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Zeitung für die Landeshauptstadt

15. Dezember 2017 | 20:49 Uhr

Männerspielzeug : Ein Puppenhaus für Erwachsene

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Wolfgang Salewsky bastelt seit 15 Jahren an einem riesigen Spielzeug – dabei hat er Kontakte in alle Welt geknüpft

von
erstellt am 26.Feb.2015 | 12:00 Uhr

Ein Puppenhaus als Lebenswerk: Wer bei Wolfgang Salewsky ins Wohnzimmer tritt, der ist zuerst einmal beeindruckt von dem offenen Flügel, doch bald fällt der Blick auf das Haus auf der Kommode. Winzige Bewohner und Gäste tummeln sich in Küche, Bad, Esszimmer und im Kinderzimmer, in der guten Stube. Auf dem Dachboden proben „The Lonelies“. „Das ist meine alte Schülerband“, erzählt Wolfgang Salewsky und deutet auf den Gitarristen. Der langhaarige junge Mann soll er selbst sein, so ungefähr im Jahr 1970. Neben der Puppe steht ein E-Piano. „So eine Orgel habe ich mir für 7130 Mark bei Althen und Clausen gekauft“, erinnert sich der Puppenhaus-Bauer. Wenn Salewsky berichtet, wie viel Arbeit, Herzblut, Ideen und weltweite Kontakte in der Miniatur stecken, dann kommt man aus dem Staunen kaum mehr heraus.

Vor 15 Jahren begann der studierte Bauingenieur mit der Arbeit an dem Meisterstück – ein nachgebauter Flügel im Maßstab 1 zu 12 machte den Anfang. Das Geschick, die Geduld und die Leidenschaft hat Salewsky wohl von seinem Vater geerbt: der war nämlich Möbeltischler. Seinem Sohn hat er zu Schulzeiten die Lautsprecherboxen für die Band getischlert, der Sohn hat sie jetzt im Kleinformat original nachgebaut. Die winzigen Metallbeschläge an den Ecken und die Griffe hat ein Metallbauer aus der Nähe von Köln nach genauer Vorlage gearbeitet. Ebenso den zusammenklappbaren Notenständer. Eine Lichtorgel hat Salewsky auf dem Dachboden installiert, aus den Lautsprecher schallen die Originalsongs der „Lonelies“. Natürlich ist das Puppenhaus komplett beleuchtet, die Kabel sind für den Betrachter unsichtbar in den Platten und auf der Rückseite verlegt.

Jeder Raum ist ein Hingucker, jeder Raum hat eine Geschichte, an jedem Raum sind viele Miniaturen-Bastler beteiligt. Die winzigen Porzellanteller und das Silberbesteck im Esszimmer hat Wolfgang Salewsky aus Großbritannien besorgt. Wenn er die Messer und Gabeln auf dem kleinen Tisch im Esszimmer platziert, dann muss der 60-Jährige eine Pinzette benutzen. Die Kugeln am Tannenbaum sind von professionellen Glasbläsern gemacht, die Lichterketten kommen aus Frankreich. Die Mini-Lebensmittel produziert ein Handwerker aus Bayern, die Blumendekoration stammt aus Frankfurt am Main, ein Großteil der Puppen wird in Übersee geordert. „Meine Lieblingspuppenmacherin lebt in den USA“, sagt Salewsky. Mit ihr bespricht er genau die Haltung, die Frisuren und die Kleidung der Miniaturen, die dann extra für ihn hergestellt werden.

Mehr als 30 Puppen bevölkern das Haus, denn dort ist jeden Tag Weihnachten – ein Anlass, an dem gern Besuch kommt, sagt Salewsky, der keine seiner kleinen Figuren missen möchte. Auf dem Frühstückstisch in der Küche liegt die SVZ vom Heiligabend 2014, zwölfmal kleiner als das Original.

Für Erwachsene ist es schwer, sich sattzusehen an diesem Prachtstück mit seinen zahllosen Details. Für Kinder ist es fast unerträglich, die Finger davon zu lassen. Deshalb hat Wolfgang Salewsky auch eine große Glasplatte vor das Haus montiert. Nur einmal war seine kleine Enkeltochter pfiffiger: Sie öffnete die bewegliche „Haustür“ an der Seite und stibitzte den Weihnachtsmann aus dem Flur.

Selbst nach 15 Jahren gibt es immer noch etwas zu tun am Puppenhaus: Das Kinderzimmer soll neu gestaltet werden, mit Piratenbett und Klettermöglichkeiten, verrät Wolfgang Salewsky. Und dann träumt er schon einen neuen Traum: Er würde gerne eine Tischlerei nachbauen. „Die ersten kleinen Werkzeuge habe ich schon.“ Gewerkelt wird übrigens nur in der kühlen Jahreszeit von September bis April, danach geht es in den Garten in der Buchholzallee, den Wolfgang Salewsky ebenfalls liebevoll gestaltet hat. Außerdem steht der Schweriner noch mitten im Arbeitsleben. Und anderthalb Stunden Zeit fürs Musizieren – Klavier, Gitarre, Akkordeon – nimmt er sich auch jeden Tag. Zum Abschied greift er augenzwinkernd zur Gitarre und singt „Nessaja“ von Peter Maffay: „Irgendwo tief in mir bin ich ein Kind geblieben.“

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