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Zeitung für die Landeshauptstadt

20. November 2017 | 03:12 Uhr

Pinnower zeigt Sammlung : Ein Hang zu Kleiderbügeln

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Für Henry Piechowski aus Pinnow hat jedes Sammlerstück seine eigene Geschichte

svz.de von
erstellt am 09.Feb.2017 | 08:00 Uhr

Das Kaufhaus Karstadt in Schwerin ist schon lange Geschichte. Nach Kriegsende wurde es enteignet und das ehemalige prunkvolle Geschäftshaus Ecke Schmiede/Buschstraße gibt es auch nicht mehr. Wenn Konzerngründer Rudolph Karstadt nicht auf dem Alten Friedhof begraben worden wäre, dann wären Karstadts Spuren aus Schwerin fast gänzlich verschwunden. Aber es gibt noch etwas, das von der Zeit des einstigen Schweriner Warenhauses zeugt und noch in dem einen oder anderen Schrank hängen könnte: ein Kleiderbügel. Henry Piechowski hat solch einen Kleiderbügel, auf dem in Großbuchstaben der Firmenname und der Zusatz „Schwerin in Mecklenburg“ eingestanzt wurde. „Friedrich Zorn, Schwerin, Elegante-Herren-Bekleidung“, „Albert Grunow, Schwerin i.M, Kaiser Wilhemstr. 22“ oder „Albert Heinrich Meyer, Schwerin-Rostock-Wismar“ – ob kleine Bügel, große Bügel, schmale Bügel, breite Bügel, mit Stoffüberzug oder meistens ohne – Henry Piechowski hat einen Hang zu Kleiderbügeln und in zweieinhalb Jahren fast um die 100 Stück gesammelt. Warum er das macht? „Ich finde es spannend, denn hinter jedem Bügel steckt eine Geschichte“, sagt der gebürtige Schweriner Piechowski. Zu manchen kann er auch eine erzählen. Zu dem Bügel, der aus dem Besitz der Schwiegermutter stammt, und der nur dafür da war, dass die extra angefertigten Pelzmäntel immer gut hängen. Oder zu dem Bügel, der im Krieg der Uniform seines Freundes diente. Piechowski: „Diesen Bügel wollte er wegschmeißen. Zu schade, fand ich und habe ihn behalten“. Das war der Anfang der Sammelleidenschaft.

„Dieser hier stammt aus dem Atlantic-Hotel in Hamburg und der aus dem Staatstheater in Kassel“, zeigt der Werbetechniker Piechowski die Holzbügel mit entsprechendem Aufdruck, die die Bügelhersteller ihren Auftraggebern gleich mitlieferten.

Einen Kleiderschrank und drei Kartons, mehr braucht es nicht, damit der 58-Jährige aus Pinnow seine Sammlung verstauen kann. Manche Bügel machen es ihm dabei aber auch ganz einfach. „Die Reisebügel lassen sich zusammenklappen“, sagt er und macht aus einem stattlichen Bügel mit zwei Handgriffen einen im Miniformat. Ob Lübz, Gadebusch oder Bruel, ob Braunschweig, Dresden oder Duisburg, die Sammlerstücke von Henry Piechowski kommen aus vielen Ecken Deutschlands. „Zwei kommen sogar auch aus England“, sagt er. Dass sich seine Sammlung ständig vergrößert, dafür sorgt auch seine Frau Silvia. Als Leiterin des Schweriner Arbeitslosenzentrums hat sie auch mit Haushaltsauflösungen zu tun. „Kleiderbügel sind oft dabei“, sagt sie und bringt sie ihrem Mann mit. Welche er behalten will, solle er dann selbst entscheiden.

Plastik und Papp-Bügel haben die alten Holzbügel längst abgelöst. Aber woran hängt Sammler Piechowski seine Mäntel und Jacken denn auf? „Ich nutzte natürlich die hölzernen aus meiner Sammlung.“

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