Neu in Schwerin : Ein Schach-Café wie in Aleppo

Freundliche Gastgeber und Vermittler der geschichtsträchtigen Kultur ihrer Heimat: Najwa Debeh, Rouaa Dardary und Faisal Aljarf stammen aus Syrien.
Freundliche Gastgeber und Vermittler der geschichtsträchtigen Kultur ihrer Heimat: Najwa Debeh, Rouaa Dardary und Faisal Aljarf stammen aus Syrien.

Faisal Aljarf bietet syrische Lebensart, Tradition und Leckereien

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22. Februar 2018, 12:00 Uhr

In der Landeshauptstadt leben Menschen aus aller Welt. Aus ihrer Heimat haben die Zugezogenen nicht nur ihre Sprache und ihre Traditionen, sondern auch ihre Essgewohnheiten mitgebracht. Einige kochen in Restaurants für die Schweriner ihre einheimischen Speisen. Andere bieten in ihren Läden frisches Obst und Gemüse und Waren feil, die es beim Discounter nicht gibt. Heute erzählt Faisal Aljarf aus Syrien.

Ein bisschen versteckt in der Pfaffenstraße liegt das erste syrische Schach-Café Schwerins. „Dar“ heißt es und bedeutet zu Deutsch „Haus“. Die Gäste bekommen hier nicht nur arabischen Tee, Kaffee, fremdländische Süßigkeiten – sie bekommen auch eine warmherzige Einführung in die syrische Lebensweise. Und in die hohe Kunst des Schachspiels. Essen, trinken, einander kennen und verstehen lernen – das ist das Konzept von Faisal Aljarfs gemütlichem Café, in dem auch seine Frau Najwa Debeh mitarbeitet. Eine Küche gibt es hier nicht. Die kleinen Spezialitäten bereitet Rouaa Dardary zu Hause vor. Seit Kurzem gehört auch die studierte Biochemikerin aus Damaskus zum Team. Die Augen der drei Syrer leuchten, wenn sie von ihren Plänen erzählen: Arabisches Fingerfood soll es hier bald geben, mit exotischen Namen wie Kibbeh, Tabouleh, Humus und Baklava. Weinblätter, Granatäpfel, Linsen, Paprika, Joghurt, Bulgur, Olivenöl und viele Nüsse werden verarbeitet. Das „Dar“ bietet einen Catering-Service an, das Lokal kann man für private Feiern mieten.

Seit August hat das Café geöffnet, jeden Tag in der Woche von 10 bis 20 Uhr. Davor liegt die bewegte Geschichte eines Mannes, der Deutschland inzwischen so sehr schätzt wie er Syrien liebt, der im Schlauchboot übers Mittelmeer und zu Fuß über die Balkanroute geflohen ist, um seiner Frau, seiner Tochter und seinem Sohn ein Leben ohne Krieg und Angst zu bieten.

In seiner Heimatstadt Salamieh besaß der heute 37-jährige Faisal Aljarf zwei Apotheken, er beriet Ärzte und Patienten, fuhr zwei Autos. „Alles war toll damals“, sagt er lächelnd. Der Bürgerkrieg änderte alles. Aljarf demonstrierte gegen das Assad-Regime, kam ins Gefängnis. 2015 wagte er sich auf den gefährlichen Weg nach Europa, der seinen Bruder das Leben gekostet hatte.

Im August 2015 erreichte Faisal Aljarf Schwerin, lebte in Stern Buchholz, in Lankow, auf dem Dreesch, brachte sich selbst sehr schnell die neue Sprache bei. Ein deutscher Freund, den er im Paulskeller kennen gelernt hatte, half dabei. „Die Sprache ist der Schlüssel für ein neues Leben“, sagt Faisal Aljarf. Bald arbeitete er als Sprachmittler bei der Awo, dann als Dolmetscher für das Jobcenter. Im Herbst 2016 durften seine Frau und die Kinder nachziehen. Aljarf half mit bei der Gründung einer arabischen Schule, gab Arabisch-Unterricht für Deutsche und brachte Kindern das Schachspielen bei. Als 17-Jähriger war Aljarf nämlich syrischer Schachmeister. Als er herausfand, dass es in Schwerin zu DDR-Zeiten ein Schach-Café am Pfaffenteich gab, war die Idee zu „Dar“ geboren. „Auch in Aleppo, wo ich studiert habe, gab es solche Cafés“, schwärmt der 37-Jährige.

Die „großartige Kultur“ des geschichtsträchtigen Landes Syrien möchten er und seine Mitstreiterinnen den Menschen hier nahebringen, mit Vorurteilen aufräumen und ein Stück der Sonne im Herzen abgeben, die sie aus ihrer warmen Heimat mitgebracht haben. Bei süßem Tee, Gebäck und beim Schach. Bretter gibt es im „Dar“ ganz verschiedene. Jeden Sonntag fordert Faisal Aljarf seine Gäste heraus: Wer gegen ihn im Spiel der Könige gewinnt, bekommt einen Snack gratis.

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