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Erst Spieler, dann Schiedsrichter : Ein Profi-Schiri im Fußball-Camp

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Sonnabend war Bastian Dankert noch bei der Partie Werder gegen Hertha im Einsatz, jetzt besuchte er das Pampower Fußball-Camp

svz.de von
erstellt am 02.Feb.2016 | 22:58 Uhr

Sie sind zwischen fünf und 13 Jahre alt, wollen dribbeln, Torschüsse üben und Pässe schlagen. Langeweile in den Winterferien? Für 27 Jungen und zwei Mädchen stellt sich diese Frage nicht, denn sie machen mit beim viertägigen Winter-Camp des MSV Pampow in der Stralendorfer Sporthalle. Gestern war der Auftakt, doch dabei stand nicht nur das Fußballspiel und das Lernen einiger Tricks auf dem Programm. Besuch hatte sich angemeldet. Und der hatte einiges zu erzählen.

„Hast Du schon mal FC Bayern gegen Borussia Dortmund gepfiffen?“ Wem solch eine Frage gestellt wird, der muss einer ganz besonderen Zunft angehören. Der Schiedsrichterzunft. Bastian Dankert ist ein Schiedsrichter. Einer von 22, die derzeit in der Bundesliga Fußballspiele leiten dürfen. Und seit 2014 gehört er sogar zu den zehn deutschen Unparteiischen bei der Fifa, die bei internationalen Spielen eingesetzt werden. Jetzt ist Dankert zu Gast bei den jungen Kickern. Berührungsängste gibt es keine. Dafür Fragen über Fragen. Und Zahlen, die Dankert als Geschäftsführer des Fußballverbandes Mecklenburg-Vorpommern immer parat hat. Etwa 500 Fußballvereine mit rund 55000 Mitgliedern und circa 25000 Aktiven gibt es in MV. „Und 900 Schiedsrichter. Das sind viel zu wenig“, sagt Bastian Dankert. Doch er ist nicht gekommen, um Werbung für das Schiedsrichteramt zu machen. Der gebürtige Schweriner erzählt vielmehr, wie es dazu kam, dass er diesen Weg eingeschlagen hatte. Mit sechs, sagt der heute 35-Jährige, habe er mit dem Fußballspielen angefangen. In Brüsewitz. Als er 16 war, pfiff er außerdem seine ersten Jugendspiele. „Und mit 21 wurde ich gefragt, ob ich lieber Fußball spielen wolle, oder Schiedsrichter sein möchte. Ich habe mich fürs Pfeifen entschieden“, sagt Dankert. Er machte Karriere, stieg Spielklasse um Spielklasse auf. Bis zur Bundesliga. In der Saison 2012/13 pfiff er dort seine erste Partie. „Was war denn das letzte Spiel, dass Du gepfiffen hast?“, lautet eine Frage. Die Antwort: Am Sonnabend, Werder gegen Hertha. „Das ging 3:3 aus. Da war ich im Stadion“, weiß Finn, der sich auch fürs Winter-Camp angemeldet hat und jetzt wie alle anderen jungen Kicker auf Turnbänken sitzt und Bastian Dankert ausfragt. „Waren Spieler schon mal sauer auf Dich. Und hast Du auch schon Fehler gemacht?“ „Bestimmt waren schon Spieler sauer“, ist sich Dankert sicher. Das bliebe auch nicht aus, wenn er Entscheidungen treffen müsse. Und bei dem Spiel Hannover gegen Köln, das die Kölner 0:1 verloren, „da hat ein Hannoveraner das Tor mit der Hand erzielt. Ich habe es nicht gesehen. Das war ein Fehler“, gibt Dankert zu.

Schiedsrichter zu sein, das mache Spaß und sei, so Dankert, eine Berufung. Einmal, erinnert er sich, da hat er als Schiedsrichter sogar mal die gelbe Karte bekommen. Von einem Spieler. Dankert: „Er hat mir die Karte wieder gegeben, die ich auf dem Platz verloren hatte.“ Ein paar Trikots und Autogrammkarten – mit diesen kleinen Geschenken verabschiedet sich der Profi-Schiedsrichter, der die Partie Bayern gegen Dortmund übrigens noch nicht gepfiffen hat. Aber das kann ja noch kommen. Bis Freitag kommen auf die Jugend-Kicker auf jeden Fall noch spannende Trainingseinheiten und ein Futsal-Turnier zu. Langeweile? Gibt’s nicht.

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