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Zeitung für die Landeshauptstadt

16. Dezember 2017 | 06:15 Uhr

Schweriner Schloss : Ein Paradies für wilde Tiere

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die kleinen Geheimnisse des Schlosses – heute: Bienen, Fledermäuse, Schwalben und Füchse fühlen sich wohl vom Keller bis zum Dach

Das Schweriner Schloss ist Wahrzeichen der Stadt und Besuchermagnet für Menschen aus aller Welt. Herrschersitz ist es bereits seit dem 10. Jahrhundert, in den Jahren 1845 bis 1851 wurde es zu dem Märchenschloss umgebaut, das wir heute noch kennen. Seitdem der Großherzog abgedankt hat, waren dort Museen, Büroräume und schließlich die Erzieherschule untergebracht, seit 1990 sitzt hier der Landtag. Schlossfest und Museumsführungen nutzen die Schweriner gerne. Trotzdem gibt es jede Menge Winkel und Bewohner, die nur wenige kennen. Heute: Tiere im Schloss.

Auf dem Dach summen die Bienen, im Vorhof brüten die Schwalben, in der Grotte flattern die Fledermäuse, manchmal verirrt sich ein Wildschwein auf die Augusteninsel oder ein Fuchs an die Nordbastion. Das Schloss scheint ein wahrer Wohlfühlort für Tiere zu sein. Die Landtagsverwaltung sieht das gerne und wirbt auch mit ihren „wilden“ Bewohnern. Die neuesten Schloss-Gäste bringen sogar etwas Süßes mit: Knapp 30 Kilogramm Honig hat das Bienenvolk von Dr. Mirko Lunau auf dem Dach erarbeitet. Die anfängliche Skepsis einiger Schloss-Mitarbeiter ist echter Begeisterung gewichen. Nicht nur, weil es demnächst „Schweriner Schlosshonig“ geben könnte, sondern auch, der leidenschaftliche Imker aus Ahrensboek alle Interessierten gerne über seine Bienen informiert. Die „Beute“, also die Behausung der Bienen, steht direkt neben dem Weg, den auch Besucher bei großen Rundgängen nehmen. Brennendste Frage der Gästeführer: Was tun, wenn eine Biene doch mal sticht? Unbedingt den Stachel rausziehen, dann am besten einen Hitzestift aufsetzen oder Breitwegerichblätter nehmen gegen die Schwellung. Falls jemand allergisch reagiert – mit Luftnot und starkem Zittern –, sofort den Notarzt rufen. Aber: „Warum sollten Bienen ihr Leben opfern und stechen? Das tun sie nur in höchster Bedrohung“, betont Lunau. Wenn sie mal auf einem Menschen landen, wollten sie zumeist nur schnuppern, ob es hier Nektar oder Pollen gibt. Viel lieber erzählt er davon, dass ein Volk mit rund 50 000 Bienen im Sommer etwa zehn Millionen Blüten am Tag besucht und dabei acht Kilogramm Nektar sammelt. Er erklärt den Lebenszyklus einer Biene, die 24 Tage lang Innendienst leisten muss, dann sechs Tage raus in die Natur darf, schwer arbeitet – und danach stirbt. Beim so genannten Einfliegen erstellen Bienen ihre eigene Karte der Umgebung, finden danach auch aus drei Kilometern Entfernung wieder in den eigenen Stock.„Bienen sind auch ein Indikator für die Gesundheit unserer Landschaft“, sagt Lunau und freut sich über den besonders guten Honig-Ertrag in der Landeshauptstadt.

Während der Imker erst seit einem Jahr regelmäßiger Gast im Schloss ist, kommt Fledermaus-Experte Udo Binner schon seit den 70er-Jahren hierher. In der dunklen, feuchten Grotte fühlen sich die fliegenden Säuger wohl, in der Nähe gibt es ausreichend Nahrung. 15 Arten haben Udo Binner und die anderen Fledermausforscher hier entdeckt, vom Großen Abendsegler bis zur Zwergfledermaus.

Im Vorhof des Schlosses haben die Schwalben ihr Übergangs-Zuhause gefunden, während im Innenhof gebaut wird. 70 Nester hat ein Ornithologe gezählt. Kotbrettchen wurden extra angebracht zum Schutz der Umwelt. Die Landtagsmitarbeiter hoffen, dass die Vögel nach Ende der Bauarbeiten in den Innenhof zurückkehren.

Tauben indes gibt es zu viele am Schloss, die werden immer mal wieder vergrämt, also vertrieben. Dazu wird die eigens darauf trainierte trainierte Bussard-Dame Sally eingesetzt.

Lästige Tiere mit natürlichen Feinden zu bekämpfen – das war auch Gang und Gäbe in den frühen 1990er-Jahren. In dieser Zeit lebten viele Katzen im Schloss, die sich an den zahlreichen Mäusen gütlich taten. Dem Fernsehen war das damals einen Bericht wert – und dem Landes-Haushalt einen eigenen Posten für Katzenfutter. Den und auch die Katzen gibt es heute aber nicht mehr.

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