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Missbrauchsfall vor Gericht : Ein fürchterliches Familiendrama

vom
Aus der Onlineredaktion

Vater soll seine beiden Töchter über Jahre missbraucht haben. Vor dem Schweriner Landgericht hat der Maurer „dazu weiter nichts zu sagen“

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erstellt am 04.Okt.2017 | 20:55 Uhr

Unabhängig vom Urteil, daran hat Uwe Fiddecke keinen Zweifel, wird sich in den nächsten Tagen vor seinem Richterstuhl am Schweriner Landgericht ein „fürchterliches Familiendrama“ ausbreiten. Inständig bat der Vorsitzende Richter gestern den Angeklagten noch einmal zu überlegen, ob er in diesem Drama mit einer Aussage „nicht einen Schlusspunkt setzen“ könne. Falls an den angeklagten Straftaten etwas dran sei, wäre ein Geständnis „stark strafmildernd“, versicherte Fiddecke dem gelernten Maurer auf der Anklagebank.

Bislang sagte der 51-Jährige aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim vor Gericht jedoch nur: „Ich habe dazu weiter nichts zu sagen.“ Ein Satz, der Alles und Nichts bedeuten kann. Räumt er die Vorwürfe ein oder machen ihn haltlose Anschuldigungen seiner Töchter sprachlos? Oder wollte er lediglich klarstellen, dass er sein Recht zum Schweigen wahrnimmt?

Zweifellos wird am Ende des Prozesses – egal ob ein Urteil ergeht oder der Maurer freigesprochen wird – eine Familie endgültig zerborsten, werden Lebensläufe kaum heilbar zerstört sein. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vielfachen perfiden Missbrauch seiner beiden Töchter vor. Er soll zwischen 1996 und 2002 in 63 Fällen mit den Mädchen „den Verkehr vollzogen“ haben. Beim ersten Mal war das betroffene Kind acht Jahre alt. Laut Anklage vermittelte der Angeklagte seinen Töchtern, das es „normal“ sei, wenn ein Vater mit seinen Töchtern Sex hat. Angeblich verging er sich vor allem an der älteren Tochter. In mindestens einem Fall missbrauchte er beide Kinder gleichzeitig. Die Vorfälle sollen sich sich im Wohnzimmer, auf dem Dachboden, im Kinderzimmer der Mädchen, im Schuppen oder im Wasserbett der Eltern abgespielt haben. Einmal missbrauchte er eines der Mädchen im Urlaub im Campingwagen, als die Mutter mit der anderen Tochter zum Bäcker unterwegs war.

Was die Ermittler zur Anklage zusammenfassten, basiert vor allem auf den Aussagen der beiden Töchter, die 2012 zur Polizei gegangen waren. Zuvor hatte sich die Jüngere der beiden einer Psychoterapeutin offenbart. Allerdings kam ein psychiatrischer Gutachter zu dem Schluss, die inzwischen 28 Jahre alte Frau sei nicht glaubwürdig. Inzwischen will sie vor Gericht nicht mehr aussagen. In einem Brief soll sie sogar ihre Schwester der Lüge bezichtigt haben, die in der Hoffnung auf Geldzuwendungen ihren Vater falsch beschuldigt habe. Die ältere Schwester hielt jedoch an den Vorwürfen gegen ihren Vater fest. Sie wird voraussichtlich am Freitag im Gericht als Zeugin gehört.

Dem Gericht liegen auch zwei Briefe des Vaters an seine Töchter vor, die von den Ermittlern offenbar als Entschuldigung – und damit als Eingeständnis seiner Schuld – bewertet wurden. Die Mutter der beiden Mädchen soll bislang indes zu ihrem Noch-Mann gehalten haben. Der lebt inzwischen mit einer jungen Freundin zusammen, mit der er eine kleine Tochter hat.

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