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Zeitung für die Landeshauptstadt

18. Dezember 2017 | 21:39 Uhr

AZUBI GESUCHT : Ein Lehrling ist Mangelware

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Consrader Firma behauptet sich seit Jahrzehnten am Markt, doch ein Auszubildender fehlt dem Betrieb seit fast 20 Jahren

Dass er einmal als Heizungsbauer sein Lebensunterhalt verdient, hätte sich Karl-Peter Elsholt in seiner Jugend nicht vorstellen können. „Ich mochte das Meer und wollte mit Holz arbeiten“, blickt der 76-Jährige zurück. Deshalb hatte er als erstes eine Bootsbauerlehre absolviert“, erzählt Karl-Peter Elsholt. Später habe er dann umgeschwenkt zum Heizungsmonteur. Die ersten Jahre bin ich als Helfer mitgelaufen, habe viel dazugelernt. 1979 hat er dann angefangen, Gewerbeanträge zu stellen. Auch in den Jahren danach bis 1983 – es wurden alle abgelehnt. Immer wieder hieß es, es gebe keinen Bedarf. „Das war Quatsch, es gab nur nicht genug Material, aber das hätte ich mir schon besorgt“, erzählt der Consrader. 1985 begann er sein Meisterstudium zum Zentralheizungsbauer. Vier Jahre später konnte er ihn dann in den Händen halten, seinen Meisterbrief. „Mit dem Zettel habe ich mich dann beim Rat des Kreises beworben“, sagt Elsholt und streicht über ein beigefarbenes Blatt Papier. Es sei in die Jahre gekommen. „So wie er“, schiebt er scherzhaft hinterher. Und wenngleich Karl-Peter Elsholt nicht mehr mit raus zu Kunden fährt, ein täglicher Besuch in der Firma ist Pflicht. Er hat sie vor zehn Jahren an seinen Sohn Peter und seine Tochter Antje übergeben. So ganz loslassen kann er aber nicht. „Es würde mir wirklich was fehlen“, betont der 76-Jährige.

Was jedoch dem Familienbetrieb fehlt, kann Elsholt auch sagen ohne lange nachzudenken: „Ein Lehrling.“ Denn den gab es zuletzt 1997 im Consrader Familienbetrieb. „Wir haben viele Täler durchschritten und auch so manchen Sturm überstanden, doch dieses Problem scheint unlösbar“, sagt Peter Elsholt nachdenklich. Denn er kann nicht verstehen, dass das Interesse an seiner Branche bei Jugendlichen so gar nicht vorhanden ist. „Es gibt viele Jugendliche in Consrade, aber wir haben ja nicht einmal einen Schülerpraktikanten“, erklärt der Zentralheizungsbauer-Meister.

Mit den Jahren habe sich die Branche gewandelt. Die Zeiten, in denen die schweren Heizkörper in die Hochhausetagen getragen werden mussten, sind vorbei. „Der Fortschritt in der Technik hat vieles erleichtert, es ist nicht mehr die schwere körperliche Arbeit“, sagt Karl-Peter Elsholt und ergänzt: „Doch im Kopf sollte man fit sein.“ Denn Bäder seien eben nicht mehr nur mit dem Nötigsten auszustatten, sondern wahre Wohlfühloasen, weiß Elsholt.

Der Consrader glaubt auch heute noch an das Sprichwort: Handwerk hat goldenen Boden. „Du wirst kein Millionär, aber es ist eine gute ehrliche Arbeit, von der man auch leben kann“, versichert der einstige Firmeninhaber. Auch seine Tochter Antje Stövhase würde sich freuen, wenn sich ein Lehrling meldet oder sei es auch nur ein Praktikant. „Wir werden alle nicht jünger und der Fachkräftemangel ist in aller Munde – es wird Zeit, dass sich etwas ändert.“ Denn eine Perspektive gebe es für jeden Lehrling. „Wir haben alle gut untergebracht und wer etwas konnte, der hat auch heute noch Arbeit“, sagt die Firmenchefin.

Derzeit ist das Consrader Unternehmen in der Region unterwegs und betreut auch Aufträge bis Schwarzenbek, Grevesmühlen, Schönberg und Grabow.

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