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22. November 2017 | 05:03 Uhr

Ein fataler Irrtum

vom

svz.de von
erstellt am 24.Nov.2007 | 10:29 Uhr

Die Tragödie um die kleine Lea-Sophie hält das Land in einer Schockstarre gefangen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt die Schuldigen dieser Katastrophe. Wagt man einen Blick hinter die Kulissen, wird schnell deutlich, dass strukturelle Probleme in den Behörden der Verhinderung von Fällen misshandelter und vernachlässigter Kinder nicht gerade förderlich sind. Und das nicht erst seit gestern. Es ist offensichtlich, dass die Jugendämter völlig überfordert sind. Die Probleme sind zum Teil hausgemacht: Mangelnde Qualifikation und ein unglaublich niedriger Wille, dieser mit Weiterbildung zu begegnen, sind die Regel. "Unsere Leute sind schon gut ausgebildet", ruft es schnippisch wie kurzsichtig aus den Chefzimmern der Behörden. Wer seinen Mitarbeitern keine Chance lässt, sich in Sachen "Kindeswohlgefährdung" weiterbilden zu lassen, geht jedoch ein hohes Risiko ein.
Zu einfach scheint es, den "schwarzen Peter" allein der Behörde zuzuschieben. Oft genug stand das unpopuläre Jugendamt ganz oben auf der Streichliste in den Finanzausschüssen der Kommunen. Die Folge: Immer mehr Klienten für immer weniger Sozialpädagogen. Es ist zu wünschen, dass der Schock von Schwerin von Städten und Landkreisen zum Anlass genommen wird, beim nächsten Griff zum Rotstift nicht sofort die Kinder- und Jugendarbeit ins Visier zu nehmen. Unabhängig von finanziellen Zwängen. Was das Land überdies bei der Kalkulation der demografischen Entwicklung übersehen hat: Zwar ist die Einwohnerzahl in Mecklenburg-Vorpommern gesunken, die Anzahl der Probleme jedoch nicht, fanden Forscher aus Neubrandenburg heraus. Die Schlussfolgerung lautete damals, dass dann auch weniger Sozialpädagogen gebraucht würden. Ein fataler Irrtum. Ein anderes Problemfeld ist die völlige Autonomie der Jugendämter. Ohne in einen Kontrollwahn zu verfallen: Eine Fachaufsicht des Landes, die den Behörden auf die Finger schaut, würde guttun. Im Interesse unserer Kinder.

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