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Zeitung für die Landeshauptstadt

21. November 2017 | 11:13 Uhr

Friedhof Schwerin : Eigenes Gräberfeld für Muslime

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Auf dem Waldfriedhof in Schwerin besteht jetzt die Möglichkeit, Tote nach muslimischem Ritus zu beerdigen.

von
erstellt am 13.Feb.2017 | 20:45 Uhr

In Schwerin sind jetzt auch Bestattungen nach islamischem Ritus möglich. Die Stadtwirtschaftlichen Dienstleistungen (SDS) haben auf dem Waldfriedhof eine Fläche dafür hergerichtet. „Dieses Gräberfeld war nicht mehr für eine Belegung vorgesehen, weil auch in Schwerin die Zahl der Erdbestattungen zurückgeht“, sagt Werkleiterin Ilka Wilczek.

Mohamed Dib Khanji, Vorstand des Islamischen Bundes Schwerin, war an die Stadt herangetreten und hatte nach Möglichkeiten für die Bestattung von Moslems gefragt. „Wir haben die Möglichkeiten geprüft und dann ein Gräberfeld so ausgemessen, wie es dem islamischen Ritus entspricht“, sagt Ilka Wilczek. Das bedeutet, die Toten müssen mit Blickrichtung nach Mekka beerdigt werden. Und zwar nicht ungefähr, sondern auf die Bogensekunde ganz genau ausgerichtet.

Bisher ist auf dem Waldfriedhof erst ein Moslem beerdigt worden. Rund 70 Bestattungen sind auf dem Gräberfeld möglich. „Dafür gibt es aber keine Sonderbehandlung“, sagt Ilka Wilczek. Das bedeutet: Auch für islamische Beerdigungen gilt das Bestattungsgesetz Mecklenburg-Vorpommerns und die Schweriner Friedhofsordnung. „Für die Gräber muss ganz normal eine Nutzungsgebühr bezahlt werden – wie für jede andere Grabstätte auch“, so die Werkleiterin.

Nach den Regeln des Islam sollten Tote noch am Sterbetag beerdigt werden. Es sind nur Erdbestattungen erlaubt. Nach der rituellen Waschung – nur Männer dürfen Männer waschen, nur Frauen Frauen – wird der Tote in Leinentücher gehüllt und in „jungfräulicher Erde“ ohne Sarg beigesetzt. Das ist nach dem Bestattungsgesetz des Landes möglich. Allerdings muss der Transport des Toten bis zum Grab in einem Sarg erfolgen. Für die Waschung steht am Krematorium ein Raum zur Verfügung, der auch für andere Bestattungen genutzt werden kann.

Für den Bestatteten gilt ein „ewiges Ruherecht“. Eine Grabpflege ist bei Moslems nicht üblich. Einzelheiten des Bestattungsrituals sind bei Schiiten und Sunniten, den wichtigsten Glaubensrichtungen der Moslems, unterschiedlich.

Inzwischen hat es in der vergangenen Woche die erste Bestattung nach islamischem Ritus in Schwerin gegeben. Abgewickelt werden diese Beerdigungen über den Islamischen Bund.

Bestattungsunternehmen in der Region beklagen indes, dass die Beisetzungen durch Anbieter von außerhalb vorgenommen werden und den Firmen, die hier Steuern zahlen, keine Umsätze bringen.

 

 

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