Berthold Beitz erhält den Landes-Verdienstorden : Ein großer Deutscher aus Vorpommern

Berthold Beitz stammt aus dem vorpommerschen Zemmin. Lutz JOrdan
Berthold Beitz stammt aus dem vorpommerschen Zemmin. Lutz JOrdan

Viele haben schon von Berthold Beitz gehört: Im Zweiten Weltkrieg rettete er als kaufmännischer Leiter der Karpathen-Öl AG im polnischen Boryslaw hunderte Juden. Aber nur wenige wissen, dass Beitz aus Vorpommern stammt.

von
25. September 2012, 11:32 Uhr

Schwerin/Demmin | Viele haben schon von Berthold Beitz gehört: Im Zweiten Weltkrieg rettete er als kaufmännischer Leiter der Karpathen-Öl AG im polnischen Boryslaw hunderte Juden. Er stufte sie als unentbehrlich für die Erdölindustrie ein und beschäftigte sie in den von ihm verwalteten Fabriken. Nach Kriegsende wurde er zunächst Generalbevollmächtigter der Firma Krupp. Als Kuratoriumsvorsitzender der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung beeinflusste er die deutsche Nachkriegswirtschaft maßgeblich. Später bestimmte er den Strukturwandel im Ruhrgebiet wesentlich mit. Aber nur wenige wissen, dass Beitz aus Vorpommern stammt, aus dem kleinen Ort Zemmin unweit von Demmin.

Als herausragende Persönlichkeit dieses Jahrhunderts wird Berthold Beitz jetzt auf Vorschlag von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) mit der höchsten Auszeichnung des Landes, dem Verdienstorden, geehrt. Die Übergabe des Ordens war eigentlich für den 26. August vorgesehen, musste aber verschoben werden, wie Regierungssprecher Andreas Timm mitteilte. Die Reise aus dem Ruhrgebiet zur vorgesehenen Ordensverleihung in Greifswald wäre für Beitz, der am 26. September 99 Jahre alt wird, zu anstrengend gewesen. Ein neuer Termin steht noch nicht fest.

Obgleich es den Weltreisenden Beitz in seinem bewegten Leben in weit von Vorpommern entfernte Gegenden verschlug, ist er seiner Heimat immer verbunden geblieben und hat vielfältige Kontakte dorthin gepflegt. Selbst in Zeiten des "Eisernen Vorhangs".

Die jetzt geplante Auszeichnung ist nur eine von vielen Ehrungen, die ihm im In- und Ausland bereits zuteil wurden. Er trägt unter anderem den israelischen Ehrentitel "Gerechter unter den Völkern". Die Moses-Mendelsohn-Medaille für die Rettung verfolgter Juden wurde ihm genauso zuerkannt wie Bundesverdienstkreuze und -orden, mit denen vor allem sein Engagement für die West-Ost-Annäherung gewürdigt wurde. Hinzu kommen mehrere nationale und internationale Ehrendoktor- und Ehrenbürgerwürden sowie der erst in diesem Frühjahr verliehene Lew-Kopelew-Preis für Frieden und Menschenrechte. Doch Beitz weiß gerade die von seinem Geburtsort Zemmin erteilte Ehrenbürgerschaft sowie die Ehrenmitgliedschaft im dortigen Heimatverein besonders zu schätzen. Auch eine Straße ist in dem Ort nach ihm benannt. "Zemmin ist Heimat und Heimat bedeutet mir viel", bekennt er. Die Ehrungen zeigten, dass man ihn als Sohn des Dorfes nicht vergessen habe. Das bestätigt der Vorsitzende des Zemminer Heimatvereins "Summyn 1990 e.V.", Jürgen Piek, der an zahlreiche Besuche von Beitz und dessen großzügigen Spenden für das Dorf erinnert.

Als ein ganz besonderes Symbol der Verbundenheit mit seinem Heimatdorf werten die Zemminer, dass Beitz eine Glocke, die ihm seine Kinder zum 95. Geburtstag schenkten, für die Dorfkirche spendete. Seit 2008 hängt sie im Kirchturm.

Bei seinem ersten Besuch nach dem Krieg im Jahr 1982 veranlasste er, dass sein Elternhaus Am Kirchplatz 1 , das sich in beklagenswertem Zustand befand, renoviert wurde. "Wenn man sieht, wie das Haus zerfällt, in dem man zur Welt gekommen und aufgewachsen ist, dann schmerzt das", nennt Beitz sein Motiv. Heute bewohnt die Familie des Geschäftsführers des Wasser- und Bodenverbandes "Untere Tollense/Mittlere Peene", Hans-Dieter Lindemann, das Anwesen. Von Beitz’ Engagement profitiert nicht nur Zemmin, sondern auch die Ostseestadt Greifswald, wo er aufwändige Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten ermöglichte. Unter anderem schon zu DDR-Zeiten im Greifswalder Dom. Nach der Wende unterstützte er die Restaurierung des Audimax der Ernst-Moritz-Arndt-Universität und initiierte das Alfried -Krupp-Wissenschaftskolleg. Der neue Universitäts-Campus wurde nach ihm benannt. Beitz wurde schon vor dem Mauerfall zum Ehrendoktor und Ehrensenator an der Greifswalder Alma Mater ernannt, obwohl er nie eine Uni besuchte.

Mit großer Unbefangenheit, so wird ihm nachgesagt, hat er die wirtschaftliche West-Ost-Annäherung betrieben und Verbindungen geknüpft. So verhandelte er seinerzeit zum Ärger von Bundeskanzler Konrad Adenauer ohne jegliche Berührungsängste mit Polit-Prominenz der kommunistischen Ostblock-Staaten.

Seine direkten Gesprächspartner waren unter anderem der sowjetische Staatschef Nikita Chruschtschow, der polnische Ministerpräsident Josef Cyrankiewcz und auch nach längerem Anlauf DDR-Staats- und Parteichef Erich Honecker. Zu allen fand Beitz offensichtlich einen guten Draht. Nicht von ungefähr bezeichnete Alt-Kanzler Helmut Schmidt Beitz als "Diplomaten ohne staatlichen Auftrag" und "Vorreiter für Verständigung zwischen Ost und West".

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen