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Besuch am Schweriner Theater : Ein Leben mit Eliza Doolittle

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Karola Ebeling spielte in den 60er-Jahren in Berlin „My Fair Lady“, jetzt schaute sich die 81-Jährige die Schweriner Inszenierung an

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erstellt am 29.Mär.2017 | 12:00 Uhr

Sie war viel unterwegs in ihrem Leben, hat in Berlin, München, Wien, Zürich, Wuppertal und Hildesheim Theater gespielt. Aber nach Schwerin kam Karola Ebeling erst jetzt, mit 81 Jahren. Der Grund: „My Fair Lady“ im Staatstheater. „40 Jahre lang habe ich in diesem Stück gespielt, zuerst die Eliza, später die Misses Higgins“, sagt sie. „Im Fernsehen habe ich dann Ausschnitte aus den Proben in Schwerin gesehen und gedacht: Die Inszenierung entspricht so sehr der Idee von unserer Premiere 1961. Das wollte ich unbedingt mit eigenen Augen sehen.“ Im Herbst schrieb Karola Ebeling an Operndirektor Toni Burkhardt –für den Frühling bekam sie Karten. Die erste deutsche Eliza Doolittle zu Gast zu haben, war auch für das Schweriner Ensemble des Jahres 2017 eine Ehre.

In der Pension am Theater, in der sie Quartier bezogen hatte, fand Karola Ebeling schnell alte Bekannte. „Ich setze mich zu meinem lieben Kollegen, mit dem ich in den 50er-Jahren „Kabale und Liebe“ gedreht habe“, sagt sie und zeigt auf eine Autogrammkarte von Otto Mellies an den mit Fotos reich verzierten Wänden. Mellies besuchte die Schauspielschule in Schwerin, hatte hier auch sein erstes festes Engagement. Wenn Karola Ebeling von früher erzählt, dann fallen Namen wie Horst Buchholz, Horst Tappert, Gustaf Gründgens, René Kollo und Paul Hubschmid – um nur einige zu nennen. Eine große Schauspielerfamilie sei das damals gewesen in Berlin, im Nachkriegsdeutschland.

Karola Ebeling lernte ihr Handwerk auf der Max-Reinhardt-Schauspielschule, bekam ein Engagement am Deutschen Theater, das aber mit dem Mauerbau 1961 abrupt endete. Doch die „Grenzgängerin“, wie sie sich selbst gern nennt, hatte Glück: Karola Ebeling hatte Gesangsunterricht genommen und sich um die Rolle der Eliza Doolittle in der deutschen Erstaufführung von „My Fair Lady“ beworben. Im Oktober 1961 war Premiere im Theater des Westens. Karin Hübner war die Erst-, Karola Ebeling die Zweitbesetzung. Eine Rolle, die ihr Schicksal werden und sie ihr Leben lang begleiten sollte. Mehr als 1000mal spielte sie das Blumenmädchen, auch als das Stück auf Tour durch Deutschland ging. Noch immer ist Karola Ebeling textsicher. „Wenn Misses Pearce oder Misses Higgins in Schwerin krank werden, könnte ich einspringen“, sagt die 81-Jährige.

Karola Ebeling kennt nicht nur die Sonnenseiten des Lebens. Wenig Glück hatte sie mit ihrer Ehe – sie heiratete den Sohn eines Kollegen aus „My Fair Lady“. Zwei Kinder, eine Trennung und einige Jahre als Hotelchefin in Bayern gehören zu ihrer Biografie. Doch die gebürtige Berlinerin hat sich nicht unterkriegen lassen, war immer wieder auf der Bühne und auch im Fernsehen zu erleben. Nach dem Theater-Besuch in Schwerin geht es übrigens weiter in die Hauptstadt. Auch wenn sie seit vielen Jahren in Bayern lebt: „Ich habe immer noch einen Koffer in Berlin.“


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