Spannendes aus Schwerins Vergangenheit : Ein dunkles Kapitel der Stadtgeschichte

Überall in der Stadt erinnern heute Stolpersteine an die deportierten Schweriner Juden.
Überall in der Stadt erinnern heute Stolpersteine an die deportierten Schweriner Juden.

Vor 75 Jahren wurden Juden ins Konzentrationslager nach Ausschwitz und Theresienstadt deportiert

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24. November 2017, 12:00 Uhr

Seit der Gründung der Stadt 1160 hat sich Schwerin stetig verändert, ist mit den Jahren immer weiter gewachsen. Neue Straßen wurden geplant, Gebäude errichtet und wieder abgerissen, Grünflächen entstanden und Bäume mussten neuen Bauprojekten weichen – in der Landeshauptstadt ist einiges passiert. Was war denn vor 75 Jahren in Schwerin los?

1942 war der Zweite Weltkrieg in vollem Gange und auch in Schwerin waren die Kriegshandlungen zu spüren. So wurde das Jagdschloss in Friedrichsthal zum fünften Reservelazarett in der Stadt, im Sommer des Jahres wurde Alteisen eingesammelt und der Domturm und das Kirchenschiff von der Schelfkirche bekamen ein neues Dach. Denn das Kupfer benötigte die Kriegswirtschaft. So bekam der Turm des Doms kurzerhand ein Dach aus Dachpappe.

Die Badeanstalt am Lankower See wurde zu einem Lager für sowjetische Kriegsgefangene umfunktioniert. Und weil während des Krieges wenig Verkehr in der Stadt war, wurden die Einbahnstraßen und Stoppschilder bis 1945 aufgehoben.

Doch auch das dunkelste Kapitel der Stadtgeschichte fand vor 75 Jahren statt. Am 10. Juli 1942 wurden 80 Juden aus Mecklenburg in das Konzentrationslager nach Auschwitz gebracht. Vier Tage zuvor hatte die Staatspolizeistelle in Schwerin den Transport angewiesen. Zwölf Schweriner Männer und Frauen zwischen 16 und 64 Jahren wurden vom Hauptbahnhof mit dem Zug über Ludwigslust und von da in einem Transport mit 300 Juden aus Hamburg deportiert. Unter ihnen waren der Kantor Leo Mann und seine Ehefrau Frieda Mann, deren Wohnung am Großen Moor 12 an den Schneider Kelling neu vermietet wurde. Olga Stern und ihre Tochter Lotte wählten vor Abfahrt des Zuges ins KZ Auschwitz den Freitod.

Am 11. November 1942 brachten die Nazis dann noch mal sechs Schweriner Juden zwischen 62 und 80 Jahren in ein Konzentrationslager, diesmal nach Theresienstadt. Sie lebten seit 1939 in Gemeinschaftswohnungen in der Schlachterstraße 3 und 5. Unter ihnen war auch Louis Kychenthal. Sein Kaufhaus am Markt 4 wurde am 9. November 1938 in der Pogromnacht verwüstet. Louis Kychenthal starb im KZ Theresienstadt, ebenso wie Hermann Abraham. Er hatte in Zippendorf Am Strand 14 ein Café, wurde 1938 denunziert und kam ins Gefängnis Dreibergen-Bützow. Heute erinnern in der gesamten Landeshauptstadt Stolpersteine an die Schweriner Opfer des NS-Regimes.

Mit den Transporten endete auch die Geschichte der Jüdischen Gemeinde, die seit mehr als 250 Jahren in Schwerin bestand. 1994 wurde wieder eine Gemeinde gegründet. Sie zählt heute 1000 Mitglieder.

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