Kinotour macht Halt in Schwerin : Ein Film, der klassische Rollenbilder über Bord wirft

<p>Das 7 Göttinnen Team im Schweriner Filmpalast: Produzent Gaurav Dhingra, Darstellerinnen Rajshri Deshpande, Amrit Maghera, Sarah Jane Dias, Anushka Manchanda und Regisseur Pan Nalin (v.l.)</p><p> </p>
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Das 7 Göttinnen Team im Schweriner Filmpalast: Produzent Gaurav Dhingra, Darstellerinnen Rajshri Deshpande, Amrit Maghera, Sarah Jane Dias, Anushka Manchanda und Regisseur Pan Nalin (v.l.)

 

Ab heute läuft der indische Film "7 Göttinnen" im Kino: Gestern gab es bereits vorab ein Filmgespräch mit den Machern im Capitol.

svz.de von
17. Juni 2016, 12:00 Uhr

Passender hätte der Auftakt der deutschlandweiten Kinotour nicht fallen können, denn nach dem Fall Gina-Lisa Lohfink bestimmt die Diskussion um die Verschärfung des Sexualstrafrechts seit Wochen die politische Debatte. So bot auch der gestern im Capitol gezeigte Film "7 Göttinnen" reichlich Gesprächsstoff.

Aufgegriffen wird in der Komödie von Pan Nalin die indische Gesellschaft zwischen Tradition und Moderne. Im Mittelpunkt stehen hierbei die gesellschaftlichen Problemen von Frauen. Themen wie Homosexualität, Karrierehürden, Geschäfte mit Stammesrechten, Kastenunterschiede sowie sexuelle Gewalt an Frauen durchziehen die Handlung des Films. Ein Stoff, der in die malerische Szenerie Goas kunstvoll eingebettet wird.

Hier treffen sich fünf verschiedene Frauen im Haus von Hauptfigur Frieda (Sarah-Jane Dias), eine Werbefotografin. Diese verkündet ihren besten Freundinnen ihre bevorstehenden Hochzeit. Wen sie heiraten wird, enthüllt die Gastgeberin jedoch zunächst nicht. So rätseln die Frauen über den Bräutigam und zelebrieren einen ausgedehnten Junggesellinnen-Abschied. Angenehm ist, dass hier auch Raum für intensive Gespräche bleibt. So werden unterdrückte Lebensträume der Frauen angesprochen. Alle Protagonisten arbeiten in unterschiedlichen Berufszweigen, entsprechen bestimmten Rollenerwartungen, die sie bei Frieda zuhause lassen.

Nachdem Aktivistin Nargis (Tannishtha Terjee) auftaucht, steht schnell fest, dass sie letztendlich Friedas geheime Ehepartnerin ist. Alles scheint auf ein glückliches Ende hinauszulaufen, bis eine Wendung den Lauf der Geschichte dramatisch verändert.

Schweriner sind interessiert an der Entstehung des Films

Nach der Filmvorführung stellten sich vier der sieben angereisten Hauptdarstellerinnen sowie Regisseur Pan Nalin und Produzent Gaurav Dhingra den Fragen der Gäste. Im Fokus standen hierbei die sechswöchigen Dreharbeiten. „In den ersten Wochen lernten wir uns zunächst kennen“, sagt Anushka Manchanda. Dann habe das Team „gemeinsam ein Konzept erarbeitet“, so Nalin, der durch seine Dokumentation Samsara bekannt wurde. 

Die Dreharbeiten seien auch für Schauspiel-Kollegin Sarah-Jane Dias spannend gewesen. "Ich wusste erst kurz vorher, in welche Richtung sich meine Figur entwickelt", erinnert sie sich. An einigen Stellen wird die Spontanität der Handlung sichtbar, denn es entsteht der Eindruck, Nalin wollte zu viel aufeinmal erzählen. Themen werden nur angerissen, statt auserzählt. Dennoch ist der Film auf vielen Ebenen interessant, da er die Rolle der Frau innerhalb der indische Gesellschaft offen hinterfragt und das in einer neuen und modernen Erzählweise abseits des gewohnten Bollywood-Kitsch. Vielleicht hat es der Film gerade deshalb so schwer im regulären indischen Kino.

Am Ende: Standing Ovations

Abgerundet wurde der Abend im Captiol durch eine musikalische Einlage der vier Schauspiellerinnen mit anschließenden Standing Ovations. "Ein mutiger Film, der bei aller Ernsthaftigkeit trotzdem unterhaltsam bleibt", sagt Axel Gasché aus Schwerin nach der Vorstellung. Er habe sich spontan für den Besuch des Films entschieden. Beeindruckt habe ihn die tiefe emotionale Nähe zwischen den Schauspielerinnen, die "offensichtlich noch bis heute besteht".  Denn, während sich Anushka Manchanda an die gemeinsame Arbeit erinnert, kann sie schließlich ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Ihre Schauspiel-Kolleginnen spenden ihr mit einer Umarmung Halt. Danach sagen sie "Thank you Schwerin, you brought tears to our eyes and love to our hearts" - Danke Schwerin, du brachtest uns Tränen in die Augen und Liebe in unsere Herzen."

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