Schweriner Betriebe suchen Azubis : Ein Führerschein für die Besten

Die Spedition Kruse expandiert: Geschäftsführer Bernd Kruse zeigt Peter Todt (r.) von der IHK die Baustelle der neuen Lagerhalle. Sie bietet auch Platz für die Ausbildung von weiteren Azubis.
Die Spedition Kruse expandiert: Geschäftsführer Bernd Kruse zeigt Peter Todt (r.) von der IHK die Baustelle der neuen Lagerhalle. Sie bietet auch Platz für die Ausbildung von weiteren Azubis.

Weil viele Lehrstellen unbesetzt sind, wetteifern Betriebe mit ausgefallenen Ideen um Azubis: Möbelspedition Kruse spendiert Fahrerlaubnis

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09. Mai 2017, 12:00 Uhr

Vier Lehrlinge für das neue Ausbildungsjahr hat Bernd Kruse schon gefunden. Zwei mehr sollen es bis zum Sommer noch werden. Um junge Leute für das Logistikgeschäft zu begeistern, geht der Chef der traditionsreichen Möbelspedition Friedrich Kruse in Schwerin-Süd neue Wege. So besuchte er beispielsweise jüngst die Astrid-Lindgren-Schule in Neu Zippendorf, stellte sich dem Gespräch mit Schülern. Für erfolgreiche Azubis hat sich Kruse einen besonderen Clou ausgedacht: Er will ihnen nach Abschluss der Prüfung einen Führerschein spendieren.

Mindestens mit der Note gut müssten die Lehrlinge ihre Ausbildung abschließen, wenn sie in den Genuss der Belohnung kommen wollten, sagt Kruse. Unternehmen müssten sich heute schon etwas einfallen lassen, um junge Leute an sich zu binden. „Wir kämpfen um jeden Mitarbeiter“, erklärt der Geschäftsführer für seine Zunft. 143 Jahre gäbe es die Möbelspedition Friedrich Kruse nun – und viele Jahre sollen möglichst noch dazukommen, so Bernd Kruse. „Dafür brauchen wir Jugendliche, die eine Ausbildung zur Fachkraft für Möbel- und Küchen- und Umzugsservice oder eine andere Lehre bei uns machen wollen.“

Azubis werden händeringend gesucht, längst nicht nur in der Logistikbranche. Mehr als 800 freie Ausbildungsplätze verzeichnet aktuell die Lehrstellenbörse der Schweriner Industrie- und Handelskammer, darunter allein rund 700 Stellen, die noch in diesem Sommer besetzt werden sollen. „Im vergangenen Jahr gab es zum gleichen Zeitpunkt 600 offene Plätze“, berichtet Peter Todt, Geschäftsbereichsleiter für Aus- und Weiterbildung bei der IHK. Für viele Betriebe werde es zunehmend schwieriger, geeigneten Nachwuchs zu finden, dabei seien die Rahmenbedingungen in Westmecklenburg gut. „Die Ausbildungsvergütungen sind vernünftig, die Berufsschulen befinden sich in der Region“, so Todt. Der Westen Mecklenburgs entwickle sich zudem immer mehr zu einem industriellen Standort mit modernster Technik, niemand müsse sein berufliches Heil etwa in den neuen Bundesländern suchen.

„Es ist und bleibt sehr anspruchsvoll, freie Ausbildungsplätze zu besetzen“, bestätigt auch der Leiter der Schweriner Arbeitsagentur, Guntram Sydow. Nach seinen Angaben sind in der Region 1892 Ausbildungsstellen noch nicht besetzt. Ihnen stünden 1474 noch unversorgte Jugendliche gegenüber. „Auf jeden Bewerber kommen somit rein rechnerisch rund 1,3 Ausbildungsstellen“, so Sydow. Er appelliert gerade auch an Abiturienten, die Chancen einer betrieblichen Ausbildung in der Region zu nutzen.

Bernd Kruse jedenfalls ist guter Dinge, er setzt auf die Jugend und auf die Zukunft seines Unternehmens. Der Speditionschef baut auf dem Betriebsgelände in der Otto-Hahn-Straße gerade eine neue Lagerhalle.




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