Schweriner Altstadt : Ein Kindergarten für Hunde

<strong>Kuscheln inbegriffen:</strong> Franziska Kern (l.) und Carola Mertens haben aus einem Ladenlokal eine Hunde-Kita gemacht. <foto>Klawitter</foto>
Kuscheln inbegriffen: Franziska Kern (l.) und Carola Mertens haben aus einem Ladenlokal eine Hunde-Kita gemacht. Klawitter

Ein freundlicher Hund im Büro sorgt für entspanntes Arbeiten. Doch nicht an jedem Arbeitsplatz ist er gern gesehen. Viele Hunde fristen dann ein trauriges Dasein allein zu Haus. Eine neue Idee kann da Abhilfe schaffen.

svz.de von
15. März 2013, 10:27 Uhr

Altstadt | Ein freundlicher Hund im Büro sorgt für gute Laune und entspanntes Arbeiten, belegen wissenschaftliche Analysen. Doch nicht an jedem Arbeitsplatz ist er gern gesehen. Deshalb fristen viele Hunde ein trauriges Dasein allein zu Haus. Eine neue Idee kann da Abhilfe schaffen: die Hunde-Kita. Während das Geschäft mit der Tagesbetreuung für Hunde andernorts bereits boomt, gibt es in Schwerin bei fast 3000 gemeldeten Hunden nur zwei Anlaufstellen.

Nach Vivien Käckenmeisters "Vivimei" bei Stern Buchholz hat jetzt in der City eine zweite Hunde-Kita aufgemacht. "Francanis" heißt sie, ein Wortgemisch aus den Vornamen der beiden Betreiberinnen, Franziska Kern und Carola Mertens, und dem lateinischen "Canis" für Hund. Auf 50 Quadratmetern im Erdgeschoss des Großen Moor 13 leben Mäxchen, Bruno, Lilith, Mino, Sammy und die anderen im modernen City-Hunde-Rudel. Auch wenn ihr Auslauf nicht frei über Feld und Flur geht, sondern nur an der Leine über die Marstallhalbinsel oder den Schlossgarten, sind sie abends, wenn Herrchen oder Frauchen sie abholen, redlich erschöpft von so viel artgerechten Sozialkontakten. Tagsüber werden Rangordnungen festgelegt, es wird gekuschelt, gestritten, gespielt, gebellt, geschlafen, die Hundesprache ausgiebig gepflegt. "Die großen Rassen lernen dabei ihre Kräfte richtig zu dosieren. Und die Kleinen, die hier oft vor viel zu viel Selbstbewusstsein strotzend ankommen, erfahren, dass sie nicht einfach jeden Hund respektlos ankläffen dürfen. Das sind Dinge, die sie an der Leine und mit ihrem Besitzer im Hintergrund selten richtig ausprobieren können", sagt Franziska Kern.

Seit einem halben Jahr ist die gelernte Buchhalterin jetzt professionelle Hundesitterin. Die Idee, sich mit diesem in Schwerin noch ungewöhnlichen Angebot selbstständig zu machen, kam ihr im Hundesalon, genauer gesagt bei Carola Mertens, die wenige Meter entfernt am Großen Moor den Vierbeinern schon seit Langem zu schönem Aussehen verhilft. Franziska Kern selbst ist mit Hunden groß geworden. Briard-Hündin Jonna kommt gerne mit in die Hunde-Kita. Von 7 bis 19 Uhr ist geöffnet. Obwohl die Gäste zu Hause gefüttert wurden und eine Gassirunde gedreht haben sollten, geht es morgens erstmal raus. Für Francanis arbeiten mehrere Honorarkäfte, die mit einem kleinen Trupp von zwei bis drei Hunden unterwegs sind. "Aus amerikanischen Kinofilmen kennt man zwar Hundesitter, die mit zehn oder mehr Hunden durch New York ziehen, aber das ist reine Fiktion. Zwei bis drei Hunde an der Leine sind für einen Menschen genug." Anschließend gibt es ausgiebige Spiel- und Toberunden, zur Mittagszeit ist wieder Frischluft angesagt. Bei Wind und Wetter, bei Regen und Schnee. Im Sommer geht es einmal die Woche richtig raus: In der Nähe von Lübesse hat Francanis drei Hektar eingezäunte Auslauffläche, auf der jeweils zehn Hunde ohne Leine toben dürfen. "Dieses Angebot ist bei unseren Kunden sehr begehrt", sagt Carola Mertens.

Knapp 30 Hundehalter gehören zu ihren Klienten, zugelassen ist die Hunde-Kita für 10 bis 15 Vierbeiner zur gleichen Zeit. Das Veterinäramt hat die Kita genehmigt, beobachtet und für gut befunden. Schon auf ihrem Weg zur Hundezüchterin hat Franziska Kern diverse Fortbildungen, auch in Tierpsychologie, absolviert.

Das Geheimnis der Hunde-Tagesmutti ist viel Spaß an der Arbeit mit den Tieren, aber eben auch dies: "Die Hunde müssen wissen, wer hier der Chef ist. Einige unschöne Marotten, die man vielleicht zu Hause noch durchgehen lässt, dürfen hier nicht ausgelebt werden. Vom strengen Nein bis zum Spritzer aus der Wasserpistole gibt es da so manchen Trick. Nach zwei bis drei Tagen wissen die Hunde, wie es hier läuft und wer das Sagen hat. Trotzdem kann ein Hund hier wirklich ganz Hund sein."

Demnächste wird "Francanis" allerdings umziehen. Richtung Puschkinstraße wird ein Komplex mit 150 Quadratmetern frei, dort soll das künftige Domizil für die Hundekita sein. Dann könnte das Rudel Zuwachs vertragen. Wer bei Francanis aufgenommen wird, entscheiden Merten und Kern nach einem Probetag: "Hunde, die zu uns kommen, müssen vor allem verträglich sein."

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