Hut ab: : Ein Herz für die Wandergesellen

Johannes Möller-Titel (l.) besucht – wie jeden Tag – die Baustelle des „Europahauses“. Zimmermann-Geselle Christoph aus Landshut ist auf der Walz und hilft mit, das Projekt fertig zu stellen.
Johannes Möller-Titel (l.) besucht – wie jeden Tag – die Baustelle des „Europahauses“. Zimmermann-Geselle Christoph aus Landshut ist auf der Walz und hilft mit, das Projekt fertig zu stellen.

Für Johannes Möller-Titel ist Stillstand Rückschritt – und deshalb geht es in seinem Leben auch alles andere als still zu

svz.de von
14. November 2014, 16:00 Uhr

Die Kreistagssitzung in Parchim machte Johannes Möller-Titel und seiner Frau Walburga einen Strich durch die Jahresplanung. Denn eigentlich war für Anfang November Entspannen in der Türkei oder Faulenzen in Griechenland angesagt. „Irgendwas mit Sonne. Wir machen immer Urlaub nach dem Hubertusfest“, sagt Johannes Möller-Titel. Diesmal nicht, denn den Kreistagsabgeordneten ruft die Pflicht. Wenn die nicht ruft, dann kommt er auch gerne auf ganz eigene Ideen – und in diese steckt der Rentner aus Stralendorf ganz viel Energie.

Johannes Möller-Titel ist 61 Jahre alt, raucht gerne Zigarillos, trägt Brille, einen grauen Vollbart, einen Schlüssel an einem Halsband und vieles mit Humor. „Früher haben sie mich Kugelblitz genannt“, sagt er und verzieht sein Gesicht zu einem Grinsen. Früher, das war Ende der 90er-Jahre. 156 Kilo brachte er auf die Waage. Heute, 15 Jahre, zwei Herzinfarkte und einen Schlaganfall später, ist er 40 Kilo leichter und aus dem Kugelblitz ist „Möti“ geworden. „Das ist die Abkürzung für Möller-Titel. Unter diesem Spitznamen bin ich bekannt“, sagt er.

Immer unter Strom, immer unterwegs, immer was zu tun. Wenn jemand behauptet, Johannes Möller-Titel sei von unruhiger Natur, dann widerspricht Möti nicht. Auch wenn er als lebhaft, gesellig, fröhlich oder stur beschrieben wird, legt er kein Veto ein. Redselig? Auch das, denn wenn er erzählt, dass eine Richtkrone unbedingt nur drei Bügel haben sollte, dann geht die Geschichte über Hölzchen und Stöckchen und kann schon mal mit einer Einführung in jemenitische Hochzeitsbräuche enden.

Auch wenn das Jagen den gebürtigen Ludwigsluster nicht interessiert, für Brauchtum, da hat er etwas übrig. „Deshalb helfe ich schon seit 25 Jahren mit, die Hubertusjagd zu organisieren“, sagt der Vorsitzende des Festkomitees. In Sachen Brauchtum hat ihn der Ehrgeiz jetzt aber bei einem ganz besonderen Projekt gepackt: das Europahaus in Dümmer. Möller-Titel lernte das Maurerhandwerk, machte sein Abi nach und durfte sich nach dem Studium Ingenieur des konstruktiven Hochbaus nennen. Als er sein eigenes Zuhause in Stralendorf baute, da arbeitete er auch mit Wandergesellen zusammen. „Die sind ja eigentlich arm dran, dürfen selbst im Winter keine Mäntel tragen“, stellte er fest. Und irgendwann hatte er die Idee, dass die Wandergesellen doch auch einen Treffpunkt gebrauchen könnten, einen Ort mit Werkstatt und Schlafräumen, ein Haus für die Geselligkeit und zum Ausruhen. „Und da die Gemeinde Dümmer auch ein neues Gemeinschaftshaus haben wollte, stand plötzlich zur Debatte, beides unter ein Dach zu bringen“, sagt Möller-Titel. Maurer, Zimmermänner, Steinmetze, Dachklempner, Schmied – seit Juni wird in Dümmer gebaut. „Ein einmaliges Haus“, schwärmt Johannes Möller-Titel.

Ohne den täglichen Baustellenbesuch fehlt ihm was. „Also bin ich jeden Tag eineinhalb Stunden hier“, sagt Johannes Möller-Titel und grüßt sich von einem Gesellen zum anderen. „Ohne Möti“, sind sich die Wandergesellen einig, „geht hier gar nichts“. Direkt, geradeaus, unverblümt – Mötis Art kommt bei den Handwerkern gut an. Johannes Möller-Titel ist stolz darauf, dass das Haus immer mehr Gestalt annimmt. Richtfest gab es schon, im kommenden Frühjahr soll es bezugsfertig sein. Dann steht schon Möller-Titels neues Projekt an. Er möchte gerne dafür sorgen, dass deutsche Wandergesellen auch in den Vereinigten Staaten von Amerika auf die Walz gehen können. „Doch das ist gar nicht so einfach“, sagt er, spricht von Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigungen. Aber der Landkreis Ludwigslust-Parchim hat ja mit Gratiot County im Bundesstaat Michigan einen Partnerkreis – und da will Johannes Möller-Titel den Hebel ansetzen und seine Beziehungen spielen lassen.

Immer unter Strom, immer unterwegs, immer etwas zu tun. Wer rastet, der rostet – Möti rostet garantiert nicht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen