapp zwei Meter messen die Exemplare inzwischen.

Dass die Gädebehner Weißtannen einmal bis zu 50 Meter hoch in den Himmel ragen wie ihre Artgenossen in den Gebirgen, glaubt er aber nicht: „Wir sind schon zufrieden, wenn sie es hier auf 35 Meter schaffen, doch dann darf uns der Biber eben nicht in die Quere kommen. Deshalb müssen wir auch trotz Maschendrahtzaunes immer ein Auge auf den Bestand haben.“ Denn mit dem Biber an der Warnow müssten sie leben.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen